Erfahrungsbericht: Work and Travel in Neuseeland

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Stepin-Teilnehmerin Alina aus der Nähe von Koblenz hatte eine wunderbare Zeit am anderen Ende der Welt. Von ihrem Work and Travel-Aufenthalt in Neuseeland berichtet sie uns heute ausführlich und inspiriert hoffentlich viele von euch, es ihr gleich zu tun.

»Eine Entdeckungsreise besteht nicht darin, nach neuen Landschaften zu suchen, sondern neue Augen zu bekommen.« Marcel Proust

Alina am Strand in NeuseelandDie Idee und die Wahl der Organisation
Seitdem ich 15 war, ist es mein Traum gewesen, ins Ausland zu gehen. Ich weiß selber nicht mehr genau, wie ich auf Neuseeland gekommen bin, aber dass es eine gute Idee war, habe ich sofort gemerkt, als ich da ankam. Die Idee reifte lange vorher in meinem Kopf. Freunde von meinen Eltern hatten bereits gute Erfahrungen mit Stepin gemacht und so hatten wir eine Organisation gefunden, die meinen Traum wahr werden lassen würde. Also bin ich mit meinen Eltern zu einigen Veranstaltungen von Stepin gegangen. Wir haben alles vorbereitet, was eben vorher noch erledigt werden muss. Alles ging ganz schnell und dann saß ich auch schon im Flugzeug.

Die Ankunft und die ersten Tage
Wenn man ankommt, ist man noch etwas orientierungslos, aber eine Unterkunft musste ich ja zum Glück nicht mehr suchen, da Stepin mich ins Base Hostel gebucht hatte. Nur hinfinden war eine Herausforderung. So stand ich dann auf der Queens Street in Auckland und wusste nicht recht wohin mit mir.
Meine erste Erinnerung an Neuseeland ist eine ganz tolle: Ich stand da mit der Adresse in der Hand auf der Straße und es hat keine 10 Sekunden gedauert, bis ein netter Mann auf mich zukam und fragte, ob ich Hilfe bräuchte. Er hat mir dann erklärt, wie ich zu meinem Ziel komme. Was ist daran besonders? Neuseeländer sind super nette Menschen, die sehr aufmerksam und hilfsbereit sind. Die neuseeländische Mentalität habe ich ganz schnell lieben gelernt. Sie sind so anders als Deutsche – nicht besser oder schlechter, anders. Mir ist es immer sehr leicht gefallen, Neuseeländer ins Herz zu schließen und ich hoffe, dass ich diese Mentalität ein wenig verinnerlichen konnte und etwas von der neuseeländische Frische und Entspanntheit in Deutschland versprühen kann.

In den ersten Tagen stand die Einführungsveranstaltung bei der Partnerorganisation auf der To-Do-Liste, dann das Beantragen eines eigenen Bankkontos und der IRD-Nummer für die Steuern, Prepaid-Karte fürs Handy kaufen und nach einem neuen Hostel und einem Job Ausschau halten. Das ist erstmal genug für die ersten Tage. Eine Fremdsprache zu sprechen, die vielen neuen Eindrücke und so viele Dinge erledigen, die man noch nie vorher gemacht hat, ist anstrengender als gedacht. Aber die Organisation nimmt einen an die Hand und hilft sehr dabei, sich einzuleben.

Der Work-PartPackesel-Alina
Die meisten Backpacker kommen gerade aus der Schule und haben vielleicht mal einen Gelegenheitsjob in den Ferien gehabt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn man zu einem möglichen Arbeitgeber persönlich geht und seinen Lebenslauf hinterlässt, die Chancen dann am besten sind, einen Job zu bekommen. Nein, man macht nicht immer das, was einem Spaß macht. Man muss für alles offen und flexibel sein.
Ich habe eine Kombination gemacht aus bezahlten Jobs, work for accommodation und Wwoofing. Bezahlte Jobs waren bei mir: Kellnerin in einem Café in Auckland und auf verschiedenen Weingütern in Blenheim. Bei work for accommodation arbeitet man zwei bis vier Stunden am Tag, meist im Housekeeping oder man hilft putzen und bekommt im Gegenzug die Unterkunft umsonst, was recht praktisch ist, wenn man gerade keinen bezahlten Job bekommt.
Das Wwoofing ist auch eine sehr tolle Sache: Über die Website kontaktiert man verschiedene Familien und bekommt Rückmeldung, ob sie Bedarf haben. Wenn ja, lebt man mehrere Tage oder Wochen bei einer Familie, oft auf einer Farm, manchmal auch in einem Bed & Breakfast oder einer Lodge. Man erledigt verschiedene Aufgaben wie kochen, putzen, Holz hacken oder Rasen mähen und darf umsonst wohnen und essen. Was aber viel wertvoller ist, ist die Dankbarkeit, die man für seine Arbeit bekommt und das Gefühl, Teil dieser Familie zu sein.

Der Travel-Part
Dieser Teil des Work and Travel-Programms ist definitiv der schönere. Ich streite nicht ab, dass die Arbeitserfahrungen, die man macht, sehr wertvoll sind und man viel lernt, aber Hauptziel ist es schließlich, Geld zu sparen, um herumreisen zu können und sich verschiedene Aktivitäten leisten zu können. Dabei gilt zu beachten:

Regel #1: Mache niemals Pläne!
Regel #2: Lass dich treiben. Sei offen. Wer weiß, wo du landest und was sich ergibt!

Das sind zwei Regeln, die man am Anfang erst mal außer Acht lässt und sich schon im Kopf zusammenbastelt, wo man als nächstes hinreist. Aber man trifft so tolle Leute auf dem Weg, die gute Ideen haben, wo man als nächsten hinreisen könnte und wenn man sich darauf einlässt und mitreist, dann kann man den größten Spaß haben. Manchmal ist es schön, allein zu sein und ich finde es ist auch wichtig, bestimmte Orte einfach alleine zu erkunden, aber manchmal ist es toll, wenn man einen schönen Ausblick oder ein schönes Erlebnis mit jemandem teilen kann. Wo ich in Neuseeland war? Fast überall. Nein, ich konnte nicht alles sehen, zumal ich viel mit dem Bus gereist bin und so auch nicht einfach mal aussteigen konnte, um etwas anzuschauen. Aber eigentlich hab ich mir auch etwas aufgehoben, um dann noch mal wiederzukommen und den Rest zu sehen.

Wenn man anfängt zu reisen, dann ist alles etwas ungewiss, aber ich habe gelernt, dass man immer irgendwo landet und dass man auch immer Essen und Schlafplatz ohne Probleme findet. Abgesehen von diesem anfangs mulmigen Gefühl ist es so toll! Wenn man einmal anfängt zu reisen, will man immer weitermachen. Man will ALLES sehen und am Ende hab ich mich bereit gefühlt, die ganze Welt zu sehen, auch wenn ich das natürlich nicht direkt machen konnte. Ich glaube dieses Gefühl unbegrenzter Freiheit kennt nur ein Reisender. Vollkommene Unabhängigkeit – man trägt nur Verantwortung für sich selbst. Man steht auf, wann man will, geht, wohin man will, isst, was man will. Man kann alles machen! Und der einzige Mensch, der damit leben muss, ist man selbst. An so einem Punkt im Leben ist man vermutlich nie wieder. Man ist viel mehr gefangen in seinem Leben. Aber grundsätzlich gilt: Es ist nie zu spät, so eine Erfahrung zu machen.

Alina mit Freundin am VulkanAction ist angesagt
Manchmal kann es verdammt langweilig werden in Neuseeland. Also ist auch nix mit Party und Entertainment. Falsch!!! Ooooookay, partymäßig gestaltet es sich allerdings wirklich schwierig: Die Getränke sind eh zu teuer und man ist ja auch nicht am anderen Ende der Welt, um die ganze Zeit abzuzapppeln. Entertainment? Oh doch! Die Liste geht vom klassischen Bungee-Jump, über Blackwater-Rafting bis hin zum Delfinschwimmen oder Pinguine beobachten. Also, wer ab und zu mal einen Adrenalinkick braucht, ist in Neuseeland genau richtig. Davon durfte ich regelmäßig selbst Zeuge werden. Alles spielt sich natürlich in der Natur ab. Denn davon gibt’s viel und wunderschön ist sie auch noch. Kein Bild kann diese Schönheit einfangen, denn um die Natur zu spüren muss man dort sein. Man muss die salzige Meeresluft riechen und die Haare vom Wind durchgepustet bekommen, das Kreischen der Möwen hören und das weiche Gras spüren und mal in Schafsch***e getreten sein, um zu wissen, wie toll und lebendig die Natur sein kann.

Neuseeland hat alles zu bieten: weiße Strände, schwarze Strände, unendliches Meer, egal wo man ist, türkisblaue Seen, grüne Hügel, Regenwald, meterhohe Wasserfälle, viele Pflanzen, die ich noch nie gesehen habe, lustige Vögel und viele Delfine, Robben, Pinguine und natürlich Kiwis. Wobei das Wort Kiwi durchaus mal Verwirrung verursachen kann: Die Frucht heißt Kiwi, der kleine braune Vogel heißt Kiwi und die Menschen in Neuseeland nennt man ebenfalls Kiwis. Ich mag alle drei Kiwis!
Etwas weniger Adrenalin bieten die Great Walks, die überall im Land verteilt sind und entweder innerhalb eines Tages oder mehrerer Tage gelaufen werden können. Und trotzdem heißt es auch hier manchmal Action, denn den ein oder anderen Fluss muss man durchwaten oder kann wahlweise auch ein Stück mit dem Kajak bezwingen. Neuseeland ist definitiv was für Naturburschen, denn die Natur hat wesentlich mehr zu bieten, als das Stadtleben, welches wirklich recht begrenzt ist.

Meine letzten Tage und meine WeiterreiseKiwi-Sign in Neuseeland
An meinen letzten Tagen habe ich noch einmal bei einer Wwoofing-Familie in Christchurch gewohnt. Ich habe dort tolle Leute kennen gelernt; wir waren ein Team und Haushalt und Garten waren tip-top, weil jeder jedem geholfen hat und wir an einem Strang gezogen haben. Es war schön, zum Flughafen gebracht und dort verabschiedet zu werden. Es ist mir so schwer gefallen! Die letzten Tage war ich sehr nachdenklich, denn ich habe an all die verrückten Dinge gedacht, die ich gemacht habe, die tollen und lustigen und liebenswerten Menschen, die zu Freunden wurden und die meine Zeit in Neuseeland sehr besonders gemacht haben. Und all die schönen Landschaften, die ich gesehen hatte.

Und an mich. An mein altes Ich. Ja, ich bin ein anderer Mensch geworden. Meine Sicht auf die Welt hat sich sehr verändert. Dinge, die vorher selbstverständlich waren, sind jetzt so wertvoll. Ich kenne mich selbst besser und ich weiß ein bisschen besser, was ich vom Leben will und was nicht. So viele Erfahrungen, die mich geprägt haben, die tief in mir sitzen und die mir nie jemand mehr nehmen kann.
Aber ich war genauso aufgeregt, etwas ganz anderes zu sehen. Auf meinem Rückweg bin ich noch drei Tage in Sydney zwischengelandet und muss sagen: Ich fand es toll. Und die fünf Tage Singapur haben mich dann noch einmal in eine ganz andere Welt entführt. Sehr sehenswert und perfekt für jemanden, der zum ersten Mal in Asien ist.

Mein Fazit
Ich würde nix anders machen. Keine Sekunde, keine Minute, keinen Tag würde ich missen wollen. Und ich will nicht sagen, dass es alles immer rosarot und blumig war. Manchmal bin ich an meine Grenzen gekommen und wollte aufgeben, war verzweifelt, war einsam, erschöpft und wollte einfach nur zu Hause sein. Aber diese Momente halten nicht lange an. Es gibt so viel mehr Momente, die einen erfüllen, die dein Herz mit Wärme füllen, in denen du nie wieder weg willst, in denen du unbeschwert lachst und in denen dein Körper vor Energie und Glückshormonen nur so strotzt.

Kurz gesagt: Mein Auslandsjahr war wundervoll. Nein, eigentlich gibt es kein Adjektiv dass es auf den Punkt bringt, wie es wirklich war. Man muss es selber fühlen, selber erleben. Und man wird die Welt, andere Menschen und sich selbst mit anderen Augen sehen.

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