Teach and Travel China – Kiras halbes Jahr im Reich der Mitte

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Chopsticks, Rice and Rikshas – Stepin-Teilnehmerin Kira hat 2014/15 ein halbes Jahr in China verbracht. Heute berichtet uns die 20-Jährige aus Rheinland-Pfalz auf der Weltneugier von ihrer Teach and Travel-Zeit in China.

Oft habe ich auf meine Antwort der Frage „Was machst du so nach dem Abi?“ ein kurzes Stutzen meines Gegenübers wahrgenommen. Dass eine Abiturientin für ein halbes Jahr nach China reist und dort Englisch unterrichtet, gehört noch zu einer seltenen Entscheidung für die Zeit zwischen Schule und Studium…

Für mich war klar, dass ich ein Land kennenlernen möchte, dessen Kultur im großen Unterschied zu Deutschland steht und ich somit einen anderen und neuen Blick auf die Welt erhalte. Diese Erwartungen haben sich auf jeden Fall bestätigt. Bevor ich jedoch meine große Reise angetreten habe, musste ich noch viele Vorbereitungen treffen: Visum beantragen, Impfungen erledigen und mich natürlich vorab über Land und Leute informieren.
Während der letzten Tage daheim hieß es dann Abschied nehmen von Freunden und Familie, alten Gewohnheiten und meiner bekannten Umgebung. Schon am Frankfurter Flughafen lernte ich jedoch gleich schon andere Interns kennen, die wie ich ein halbes Jahr in China verbringen sollten.

Teach and Travel China - Kira in PekingMeine Zeit in Peking
In Peking angekommen, wurden wir gleich von unseren Kontaktpersonen empfangen und zu der Schule gebracht, in der wir innerhalb von vier Wochen das TEFL-Training absolvierten. Insgesamt waren wir rund 50 Personen aus Europa, Australien und Neuseeland, die einen Monat zusammen gelebt, das Know-How des Englischunterrichtens in China gelernt, die Kultur in Peking erlebt und natürlich auch das Nachtleben unsicher gemacht haben. Wir entdeckten den Sommerpalast, sowie die Verbotene Stadt mit der imposanten Architektur und Historie, das Viertel Wanfujing, ein Markt mit allen Leckereien wie Kakerlaken, Skorpionen, Spinnen und Schlangen, und die alten Traditionen eines historischen Dorfs.

Doch nach all den beeindruckenden Ausflügen, war doch das Erklimmen der Chinesischen Mauer bei über extrem schwülen 30°C das absolute Highlight meines Monats in Peking. Ein Weltwunder, dessen Besuch es mindestens einmal im Leben bedarf. In der letzten Woche absolvierten wir noch das „teaching practice“, bei dem jeder 20-30 Minuten eine Klasse alleine unterrichten musste – natürlich waren wir davor alle sehr aufgeregt, zum ersten Mal zu unterrichten, doch meisterten wir alle diese Woche mit Bravour.

Am Ende dieses unvergesslichen Monats wurde uns dann mitgeteilt, wo und an welcher Schule wir in China arbeiten und wohnen würden. Das bedeutete somit, uns von fast allen zu verabschieden, da wir in Kleingruppen in ganz China verteilt wurden. Sei es im bergigen Sichuan, im kalten Norden, an der Ostküste bei Shanghai oder im subtropischen Süden, wo ich meine nächsten fünf Monate lebte. Meine Schule lag in der Achtmillionenstadt Dongguan in der Provinz Guangdong mit der Hauptstadt Guangzhou (Kanton). Von Hongkong trennten uns nur etwa 100 Kilometer.

Meine Teach and Travel-ZeitTeach and Travel China - Kira mit Kindern
Von Peking nach Dongguan fuhren wir 21 Stunden über 2000 km quer durch China mit dem Zug. Vorteilhaft war hierbei, dass wir, wie in China üblich, in einem Schlafabteil untergebracht waren und jeder ein eigenes, schmales Bett hatte.

Als wir nach der langen Reise aus dem Zug stiegen, schlug uns die hohe Luftfeuchtigkeit entgegen – unvorstellbar, wenn man solch ein subtropisches Klima noch nie erlebt hat. Nach einem kurzen Eingewöhnungswochenende, währenddessen wir die vielen anderen Englischlehrer/-innen aus den USA, England und Australien kennenlernten und unsere Apartments bezogen, das ich mir mit einer Schwedin teilte, ging es auch schon gleich am Montag mit dem Unterrichten los. Doch wie jeden Montag, egal ob bei 35°C oder Sturm und Gewitter, gab es auch an meinem ersten Unterrichtstag eine „flag raising ceremony“, bei der die ganze Schule auf dem Sportplatz in Reih und Glied stand, jeweils eine Klasse einmarschierte und die chinesische Nationalfahne hisste. Dabei salutierte die gesamte Schulgemeinschaft und sang die chinesische Nationalhymne (an deren Melodie ich mich wohl ewig zurückerinnern werde).

Unterrichten durfte ich dann für fünf Monate die gesamte Klassenstufe der fünften Klassen und zwei Klassen der ersten Klassen. Die Fünftklässler beherrschten z.T. schon ein sehr gutes Englisch und dort gab es Schüler/-innen, mit denen ich mich fließend auf Englisch unterhalten konnte. Dagegen kamen die Erstklässler frisch vom Kindergarten, waren verspielt und hörten am Anfang nicht auf mich, da sie kein Wort Englisch verstanden. In diesen Stunden war ich doch sehr dankbar über meine chinesische Assistenzlehrerin. Zwischenzeitlich dachte ich auch, ich würde es nie schaffen, diesen frechen Kids irgendetwas außer MalenTeach and Travel China - Kinder beizubringen, doch nach und nach wurden die Kleinen zu meinem wöchentlichen Highlight, da sie mich wie einen Star behandelten. Vor der Stunde holten mich ein paar von ihnen ab und als ich das Klassenzimmer betrat, stürzten sich alle auf mich und schrien im Chor „Kila, Kila, Kilaaaaa“. Auch die wöchentlichen VIP-Stunden, in denen ich mit den 20 Besten der Jahrgangsstufe Eins nochmals speziellen Unterricht abhielt, erwies sich zwischenzeitlich als großes Chaos, jedoch gelang es mir auch hierbei die Kleinen nach einer Zeit zu bändigen.

Gerade dabei habe ich erfahren, dass vieles unmachbar erscheint, aber wie immer in China mit ein wenig Geduld alles zu schaffen ist. Insgesamt muss man sich an den großen Unterschied zwischen dem chinesischen und dem deutschen Schulsystem gewöhnen. Die Schulen sind riesig – in jeder Klasse unterrichtete ich rund 40 Schüler/-innen. Die Disziplin im Schulalltag ist enorm hoch. Aufgrund der großen Bevölkerung von fast 1,4 Milliarden Menschen müssen sich chinesische Schüler durchsetzen und eine gute Leistung erzielen, um sich von der Masse abzuheben. So lernen die Schüler schon im jüngsten Alter nach einem langen Schultag noch abends sehr viel zusätzlich und besuchen am Wochenende zusätzlichen privaten (Englisch-) Unterricht, insofern die finanziellen Mitteln vorhanden sind.

Auch wenn sich das Schulleben durchgeplant anhören mag, ist die chinesische Mentalität noch lange nicht mit der deutschen Organisationsfreude vergleichbar. Wenn man an einer chinesischen Schule arbeiten möchte, muss man sich der täglichen Spontanität der Schulleiter bewusst sein. Beispielsweise dauerte es eine Weile bis Termine für besondere Schulereignisse festgelegt waren oder bis wir unseren letzten Arbeitstag mitgeteilt bekommen haben. Klar waren die Situationen für uns Europäer ungewohnt und schwierig, doch lernten wir, in Überraschungsmomenten kreativ zu sein.

Von den chinesischen Lehrern und Lehrerinnen nahm ich wahr, dass viele uns ausländischen Lehrern oft mit großem Interesse und Respekt behandelt haben, sodass zu manchen sogar heute noch Kontakt besteht. Auch ich habe viel Achtung vor ihnen und ihrem anstrengenden Arbeitsalltag. Fast alle arbeiten von 7 Uhr morgens bis 19 Uhr abends, kümmern sich rund um die Uhr um die Kinder und haben somit ein enges Verhältnis zu ihnen. Jedoch bleibt ihnen dadurch wenig Zeit für Freizeit. Außerdem sorgen sie sich darum, dass die Kinder trotz des Lernstresses Spaß haben. Mit der Hilfe von uns „foreign teachers“ haben wir Schulstunden mit den Themen „Halloween“ und „Christmas“ geplant, die jede Menge Spiele und Süßigkeiten beinhalteten.

Teach and Travel China - Kira an der Chinesischen MauerMein chinesischer Alltag
Des Weiteren möchte ich auch hier noch ein paar Punkte aufzählen, die einem definitiv im chinesischen Alltag begegnen und nicht wegzudenken sind. Ein Europäer in China ist grundsätzlich ungeschützt vor den Handykameras der chinesischen Passanten. Entweder wurde ich höflich gefragt, ob man denn ein Foto mit mir machen könne oder aber die Menschen machten nicht ganz unauffällig ungefragt Fotos. In China wird man als Europäer des Öfteren wie ein Star behandelt. Kaum ein Tag verging, an dem ich nicht wegen meines hellen Teints regelrecht angeglotzt wurde. „You are so beautiful“ – eindeutig der Lieblingssatz aller Chinesen, egal welchen Alters, hat uns doch oft geschmeichelt.

Die Chinesen sind ein nettes, offenes, und gastfreundliches Volk, das aber teilweise fest an Traditionen hält. Das Familienbild besteht meistens aus einem verheiratetem Elternpaar mit einem Kind. Ehepaare ohne Kind? Selten! Obwohl die gelockerte Ein-Kind-Politik herrscht, spielen Kinder eine zentrale Rolle in der Gesellschaft. Überall auf der Straße, in Zügen, in Bussen und in Restaurants trifft man auf viele Kinder, die auch, im Gegensatz zu Deutschland, gerne gesehen sind. Viele fragen sich bestimmt auch, ob denn die Luftverschmutzung wirklich so hoch ist wie viele Vorurteile besagen. Tatsache ist, dass nicht nur die großen Städte wie Peking, Shanghai, Guangzhou und Hongkong sehr hohe Smogwerte haben. Oft war die Skyline in den Städten komplett nicht sichtbar oder man konnte tagelang keine Sonne mehr sehen. Aber dass jeder einen Mundschutz deswegen trägt, kann ich nicht bestätigen. Diese wurden eher bei einer Erkältung oder ähnlichen Krankheiten genutzt.

„Kannst du jetzt chinesisch?“ war eine sehr häufige Frage, die ich gestellt bekommen Chinesisches Essenhabe, nachdem ich aus China wieder zurück nach Deutschland kam. Leider muss ich das verneinen. Ein paar Sätze, ein paar Zahlen – das schaffe ich, aber für alles andere hätte ich wohl eine längere Zeit in China verbringen müssen. Auch die Schriftzeichen haben mich oft zum Grübeln gebracht, jedoch erkenne ich auch noch in Deutschland das ein oder andere wieder.

Aber nun wirklich die häufigste und natürlich auch essentiell wichtigste Frage ist, wie denn das chinesische Essen war. Ganz klar – richtig lecker!! Und bis auf den gebratenen Reis wirklich gar nicht mit dem europäischen Asia-Food vergleichbar! Zum einen war das Essen relativ günstig, sodass man sich wunderbar ein leckeres Abend- oder Mittagessen zwischen einem und vier Euro gönnen konnte. Zum anderen gab es immer etwas Neues zum Ausprobieren. Meine Lieblingsgerichte waren sowohl „jiaozie“ – die chinesischen Teigtaschen, als auch „hotpot“ – sozusagen ein Eintopf mit selbstgewählten Zutaten. Natürlich habe ich auch alles immer mit Stäbchen gegessen (nach ein paar Tagen in China beherrscht man das ganz gut).

Teach and Travel ChinaMein Fazit
Zwischen dem Unterrichten und am Ende meiner Zeit in China blieb aber auch Zeit zum Reisen. Einerseits erkundete ich Millionenstädte wie Shanghai und Hongkong. Beide Städte imponierten sowohl mit chinesischer Tradition und Kolonialismus, als auch mit hochmodernen (Banken-)Vierteln. Es sind quirlige Städte, die tagsüber und auch nachts ihren Charme von der besten Seite zeigen und dadurch zu meinen Lieblingsstädten wurden.

Doch andererseits kam auch die wunderschöne Landschaft Chinas nicht zu kurz – die Berge in Zhangjiajie beeindruckten mit ihren sehr steilen Bergenkuppen in schwindelerregenden Höhen.
Nach all den vielen lachenden Kindern, dem leckeren Essen, den gastfreundlichen Menschen und der beeindruckenden Kultur im Ganzen musste ich mich schweren Herzens nach einem halben Jahr von China verabschieden. Jedoch war es besonders viel, dass ich mit nach Deutschland zurück nehmen durfte und damit meine ich nicht nur meinen überfüllten Koffer. Nein, ich habe Erfahrungen mitgenommen, die ich nie vergessen werde und die mir niemand mehr nehmen kann. Mein halbes Jahr in China ist für mich immer gegenwärtig. Es beeinflusst mich teilweise in meinen Entscheidungen, da ich nach diesem halben Jahr weiß, wie schwierige Situationen, zu denen auch Heimweh zählt, doch noch bestens gemeistert werden können.

Ich kann es nur empfehlen, ein halbes Jahr in China als Englischlehrerin zu verbringen. Einerseits erlernt man durch das Unterrichten Fähigkeiten, die man sonst nie erlangen würde und andererseits trifft man auf eine Kultur, bei der man immer Spannendes entdecken kann. Auch wird China für das aktuelle Weltgeschehen immer wichtiger, sodass man schon einen Eindruck hat, wie die Menschen dort zu verstehen sind und deshalb mitreden kann.

Also, ich rate euch nur dazu – traut euch diesen Aufenthalt, freut euch auf Neues und habt keine Angst vor dem Ungewohnten! Dieses herzliche Volk wird euch freundlich aufnehmen und euch es nicht mehr vergessen lassen. Eine Bereicherung für euer Leben!

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