Cindy in Indien: Auf Farbflucht beim indischen Holi Fest

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Bald beginnt in Indien das sogenannte Holi-Fest – ein Frühlingsfest, welches immer am Vollmondtag des Monats Phalguna (Februar/März) startet und hauptsächlich im Norden Indiens gefeiert wird. Das »Fest der Farben« dauert mindestens zwei, in einigen Gegenden des Landes sogar bis zu zehn Tagen. Unsere Gastautorin Cindy Ruch hat die Feierlichkeiten live vor Ort erlebt.

Bunter Inder vor einem bunten HausIch erinnere mich an eine wahre Farbflucht. Wir rannten so schnell es unsere Flipflops erlaubten, während uns zehn indische Männer hinterher rannten, mit Farbe im Gesicht, und sie heulten und schrien, als wären sie auf der Jagd. Sie jagten uns eine breite Straße in Jaipur (Rajasthan) hinterher und riefen laut: »Happy Holi!«. Das Festival begann. Der erste Tag des Festivals startete allerdings ruhiger.

Ankunft mit dem Zug in Jaipur

Gerade aufgewacht wankten wir am Morgen um 7 Uhr aus dem Schlafabteil des Zuges in Jaipur heraus. Auch noch nach einem Monat Reise durch Indien hatten wir diesen Moment, in dem wir schlichtweg überfordert waren, wenn wir nach einer Zugnacht aus unserem Abteil ausgespuckt wurden. Rikschafahrer liefen auf uns zu, versuchten uns zu einer Fahrt und einem Hotel zu überreden, während wir noch die Schnallen an unseren Rucksäcken festzogen. Wir schüttelten die Köpfe, sagten »No, no« und wurden sichtbar überhört.

Ein indischer Farbverkäufter in JaipurIn Indien bewegt man den Kopf von einer Schulter zur anderen schließlich ständig, und meint damit Ja oder Nein. Unsere Kommunikationsfähigkeiten befanden sich noch im Anfangsstadium. Zur Feier des Tages wählten wir den Rikschafahrer im pinken Hemd, unserem ersten Farbtupfer des Holi Festivals. Er brachte uns in ein nettes Hotel, die uns versüßten Kaffee aufs Zimmer brachten.

Wir waren angekommen in der so genannten pinken Stadt, der Farbrausch konnte losgehen. Es war der erste Tag des Holi-Festivals und überall befanden sich kleine Wagen und Stände mit Farbbergen. Auch wir kauften eine Plastiktüte voll mit gefärbtem Puder – Gulal genannt – gewappnet für die Farbschlacht.

Cindy und ihre Freundin in Farbe gebadetSunny sprach uns an: »Hallo, hallo. Wieso reden denn die Weißen so ungern mit Indern?« Perplex blieben wir stehen. Tatsächlich hatten wir uns in den letzten Wochen angewöhnt, nicht auf jedes Ansprechen zu reagieren, da es nach zwei Sätzen meist darum ging, ob wir etwas kaufen wollten oder ob wir verheiratet seien. Sunny gab uns seine Handynummer und lud uns zu einem Holi-Party ein.

Erst einmal gibt’s das Elephant Festival…

Im Jaipur Chagan Stadium fand das Elephant Festival statt, wir liefen in einen Auflauf weißer Touristen und bunt geschmückter und bemalter Elefanten. Die grauen Riesen waren in bunte Clowns verwandelt worden. Ganz im Sinne der Tradition, in der sie ein Symbol der Königlichkeit darstellen. Wieder wurden wir angesprochen: Warum Weiße denn so ungern mit Indern redeten? Wir lachten, hatten die Jaipur-Frage entlarvt, und wurden zu einer weiteren bunten Holi-Party eingeladen. Schon in der nächsten Stadt war es eine andere Frage: Welches Land leide denn momentan unter unserer Abwesenheit? Am zweiten Tag fand das eigentliche Fest der Farben statt.

Drei Männer auf einem Moped beim HoliDen Geschichten nach wird damit der Winter verabschiedet und der Frühling aufgeregt begrüßt. Grenzen wie gesellschaftlicher Status, Geschlecht, Kaste und Alter sollen an diesen Tagen auch aufgehoben werden. Sauber verließen wir unser Hotel, und sahen schon von weitem Leute zu Trommeltakten tanzen, während sie Farbspuren auf der Straße hinterließen.

…und das eigentliche Holi Fest

Vorsichtig näherten wir uns, unsicher, was uns wirklich erwartete, und schon wurden wir entdeckt, laut mit »Happy Holi!« begrüßt, und bevor wir reagieren konnten, geschnappt und eingefärbt! Heraus kamen wir in Pink und Grün, in den Haaren, auf den T-Shirts, wir hatten uns in Farbkugeln verwandelt.

Cindy mit Freunden im Kreis auf dem Boden sitzendDer Weg in die Stadt war ein einziger Farbtopfhindernislauf: Menschen kamen aus Seitenstraßen angerannt, das Puder in der Hand, doch sie schmissen es uns nicht nur entgegen, sie wollten es in unsere Haare und in unser Gesicht tief einreiben. Wir schossen mit unserem Farbvorrat zurück, aber sie waren eindeutig die Experten.

Letztendlich rannten wir nur noch davon vor Farbwolken und flüchteten in eine Seitengasse. Wir fühlten uns wie buntbemalte Ostereier am Tag vor Ostersonntag. Zur Mittagszeit ließ die Farbschlacht bereits nach, und jeder von alt bis jung schlich sichtlich erschöpft und bunt umher. Alle schienen auf diesem Spielplatz getobt zu haben, hatten Farben ausgeteilt und eingesteckt. Nur Frauen sahen wir wenige, was wohl an der 75 Prozent Männerquote in Jaipur lag. Wir gingen noch zu einer Party im Hinterhof, wo sich das Holi Festival langsam ausspielte mit einem Mix aus Wasser und Farbe und indischer Musik. Wir tanzten, saßen im Kreis und fotografierten unsere neuen Farben.

Die Nachwirkungen des »Farbenfestes«

Cindy mit Blick auf JaipurDer Farbrausch blieb nicht ohne Nachwirkungen. Pinke und grüne Farbflecken blieben auf unserer Haut, und lilafarbene Haarsträhnen hatten wir auch noch einen Monat später, als wir wieder in Deutschland landeten. Der Eindruck hält aber länger: Wenn ich an Indien zurückdenke, bin ich nach wie vor fasziniert. Farbwolken bleiben wohl für immer.

Deine Möglichkeiten in Indien

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Ein Kommentar

  1. Christina

    8. März 2012 at 11:20

    Wow! Einfach nur toll und spätestens seit ich „Outsourced“ gesehen habe, will ich auch einmal ein Holi-Fest besuchen. :D
    Toller Bericht – vielen Dank dafür!
    Schöne Grüße
    Christina

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