Erfahrungsbericht: Freiwilligenarbeit in Indien: Interview mit der Stepin Teilnehmerin Eva Henkel

Erfahrungsbericht: Freiwilligenarbeit in Indien: Interview mit der Stepin Teilnehmerin Eva Henkel

Wie lassen sich soziales Engagement mit einem Reiseaufenthalt kombinieren? Für Eva Henkel stand die Wahl schnell fest. Die Luxemburgerin entschied sich für einen mehrwöchigen Projektaufenthalt in Indien. Anlässlich unserer Länderwoche zum Thema Freiwilligenarbeit Asien haben wir ein Gespräch über ihre Arbeit als Englischlehrerin an einer staatlichen Schule und ihre Erfahrungen während der Kulturwoche in Udaipur geführt.

»Man bekam eine Ahnung davon, wie offen die Schulkinder für Neues sind.«

Gruppenfoto VOL Indien

Für viele ist Indien ein exotisches, unbekanntes Land. Wann ist bei dir der Wunsch gereift, dort als freiwilliger Helfer in einem Projekt zu arbeiten?

Entscheidend war für mich das Thema »Freiwilligenarbeit«. Nun muss man nicht unbedingt in die Ferne reisen, um sich zu engagieren. Das geht natürlich auch vor Ort, im unmittelbaren Lebensumfeld. Aber für einen Urlaub ist es reizvoll, wenn sich beides – Engagement und ein schönes Reiseziel – verknüpfen lassen. Indien ganz einfach deshalb, weil ich dort vorher noch nicht war, es eine der am schnellsten wachsenden Regionen der Welt ist, sowohl demografisch als auch wirtschaftlich, und ich einfach meine aus Medien und Erzählungen anderer geprägten Vorstellungen des Landes in echt überprüfen wollte. Ich habe mich bewusst für die Projektarbeit in einer Schule entschieden, weil ich glaube, dass ich nur im Kontakt mit Menschen mich einem Land wirklich nähere. Englisch habe ich studiert, sie ist in meiner jetzigen Tätigkeit Arbeitssprache und ich habe mich so eingeschätzt, dass ich Freude daran haben würde, Kindern etwas davon zu vermitteln.

Im Unterricht

Ein Baustein deiner Reise war die Projektarbeit in einer Schule. Wie war die Arbeit mit den Kindern? Wie sah dein Tagesablauf aus?

Die Schule erwies sich für mich als ganz großer Glücksfall! Es handelte sich um eine staatliche Schule, die dazu verpflichtet ist, Kinder aufzunehmen – unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund. An der Schule wurden auch Kinder unterrichtet, die geistige und/oder körperlich behindert sind. Sie waren selbstverständlicher Teil der Klassengemeinschaft. Die einzige Schwierigkeit bestand am Anfang darin, das richtige Unterrichtsniveau zu finden. Anders als ich vermutet hatte, war Englisch für diese Kinder eben nicht selbstverständliches Kommunikationsmittel. Auch wenn es individuelle Unterschiede gab, beherrschten die meisten Kinder die Sprache nur sehr rudimentär. Das galt auch noch für die älteren Kinder, also die 12- bis 15-Jährigen. Ich habe mich deshalb auf ganz einfache Dialoge konzentriert, die die Kinder paarweise geübt und vorgetragen haben: »How are you? What’s your name? How old are you? Do you like to play?« Oder wir haben Buchstabieren geübt, Köperteile, Wochentage oder Monatsnamen. Da waren manche Kinder unglaublich schnell und konzentriert. Man bekam eine Ahnung davon, wie offen sie für Neues sind, wie gern sie lernen und auch zeigen, was sie können.

in class

Ein weiteres Element war Kultur. Was hast du besichtigen können? Hast du vielleicht ein persönliches Highlight?

Die Kulturwoche, mein zweiter Projektbaustein, war in Udaipur. Das ist eine wunderschöne Stadt, mit einem beeindruckenden Palast, sehr schön am Lake Pichola gelegen, und mit Tempelanlagen, die herrliche Blicke auf die Stadt ermöglichen. Der Palast ist eingebettet in ein Altstadtensemble, das vielleicht am ehesten der touristischen Vorstellung von Indien, seiner Tradition und Pracht entspricht. Aber Udaipur hat so viel mehr Seiten. Gerade diese Verbindung aus dicht gedrängtem Alltagsleben und entspanntem Flanieren am Lake Pichola oder Fateh Sagar Lake machen diesen Ort sehr besonders. Auch nach Jaipur, die Hauptstadt Rajasthans, und Jodpur, die zweitgrößte Stadt des Landes mit dem mächtigen Mehrangarh Fort, bin ich gereist. Und natürlich habe ich den – zu Recht – obligatorischen Ausflug nach Agra zum Taj Mahal gemacht, das in Wirklichkeit noch viel großartiger aussieht als die Fotos erahnen lassen.

Englischunterricht

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