Fabienne in Australien #7: Abschied und Kulturschock

Fabienne in Australien #7: Abschied und Kulturschock

Fabiennes letzter Monat in Australien ist angebrochen und in ihr herrscht ein großes Chaos der Gefühle. Einerseits freut sie sich Freunde und Familie in Deutschland wiederzusehen, aber gleichzeitig würde sie auch gerne den Rest ihres Lebens in Australien verbringen. Zurück in Deutschland erlebt sie den Kulturschock ihres Lebens…

Wellenreiten in Australien

Kurz nachdem ich von meinem Queensland-Trip wieder »nach Hause« gekommen war, besuchte ich mit ein paar Freunden eine Surfstunde – meine erste Surfstunde überhaupt! Es war so ein stürmischer Tag, dass man zwei Schritte Richtung Meer lief, um dann wieder fünf Meter zurückgeworfen zu werden.

Fabiennes erste Surfstunde in AustralienIch war leider nicht einer dieser zufällig entdeckten Surftalente, die Wellen reiten können, als ob sie dafür geboren wären. Ich ähnelte eher einer Robbe, die manchmal auf den Knien auf dem Surfbrett stand. Am Ende gelang es mir wenigsten ein paar Sekunden – oder vielleicht waren es auch nur Millisekunden – auf dem Board zu stehen. Das Ganze war etwas deprimierend, dennoch hat es mir Spaß gemacht und ich hätte am liebsten gar nicht mehr aufgehört.

Wie ich diese Schule vermissen werde…

Zurück in Clare hieß es wieder zur Schule gehen, was für mich jedoch ein tolles Erlebnis ist. Glaubt mir, ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde! Mich um Tiere und Pflanzen zu kümmern, mit Photoshop und weiteren Programmen zu arbeiten, lernen Drohnen zu fliegen, Crash-Test-Dummies bauen… all das zählt zu meinem Unterricht in Australien. Ich liebe es einfach.

Fabienne mit High School-FreundinnenIch stehe in der Schule nicht unter Stress, schreibe gute Noten und habe dabei noch Spaß. Das deutsche Schulsystem kann noch einiges vom australischen lernen und ich vermisse meine Schule in Australien bereits jetzt, wenn ich an Deutschland denke.

Während ich zur Schule gehe, ziehen die Tage an mir vorbei und mein Abflug rückt immer näher. Es waren bereits – oder für die Australier »erst« – 33°C in Clare, die sich allerdings angefühlt haben wie 40°C. Das einzig Gute war, dass ich jeden Tag im Pool schwimmen gehen konnte, sogar abends von 21:00 bis 22:00 Uhr.

Meine letzte Woche in Australien

Ich ging zu einer Abschiedsfeier von einem weiteren Austauschschüler aus Schweden, der Freunde zum Lunch einlud. Wir spielten Football, gingen schwimmen, spielten Billard und redeten und lachten viel. Es war ein unglaublich toller Tag. Ich wusste bereits, dass ich diese verrückte Bande, die ich meine Freunde nenne, sehr vermissen würde.

Fabienne mit ihren australischen FreundenAn meinem letzten Tag in der Schule haben alle auf meine Schuluniform unterschrieben und wir haben unzählige Fotos gemacht. In Media Arts habe ich meine letzten Arbeiten beendet. Bachey, einer meiner besten Freunde, ging währenddessen in der Schule herum und filmte Menschen, die mir alle einen Abschiedsgruß sagen sollten. Er wollte mir am Ende des Tages diese Filmclips geben, jedoch hatte ich meinen USB vergessen, weshalb das nicht klappte und ich bereue es noch immer so sehr.

Über den Rest des Tages sammelten sich dann auch immer mehr Unterschriften auf meiner Uniform und Abschiedsgrüße auf meinem Jahresbuch, das ich mir gekauft hatte. Kurz bevor ich Schulschluss hatte, las ich mir einige der Abschiedsgrüße in meinem Jahrbuch durch und Bacheys brachte mich zum Weinen. Unglaublich wie dieser verrückte Junge mir an mein Herz gewachsen war.

Es ist Zeit Abschied zu nehmen

Nach der Schule ging ich noch mit ein paar Freunden einen Smoothie trinken, schlenderte durch ein paar Läden und schließlich saßen wir am Oval und quatschten einfach. Am Ende des Tages musste ich mich endgültig von meinen Freunden verabschieden. Ich bekam noch mehr Abschiedsbriefe und weinte natürlich mit meinen Freunden. Ich glaube meine beste Freundin Bonnie und ich haben uns zehntausendmal umarmt, bis sie wirklich gegangen ist.

Fabienne in Australien am StrandAm nächsten Morgen hieß es auch Abschied nehmen von meiner Gastfamilie. Ich bin so dankbar für ihre Großzügigkeit und ihr großes Herz eine völlig Fremde bei sich leben zu lassen. Sie waren wirklich unglaublich gute Gasteltern. Dann musste ich den Bus nach Adelaide nehmen, wo mich ihre Tochter abholte. Wir gingen nochmal zum Strand und bewunderten den grün schimmernden Ozean. Ich werde dieses grüne Meer nie vergessen.

Ich entspannte den restlichen Tag mit der erwachsenen Tochter meiner Gasteltern und dann ging es zum Flughafen. Im Flugzeug wurde mir klar, dass dies das Ende meines Auslandsjahres war. Ich werde meine Freunde und Gasteltern für eine ganze Zeit lang nicht sehen, aber ich weiß mit Sicherheit, dass ich zurückkommen werde und dass so bald wie möglich, denn ich vermisse sie alle und Australien bereits bevor ich überhaupt losgeflogen bin.

Reset-Knopf = Australien

15.741 Kilometer… Es fällt mir immer noch schwer, alles zu glauben. So weit war ich von Familie, Freunden und somit meinem deutschen Leben entfernt, für ganze fünf Monate. Mir wurde die Chance geboten, ein komplett neuer Mensch zu werden. In dem Moment, in dem ich deutschen Boden verließ, drückte ich den Reset-Knopf für mein Leben. Ich kann es nicht anders beschreiben, denn Australien bot mir den ultimativen Neuanfang.

Ich habe die Zeit meines Lebens erlebt. Ich ging tauchen, surfen, Kängurus füttern, Regenwälder und Inseln erforschen oder kurz gefasst: Ich erlebte lauter kleine und große Abenteuer. Meine Zeit in Down Under war wie ein Traum, aber dennoch bin ich dankbar, dass es keiner war. Es ist wirklich schwierig zu beschreiben, wie mein Auslandsjahr war, denn man muss es einfach selbst erlebt haben. Ich saß in einer Achterbahn, in der es nur steil bergauf ging.

Kulturschock geht auch andersrum

Meer in AustralienZurück in Deutschland erlebte ich einen Kulturschock. Meine Klasse existierte nicht mehr, da  die Schule ab der Oberstufe nach dem Kurssystem funktioniert. Mein Wohnort war überlagert von neuen Läden und Gebäuden. Unzählige neue Gesichter begegneten mir in meinen Kursen. Schule war auf einmal wieder viel anstrengender. Das Meer lag weit weg. Alle Menschen sprachen wieder Deutsch, aber vor allem kam es mir vor, als ob Familie und Freunde sich verändert hätten.

Ich hatte gehofft, dass alles noch so sein würde, wie vor fünf Monaten, bevor ich nach Australien ging. Pustekuchen – es schien, als ob sich alles verändert hätte. Ich war wie ein Tastenhandy, altmodisch… Nicht auf dem neusten Stand. Ich kann nicht sagen, dass ich damit zufrieden war.

Natürlich freute ich mich, Familie und Freunde wiederzusehen, aber gleichzeitig schrie meine innere Stimme: »Was mach ich hier eigentlich? Ich gehöre nicht mehr hier hin.«

Irgendwie haben sich alle verändert

Mit der Zeit realisierte ich, dass sich nicht meine Familie oder meine Freunde verändert hatten, sondern, dass ich es war. Ich hatte mich verändert…

Ich war selbstbewusster geworden und zu Beginn auch sehr aufgedreht. Es war einfach alles zu viel. Ich musste mich wieder auf mein altes Leben einstellen, wo sich jedoch mein Umfeld geändert hat und all diese Eindrücke führten dazu, dass ich zum aufgekratzten Flummi mutierte.

Mit der Zeit ließ dieser Zustand nach, aber meine innere Stimme hörte nicht auf, mir die Frage zu stellen, was ich hier tun würde. Ich hatte Angst, Menschen zu verletzen, indem ich ihnen sagte, dass ich – so arrogant es auch klingen mag – nun höhere Anforderungen an mein Leben stellte. Ich meine dies nicht im finanziellen Sinne, sondern… wie soll ich es erklären. Ich war glücklich. Alle Menschen sagten mir schon bevor ich nach Australien ging, dass ich ein lebensfroher Mensch sei, aber das war ich nicht, was mir erst richtig bewusst wurde, als ich nach Down Under kam.

Wunschlos glücklich war ich erst dort und das wollte ich wieder sein. Es gab zu viele Dinge, die mich an meinem Leben in Deutschland störten, die ich nicht weiterhin akzeptieren wollte. Nun kann ich sagen, dass ich zwar noch nicht wunschlos glücklich bin, aber schon mal viele Dinge wieder akzeptiert habe oder sie halt geändert habe.

Ich klammere mich derzeit an den Gedanken, dass ich mit Hilfe des Steppie-Sterne-Programms von Stepin nach meinem Abi die Möglichkeit haben werde, zurück nach Australien zu gehen.

Danke Stepin!

Kurz vor Schluss möchte ich nochmal Stepin und dem DFH danken, denn nur deren Teams haben es möglich gemacht, dass ich dieses Abenteuer erleben und mit euch teilen durfte. Es ist noch immer so eine Ehre für mich, diesem Erlebnis teilgeworden zu sein.

Dieses Stipendium hat mich und mein Leben verändert. Es ist eine unglaubliche Chance, die einem geboten wird, die man nur weiter empfehlen kann. Danke einfach für alles! Ich weiß noch immer nicht, wie ich das gut machen könnte.

Zuletzt möchte ich noch sagen, dass dies nicht das Ende ist von meinem großen Abenteuer. Es war erst der Anfang von unzähligen, die noch folgen…

Eure Fabienne

Fabiennes vorheriger Artikel Mehr Infos zum Programm

Share this Story

Verwandte Artikel

Hinterlasse einen Kommentar (mind. 10 Zeichen)

Deine E-Mail wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

About Fabienne

Fabienne

Fabienne ist 15 Jahre alt und kommt aus der Nähe von Dortmund. 2016 verbringt die Austauschschülerin im Rahmen ihres Vollstipendiums fünf Monate in Australien. Von ihrem Auslandsjahr erhofft Fabienne sich eine eigenständigere und selbstbewusstere Person zu werden und viele schöne Erinnerungen zu sammeln.


Du interessierst dich auch für einen High School-Aufenthalt in Australien? Hier findest du alle Infos zu unserem Programm: Schüleraustausch Australien

Unsere Gratis-Kataloge

Zu unseren Programmen

Stepin auf Facebook

Stepin auf Instagram

Newsletter-Abo

Bleib auf dem Laufenden und erhalte regelmäßig News zu neuen Artikeln!

Wir geben keine Daten an Dritte weiter!