Es ist wieder Zeit für einen Bericht von Markus Büssecker zu Kanada: Toronto ist die größte Stadt im großen Kanada. Zweieinhalb Millionen Menschen leben in der Metropole am Ontariosee. Das Herz der Stadt schlägt in Downtown, das vor allem von den Banken und ihren Hochhäusern beherrscht wird. Kein Wunder, dass es  in den Straßen hektisch zu geht. Jeder ist busy…

Zum Glück kann ich einen Gang zurückschalten. Ich mache einen Spaziergang und entdecke vor allem eines: faszinierende Kontraste.

Ein Hauch von Mittelalter ist überall

Ich komme in Downtown Toronto mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Das bedeutet Ausstieg direkt an der Union Station/Front Street. Der Bahnhof ist der zentrale Knotenpunkt für alle Nichtautofahrer. Für 99 Prozent dieser Spezies geht der Weg per U-Bahn, Straßenbahn oder Bus weiter. Ich wage mich zu Fuß in die Stadt. Nachdem ich mich geschickt wie ein Aal in Richtung Norden schlängele (immer geradeaus), komme ich zum alten Rathaus von Toronto. Und das sieht wirklich alt aus. Wohlgemerkt, »Downtown« gehört zum Stadtbezirk »Old Toronto«. Aber Altstadt in Kanada ist anders. Das liegt einfach an der insgesamt recht jungen Historie im Vergleich zu Europa.

Torontos Old City HallDas alte Rathaus wurde 1899 vollendet und bis 1966 genutzt. Mit dem imposanten Glockenturm und schlossartigem (neuromanischem) Baustil, ist das Gebäude ein Stück Mittelalter. Es gibt sogar Wasserspeier an dem Turm! Ein Glück, dass das Rathaus nicht wie geplant in den den 60er Jahren abgerissen worden ist. Meiner Meinung nach hat der Architekt den Bauplan direkt aus einem Fantasybuch kopiert.

Der Kontrast von Groß und Klein

Weiter geht es Richtung Norden immer der Yonge Street nach. Die Orientierung ist denkbar einfach. Alles ist in Schachbrettform angeordnet. Auf den Straßenschildern gibt es dann die Himmelsrichtung als gratis Beigabe.

Je weiter ich mich vom Finanzzentrum der Downtown entferne, desto mehr schwinden die Hochhäuser. Ich entdecke freie Blicke auf den Himmel über mir, mehr Menschen gehen und rennen nicht, gemütliche kleine Café lösen die Fast-Food-Ketten ab. Hier ist Toronto entspannter. Zwar gibt es hier nicht die großen architektonischen Wunderwerke, aber hier spüre ich den Kontrast von Groß und Klein.Toronto Downtown Contrast

Die Häuser haben zwei Etagen. Meistens ist unten ein Laden oder ein Café/Pub zu finden. Es ist wie eine Mini-Zeitreise in das frühe 20. Jahrhundert. Im Hintergrund dagegen zeichnet sich die imposante Skyline der Bankenriesen ab. Für mich repräsentiert dieses Bild irgendwie das ganze Land. Es gibt viele Gegensätze, die sich doch zusammenfügen.

Ein ganz besonderer Fernsehturm

Torontos CN TowerMeine letzte Station hebe ich mir für den späten Abend auf. Ich will nämlich besondere Fotoaufnahmen machen. Er ist das Wahrzeichen Torontos: 553 Meter hoch, 2 Millionen Besucher jährlich, 36 Jahre alt. Der CN (Canadian National) Tower liegt unmittelbar im Zentrum der Stadt. Bis 2007 war er das höchste freistehende Bauwerk der Welt. Ich stehe also am Fuß dieses Turms, der im Tageslicht nicht unbedingt einen Schönheitspreis gewinnt und starre angestrengt aufwärts. Für zehn Minuten bin ich eine Ameise. Ich werde es heute nicht mehr nach oben zum Restaurant (!) oder der Aussichtsplattform schaffen, denn es ist bereits dunkel. Darauf habe ich gewartet.

Denn jetzt offenbart sich der Riese als Monolith aus dem Cyperspace und gibt eine super Motiv ab. Ich klicke drauf los. Und da sind sie wieder diese Gegensätze – ich liebe diese Gegensätze!

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