Jenny in Indien #3: Die mit der Kuh tanzt

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Unsere ehemalige Teilnehmerin und jetzige Mitarbeiterin Jenny ist weltneugierig gewesen und hat sich zusammen mit ihrem Freund auf ein dreiwöchiges Indien-Abenteuer eingelassen. Zunächst ging es von Neu-Delhi über Agra und Jaipur in die Gegend um Rajasthan. Anschließend zog es sie weiter bis nach Mumbai und Goa. Die heutigen Stationen sind Pushkar und Udaipur.

Man sollte jemanden nicht wie einen Gott behandeln, sonst wird er überheblich. Das ist allgemein gültiges Gesetz. In Indien durfte ich dies nun an einem sehr eindrucksvollen Beispiel erleben: Der Kuh. Dass diese heilig ist, ist ja allseits bekannt. Dass sie das auch weiß, ahnt jedoch niemand.

Pushkar und seine Heiligkeiten (eine Gottheit tritt auf zu)

Jenny und ihr FreundAuch ich dachte mir nichts Böses, als ich in der heiligen Stadt Pushkar gen Markt wanderte und schräg hinter mir eine Kuh scheinbar friedlich ihres Weges ging. Die Portugiesin, mit der ich mich diesmal zusammengetan hatte, erklärte mir gerade (und das ist kein Witz), dass sie langsam ihre Angst vor Kühen verlor, schließlich seien sie ja offenkundig harmlos.

Und just in diesem Moment passierte es: Eine gewaltige Wucht traf mein Bein, ich wurde durch die Luft geschleudert und kam mit einem harten Aufprall auf dem Boden auf. Mein erster Gedanke war, dass ich von einem Tuk Tuk überfahren wurde.

Der wahre Übeltäter zeigte sich jedoch sogleich: Es war die Kuh, die jetzt an mir vorbeilief, friedlich wie eh und je, als wäre nichts gewesen. Am liebsten hätte ich in diesem Moment mein Vegetarier-Dasein beendet und mir ein saftiges Rindersteak zum Mittagessen gegönnt! Aber in Pushkar ist Fleischkonsum verboten, deswegen rettete dieser Pilgerort meine Seele. In Pushkar ist alles heilig: Der See, die Kühe, die Bewohner und Yoga und Ayurveda sind allgegenwärtig.

Und was es mit dem Händchenhalten auf sich hat

Eine große Gefahr barg für meinen Freund und mich hier das Verbot, in der Öffentlichkeit Händchen zu halten. Umso komischer fanden wir es, dass indische Männer hier genau dies taten – untereinander. Beim ersten Mal dachten wir noch, wir hätten ein liberales Schwulenpärchen getroffen und feierten das moderne Indien. Bald fiel uns jedoch auf, dass dann alle Männer hier schwul sein müssten. Als wir uns schließlich trauten, einen Inder danach zu fragen, erklärte der uns, dass das hier ganz normal und nur ein Zeichen der Freundschaft sei. Tja, when in India…

GebetUm unser Karma ein bisschen zu verbessern, nahmen wir an einer Zeremonie am heiligen See teil. Gott weiß, was ich dem Brahmanen dabei auf Hindi nachsprach, aber danach fühlte ich mich richtig spirituell und war stolz auf die zahlreichen Farben, die mir der Priester auf die Stirn getupft hatte. Leute, seht her, ich war beten!

Yoga in Indien – ein Muss?

Kein Indien-Urlaub ohne Yoga, dachte ich mir schließlich und zusammen mit der Portugiesin aus unserem Hotel machte ich mich auf den Weg zu den »Yoga-Gardens«. Bei dem Kurs waren außer uns noch eine Spanierin und eine Australierin, die beide absolute Profis waren.

Yoga in Deutschland ist ja bekanntlich sehr auf Entspannung und langsame, fließende Bewegungen ausgerichtet. Was soll ich sagen – indisches Yoga ist… anders. Die Stunde verläuft ungefähr so: Der Yogalehrer macht eine Figur, die ich noch nie gesehen habe, ich versuche sie nachzumachen und scheitere, der Yogalehrer macht die nächste Figur, ich scheitere, der Yogalehrer macht die nächste Figur… Nein, von Entspannung war hier nicht die Rede, es ging Schlag auf Schlag, begleitet von trockenen Kommentaren des Lehrers, wie »Wir Inder machen kein Yoga, wir bringen es nur dicken Touristen bei«.

Ein indisches KamelDas Ende der Sitzung war sonst mein Lieblingsteil, die Entspannung, bei der man einfach mit geschlossenen Augen auf der Matte liegt und die Umwelt vergisst. Doch kaum hörten wir auf, uns zu bewegen, wurden wir von Moskitos attackiert, als gäbe es kein Morgen mehr. Fazit der ganzen Sache: Yoga in Pushkar ist eine wahre Übung für den starken Willen – also nichts für mich.

Trotzdem werde ich Pushkar nie vergessen. Wegen der wunderschönen Landschaft, einer Kamelsafari, bei der wir am Ende durch den Monsun zurück in die Stadt trabten, den schönen Tempeln und und und…

Udaipur – Untypisch sauber

Aber auch die nächste Stadt, Udaipur war ein echtes Highlight unserer Reise. Hatte ich erzählt, wie schmutzig es in Indien überall ist? Müll und Exkremente auf den Straßen, die durch die Regengüsse um unsere Füße herumspülten, sind hier allgegenwärtig.

Tanzende Frauen in UdaipurNicht so in Udaipur. Mein erster Kommentar zu dieser Stadt war: »Wow, hier ist es ja sauber, wie machen die das?« Die Antwort meines Freundes war weniger euphorisch: »Wahrscheinlich wie überall sonst auf der Welt.« Auch wieder wahr. Das hinderte mich jedoch nicht daran, hier alles toll zu finden.

Das Luxushotel auf dem See, in dem auch schon Britney Spears residiert hatte (allerdings ohne dieses je zu verlassen). Die weißen Häuser, schillernde Shows, bei denen Frauen mit zehn Krügen auf dem Kopf tanzten und der wunderhübsche kleine Kunstladen.

In diesem waren wir fast täglich zu Gast. Hier gab es kostenlosen Chai, witzige Anekdoten vom Hippie-Besitzer und Kunst, soweit das Auge reichte. Danach zierte ein Henna-Tattoo meinen Arm, ein kleiner Elefant meinen Fingernagel und unsere Rucksäcke waren voller Mitbringsel. Ein weiterer Pluspunkt von Udaipur: Es gab kaum Kühe. Unser Verhältnis wird wohl für immer negativ behaftet sein.

Jennys vorheriger Artikel Deine Möglichkeiten in Indien

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