Erfahrungsbericht: Freiwilligenarbeit in Argentinien und Florida

Erfahrungsbericht: Freiwilligenarbeit in Argentinien und Florida

Unsere Teilnehmerin Dorine hat im letzten Jahr gleich zwei spannende Volunteer-Projekte besucht: Zuerst verbrachte sie zwölf Wochen in Argentinien und hat dort  Freiwilligenarbeit mit einem Sprachkurs kombiniert, anschließend ging es dann noch einmal für vier Wochen nach Florida zum „Mustang Rescue“. Inzwischen ist sie wieder heil in Deutschland angekommen und war so nett, uns von ihren Erfahrungen zu berichten.

Du hast dich für eine spannende Programmkombination entschieden: ein Sozialprojekt in Argentinien und ein Pferdeprojekt in Florida in den USA. Wie kam es zu deiner Entscheidung? Warum diese beiden Länder?

Argentinien hat mich schon immer gereizt: ein Land voller natürlicher Sehenswürdigkeiten und kultureller Vielfalt, aber auch geprägt durch schwierige Verhältnisse. Außerdem wollte ich mein Spanisch verbessern und nach dem Abi erst einmal ganz weit weg, um den Kopf frei zu bekommen und etwas Neues zu erleben und aufregende Erfahrungen zu sammeln. Da es in Argentinien leider viele benachteiligte Menschen und vor allem Kinder gibt, war es für mich klar, ein Projekt im sozialen Bereich zu machen und somit den Menschen dort zur Seite zu stehen und ihnen zu helfen.

Nach Florida hat es mich verschlagen, da ich diesen vielseitigen Staat der USA gerne kennenlernen wollte und neugierig war, was mich im „Sunshine-State“ erwarten würde. Als ich das Pferdeprojekt entdeckte, habe ich mich direkt entschieden: ein Projekt, bei dem man sich um Mustangs kümmert, sie pflegt, rehabilitiert und füttert und zudem noch zahlreiche Ausritte machen kann? Das klang mehr als überzeugend!

Dein Aufenthalt in Argentinien hat mit einem Sprachkurs begonnen. Welchen Kurs hast du besucht und wie hat er dir gefallen? Wie war die Unterkunft bei der Gastfamilie?

Meine Argentinien Reise fing mit einem dreiwöchigen Sprachkurs an. Am ersten Tag in der Sprachschule wurde zuerst ein Test durchgeführt, um das jeweilige Niveau der Schüler zu ermitteln. Mein Kurs war sehr interessant, da neben den klassischen Sprachübungen auch kleine Filme und Musik mit eingebracht wurden, sodass der Unterricht nicht zu eintönig wurde. Später habe ich noch einen „Konversations-Kurs“ besucht, der – wie der Name schon andeutet – daraus bestand, über alles Mögliche zu plaudern und Diskussionen zu führen, um seine mündlichen Spanischkenntnisse zu verbessern. Dieser Kurs hat mir sehr Spaß gemacht, da wir Schüler sehr viel mitgestalten und so über die besprochenen Themen mitentscheiden konnten.

Der Empfang bei meiner Gastfamilie war sehr herzlich und ich wurde direkt in das Familienleben miteinbezogen. Meine Gastmutter hat mir sehr geholfen, über die anfänglichen kleinen Schwierigkeiten, wie die Sprache und die Orientierung in der neuen Stadt, hinwegzukommen.

Erzähl uns doch mal etwas über das Projekt vor Ort. Wo hast du geholfen und wie sahen deine Aufgaben aus?

Ich habe bei einer Organisation gearbeitet, die Frauen hilft, wieder zurück ins normale Leben zu finden, indem sie verschiedene Kurse wie Backen, Nähen und Frisieren besuchen und somit diese Fähigkeiten erlernen. Diese Frauen hatten oftmals schlimme Dinge erlebt und dann entschieden, wieder neu anzufangen. Meine Aufgabe bestand darin, auf die Kinder der Teilnehmerinnen aufzupassen, während diese Unterricht hatten. Ich war der Gruppe der ganz kleinen Kinder zugeteilt, die jüngsten waren gerade mal ein paar Monate alt. Ich habe also mit der Kindergärtnerin auf die Kinder aufgepasst, ihnen beim Essen geholfen und vor allem ganz viel mit ihnen gespielt.

Du hast in einer internationalen WG gelebt. Wie muss man sich das Zusammenleben vorstellen? Aus welchen Ländern kamen deine Mitbewohner? Hast du Freundschaften entwickeln können?

Das Leben in der WG war vor allem eins: chaotisch! Mit ca. 15 Leuten waren wir ziemlich viele und ich musste mich am Anfang erst einmal daran gewöhnen. Abgesehen von den typischen Streitpunkten, wie wer wann Küche und Bad benutzen durfte, hat es aber Spaß gemacht, mit so vielen verschiedenen Mitbewohnern zu leben. Die meisten kamen aus Südamerika: Kolumbien, Peru, Brasilien, Mexiko und vor allem Argentinien, dann aus den USA und Kanada und natürlich Europa: Mit einer Belgierin, einer Französin, einem Holländer und einer Deutschen – mir – waren auch hier einige Länder vertreten. Durch diesen Nationalitätenmix war die Kommunikation manchmal etwas schwierig, gerade auch weil in den verschiedenen Ländern teilweise andere Ansichten vertreten wurden. Trotzdem haben gerade diese Unterschiede das Zusammenleben sehr bereichert.

Während ich einige meiner Mitbewohner kaum gesehen habe, habe ich mich mit anderen sehr schnell anfreunden und viel unternehmen können. Mir hat besonders dieses Gemeinschaftsgefühl gefallen, das sich nach einiger Zeit automatisch entwickelt hat, grade auch mit meiner argentinischen Zimmernachbarin.

Neben der Arbeit bleibt am Wochenende häufiger Zeit für kleine Ausflüge. Wohin hat es dich bisher geführt? Hast du einen besonderen Tipp für zukünftige Weltenbummler?

Am Wochenende habe ich öfters Ausflüge in Nachbarstädte Córdobas gemacht. Mit Freunden war ich in La Cumbre fürs Paragliding und in Villa General Belgrano fürs Oktoberfest. In letzterer Stadt leben nämlich viele Deutsche und Deutschstämmige, die diesen typischen Brauch auch in Argentinien weiterführen. Außerdem war ich eine Freundin auf einer einsamen Farm besuchen, die ca. 2 Stunden von der Stadt entfernt lag. Dieses Wochenende war sehr entspannend und interessant, da ich so auch einen Einblick in die ländlicheren Gegenden der Provinz Córdobas bekommen konnte.

Zu diesen kleineren Ausflügen kommen noch die größeren Reisen: Ein Muss in Argentinien ist auf jeden Fall Buenos Aires, eine riesige und faszinierende Stadt, die sehr international und europäisch angehaucht ist und kulturell sehr viel zu bieten hat. Außerdem habe ich eine Woche an den Iguazú-Fällen an der Grenze zu Brasilien und Paraguay verbracht. Die Wasserfälle sind ein echtes Naturschauspiel und die fast 24-stündige Anreise mit dem Bus wirklich wert!

Gibt es sonst noch etwas, was du loswerden möchtest?

Meine Aufenthalte in Argentinien und auch in Florida haben mir gezeigt, dass es nichts Schöneres gibt, als sich in ein fremdes Land aufzumachen und dort eine völlig fremde Kultur kennenzulernen. Ich habe gelernt, dass Vieles, was ich früher für selbstverständlich gehalten habe, für manche Menschen sehr besonders ist und dass es außerdem zwischen der deutschen Lebensweise und der in Argentinien und den USA viele Unterschiede, aber auch überraschende Gemeinsamkeiten gibt.

Rückblickend bin ich froh, mich für ein Projekt im Ausland entschieden zu haben, da ich so viele tolle Erfahrungen gemacht und interessante Leute getroffen habe. Auch wenn es am Anfang etwas Überwindung kostet, diesen großen Schritt zu machen und sich zu trauen, einige Monate in einem fremden Land zu verbringen: Ich kann es nur jedem empfehlen, ihr werdet es nicht bereuen :-)

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