Unser Stepin-Teilnehmer Markus Büssecker wird in den kommenden Monaten live von seinen Erlebnissen und Erfahrungen während seines Work and Travel in Kanada für die Weltneugier berichten wird. Heute geht es um seinen Job in einer Brauerei.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein und Brot muss auch erst mal gekauft werden. So drastisch ist es natürlich nicht. Trotzdem, das Leben ist auch in Kanada nicht umsonst. Es wird Zeit, dass ich mich nach einem ersten Job umschaue. Über eine Zeitarbeitsfirma lande ich direkt bei einem Unternehmen mit Gründerhistorie aus dem Jahre 1834: Der John H. Sleeman Brauerei in Guelph.

These boots are made for working!

6:00 Uhr: Der Wecker klingelt und stimmt mich auf den Freitag zum Wochenfinale ein. Ab ins Badezimmer, rein in die Klamotten und vor allem in die Arbeitsstiefel. Die sind nicht einfach anzuziehen. Schweres Leder, Stahlkappen und noch ein hoher Schaft. Allerdings muss das Schuhwerk so martialisch sein. Wer in Kanada in einer Fabrik oder Baustelle arbeitet, hat sicherheitsgeprüfte Schuhe zu tragen (grünes Dreieck mit CSA-Schriftzug am Schuh). Ohne kommt man gar nicht erst zum Arbeitsplatz.

Markus mit Kollegen vor der Sleeman Brauerei7:03 Uhr: Ich sitze mit dem Rest meiner zehnköpfigen Crew in der Cafeteria der Brauerei und Chris Wells, unser Supervisor, gibt uns die Anweisungen für den Tag. Wir werden heute am Fließband eingesetzt. Dort dreht sich alles um fehlerhafte Flaschenköpfe. Bei der Produktion kommt es ab und an zu Brüchen am Flaschenkopf. Die Scanner können das menschliche Auge eben nicht ersetzen

Diese Fehler zu finden, ist unsere Aufgabe. Darf ich mich vorstellen: Markus, Flascheninspektor! Das ist übrigens meine offizielle Berufsbezeichnung…

Die nächste Palette kommt bestimmt

9:16 Uhr: Wir kommen von unserer ersten Pause zurück. Die Pausenzeit von 50 Minuten ist in Kanada per Gesetz vorgeschrieben. Am Band bin ich heute für den Nachschub von Flaschen zuständig. Heißt im Klartext; Paletten beim Staplerfahrer ordern, 148 Kisten mit insgesamt 1776 (!) 0,6 Literflaschen abladen und für die Kollegen am Fließband fertig machen. Ich kann meine Augen schonen, andere halten nach noch so kleinen Rissen im Glas Ausschau, die aussortiert werden. Dafür darf ich kostenlos meine Oberköpermuskeln betätigen.

13:30 Uhr: Es ist harte Arbeit, ganz ohne Frage. Aber wie mir Kollegen erzählen ist das Betriebsklima bei Sleeman geradezu himmlisch. In der Umgebung gibt es vor allem Autoindustrie und dort herrscht angeblich eine härtere Gangart. Ein immer wiederkehrendes Thema am Tisch ist, dass in Kanada die Zahl der Festanstellungen im Bereich der Industriearbeit nach der Wirtschaftskrise drastisch zurückgegangen ist.

Viele arbeiten mit befristeten Verträgen oder über Zeitarbeitsfirmen zu mehr oder minder guten Konditionen. Ich bekomme in der Stunde 12 kanadische Dollars (Mindestlohn ist 10,25 CAD/Std. in Ontario). Für mich reicht das momentan, für Familienväter ist das eng. Es gibt sie, die Sorgen um das Geld und die Rechnungen,

14:45 Uhr: Chris lässt uns für heute Schluss machen. Wir haben unser Soll erfüllt und da dürfen wir schon mal 15 Minuten früher raus. In der Hinsicht ist in der Brauerei echt alles human. Ich habe immer das Gefühl, das gute Arbeit gewürdigt wird und auch das Miteinander verläuft problemlos.

Der schönste Scheck ist der Paycheck

15:12 Uhr: Ein Kollege nimmt mich mit in die Stadt. Dort muss ich nämlich in einem Büro meinen Gehaltsscheck abholen. Scheck? Ja, das ist gewöhnlich in Kanada. Den Scheck kann ich dann bei meiner Bank auszahlen lassen. Das mache ich morgen. Außerdem werde ich mit Sicherheit einen Dauerauftrag einrichten, um die Auszahlung bargeldlos abzuwickeln. Jetzt kann erstmal das Wochenende kommen.

Markus mit seinem ersten Paycheck

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