Für Laura war früh klar, dass das Studium nach dem Abitur zunächst warten kann. Ein neues Abenteuer war wichtiger. Über das Internet ist sie auf Stepin gestoßen und hat mit uns Freiwilligenarbeit in Namibia geleistet. Hier beschreibt sie in eigenen Worten ihr Erlebnis:

Zivilisation Adieu

4 Mädels auf SanddüneNachdem ich mich für eine Organisation entschieden hatte, war ich von dem Tierschutzprojekt in Namibia sofort überzeugt. Seit langem träumte ich davon in den Süden Afrikas zu reisen und dort mit Tieren zu arbeiten, also habe ich nicht lange gezögert und meinen Traum verwirklicht.

Am Flughafen in Windhoek angkommen, ging es, die Hauptstadt im Rücken, nur noch über menschenleere Schotterstraßen, auf denen man eher Pavianen und Antilopen begegnete, als menschlicher Existenz. Die karge Savanne mit ihrem warmen Licht, keine Häuser und Autos weit und breit, faszinierte mich vom ersten Moment an. Als ich im Tierreservat ankam, wurde ich von Zebra Mangwe direkt freundlich begrüßt und auch mit den anderen Volontären, die aus allen Ecken der Welt nach Namibia gekommen waren, verstand ich mich auf Anhieb. Ich fühlte mich schon angekommen noch bevor ich überhaupt meinen Koffer ausgepackt hatte.

Babyzebra MangweDa wir um die 30 bis 40 Volontäre waren, wurden wir zur Erledigung der täglichen Aufgaben in Gruppen eingeteilt. Das Versorgen der kleinen wie großen Bewohner des 3.200 Hektar großen Reservats war dabei die größte Herausforderung. Zusammen mit den erfahrenen Koordinatoren haben wir das Futter vorbereitet und dann das Stachelschwein, das Warzenschwein, die riesigen Landschildkröten, Klippschliefer, Grünmeerkatzen, Mangusten, Ginsterkatzen und die Erdmännchen gefüttert – teilweise Tiere, von deren Existenz ich noch nie etwas gehört hatte, die mir jedoch schnell ans Herz gewachsen sind.

GepardenfütterungBesonders beeindruckend waren aber natürlich die Löwen, Geparden, Leoparden und Wildhunde. Auch die haben wir gefüttert, indem wir das Fleisch über den Zaun direkt in die hungrigen Mäuler der Raubkatzen geworfen haben. Dabei sollte man allerdings kein Problem damit haben sich die Ladefläche des Jeeps mit Pferdeschenkeln und Zebrabeinen zu teilen und sich die Hände blutig zu machen, das ist hier völlig normal. Für mich und alle anderen Volontäre gab es aber nichts Besseres als auf dem offenen Jeep durch die wunderschöne Landschaft zu fahren und dabei mit etwas Glück auf Giraffen, Zebras und Antilopen zu stoßen.

(Pavian)mama & Nachtwächter

Mädchen mit Pavianbaby auf dem ArmDie täglichen Spaziergänge mit meinen Lieblingsbewohnern der Farm, den Pavianen, gehörte ebenso zu unseren Aufgaben. Aufgrund ihrer Intelligenz und geringen Scheu vor dem Menschen werden Paviane von vielen Einheimischen als Bedrohung angesehen und häufig erschossen. Oft bleibt dann leider der junge Nachwuchs zurück und endet dann in Reservaten wie Naankuse.

So erging es auch Paviandame Racheltjie (Rachel). Sie kam eine Woche nach mir auf die Farm und war gerade einmal 8 Tage alt. Sie musste mit der Flasche großgezogen werden und brauchte 24-Stunden-Rundum-Betreuung. Tagsüber durften auch wir Volontäre auf sie aufpassen, sodass ich schon bald zur Pavianmama mutierte. Ich schloss sie von der ersten Stunde an ins Herz. So kam es, dass ich mich so oft ich nur konnte um den kleinen Pavian kümmerte und dabei musste ich feststellen, wie ähnlich sie einem Menschenkind ist. Am liebsten spielte sie den ganzen Tag, schlief nur wenig und wollte alle paar Stunden ihr Fläschchen Milch haben. Ich nahm sie mit zum Mittagessen und, wenn es sich nicht vermeiden ließ, sogar mit auf die Toilette. Natürlich brauchte sie auch nachts Gesellschaft und so passierte in meiner letzten Woche das Unglaubliche: Ich durfte sie als eine der ersten Volontäre über Nacht betreuen. Sie schlief also die gesamte Nacht auf meinem Bauch und ich dafür umso weniger. Ich war jedoch die glücklichste Pavianmama, die es je gegeben hat. Wenn sie in ein paar Monaten alt genug ist, wird sie in die Gruppe der Pavianteenager kommen und darf sich dann von ihren heißgeliebten Volontären auf Spaziergängen begleiten lassen.

Ein weiteres absolutes Highlight für mich waren die Nächte unter freiem Himmel. Jede Gruppe musste einmal Nachtwache halten. Dafür haben wir auf einer Plattform direkt neben dem Löwengehege übernachtet und mussten darauf achten, dass sich außer uns niemand sonst auf der Farm befand. Meistens passierte die gesamte Nacht nichts, sodass wir den unglaublich schönen Sternenhimmel, inklusive Milchstraße und Sternschnuppen, genießen konnten. Am nächsten Morgen dann von dem Gebrüll der drei Löwen geweckt zu werden mit der feuerroten Sonne im Rücken war ein unbeschreibliches Gefühl.

Tierschutz in Namibia

Neben dem Spaß und der harten Arbeit, kam die Ernsthaftigkeit des Projektes allerdings nie zu kurz. Denn auch die Forschungsarbeit war wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Damit sorgt Naankuse langfristig dafür, dass all diese Tiere gar nicht erst im Reservat landen, sondern Mensch und Wildtier friedlich koexistieren können – so ist zumindest die Vision. Alle zwei Wochen kamen die Gründer des Reservats, Marlice und Rudie van Vuuren, zum Abendessen und beantworteten unsere Fragen zum Thema Tierschutz, der Entstehung des Reservates und ihren Zielen. Dabei lernte ich unglaublich viel über den Tierschutz in Namibia und war schnell davon überzeugt, dass ich an einem wundervollen Ort gelandet bin mit Menschen, die wirklich etwas bewirken können.

Löwe Die Aufzuchtstation und eine Schule für die Bushmen-Kinder befindet sich nahe Windhoek und drei weitere Forschungsfarmen im Norden und Süden Namibias. Während meines Aufenthalts war ich hauptsächlich in der Aufzuchtstation tätig, allerdings habe ich mich vor Ort dafür entschieden noch zusätzlich eine Woche auf einer dieser Forschungsfarmen zu verbringen und das würde ich auch jedem anderen empfehlen. Wir waren nur eine kleine Gruppe Volontäre und Mitarbeiter und haben uns dadurch richtig gut kennengelernt. Auch die Arbeit war sehr abwechslungsreich: Während der Woche haben wir das Leben der bedrohten Hyänen und Leoparden erforscht. Wir sind also auf die Suche nach Leopardenspuren gegangen, haben Hyänenkot analysiert, Wildtiere gezählt, Kamerafallen aufgestellt und die Fotos ausgewertet. Eine spannende Arbeit, bei der man sehr viel über das Land und deren Bewohner lernt.

Mein Fazit

Freiwilligenarbeit ist eine einmalige Möglichkeit ein Land auf eine ganz andere, viel intensivere Art und Weise kennenzulernen. Wer gerne mit Tieren arbeitet, sich für Tierschutz interessiert und das wunderschöne Namibia kennenlernen will, dem kann ich nur zu diesem Projekt raten. Ich war zwar nur für sechs Wochen dort, aber habe so viel erlebt, als wäre ich ein ganzes Jahr dort gewesen. Gleichzeitig verging die Zeit wie im Flug. Ich würde mich immer wieder für ein Freiwilligenprojekt mit Stepin entscheiden.

Mehr Infos zum Projekt

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