Farmarbeit in Island – Jeden Tag ein neues Abenteuer

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Susanne hat 2014 für drei Monate am Programm Farmarbeit in Island teilgenommen. Die 25-jährige lässt uns nun rückblickend durch ihren Erfahrungsbericht an ihren Abenteuern teilhaben. Erst berichtet sie von der Planung ihres Auslandsaufenthaltes, der Ankunft in Island und der Arbeit auf »ihrer« isländischen Farm. Später beschreibt sie sowohl ihre Freizeit im Land aus Feuer und Eis, als auch ihren Road Trip über die Insel und zieht ein Fazit über ihre Erlebnisse.

»Alles in allem war diese Reise die beste Erfahrung, die ich machen konnte.«

Strand und Klippen in IslandEinmal für eine längere Zeit ins Ausland gehen. Eine andere Kultur oder Lebensweise und viele neue Leute und Gewohnheiten kennenlernen. Im Prinzip sollte jeder das irgendwann mal machen. Warum?

»Die Welt ist ein Buch und wer nicht reist, liest davon nicht eine einzige Seite.« (St. Augustine)

Diese uralte Weisheit zeigt schon, wie spannend jede einzelne Reise ist. Und alles, was man während einer Reise erlebt, kann in Büchern nicht einmal annähernd so gut beschrieben werden. Jede Reise ist ein kleines Abenteuer für sich. Bei meiner Reise nach Island waren es sogar viele Abenteuer auf einmal. Im Prinzip hat dort jeder Tag ein neues Abenteuer bereitgehalten.

Planung

Als mir bewusst wurde, dass zwischen dem Ende meiner Ausbildung und dem Anfang meines Studiums drei freie Monate liegen, war für mich klar, dass ich diese im Ausland verbringen wollte. Um welches Land es sich dabei handeln sollte, war für mich auch sicher – Island. Ich war vor ein paar Jahren einmal dort im Urlaub und habe mich total in die großartige, abwechslungsreiche Landschaft verliebt. Deswegen wollte ich unbedingt wieder dorthin.

Nachdem ich alle Bewerbungsunterlagen erfolgreich bearbeitet und abgeschickt hatte, konnte ich kaum erwarten, dass es endlich losging. Ich hatte vorher die Gelegenheit, ein paar Mal mit meinem zukünftigen Arbeitgeber zu telefonieren um schon mal ein bisschen herauszufinden, was mich erwarten würde. Es sollte an den Mývatn, einen großen See im Nordosten der Insel auf einen Campingplatz, gehen. Die Arbeit war für mich die perfekte Mischung aus Tourismus und der Arbeit mit den Pferden des Besitzers.

Es geht los

Überblick über Reykjavik,IslandEnde Juni war es dann endlich soweit. Ich sagte Deutschland erstmal auf Wiedersehen und flog mit dem Flugzeug nach Keflavik, dem internationalen Flughafen von Island. Von dort ging es mit dem Bus weiter nach Reykjavik, wo mich Svanborg, meine isländische Betreuerin, abgeholt und zum Hotel gebracht hat.

Da es noch früh am Abend war, hatte ich genug Gelegenheit, um ein wenig durch Reykjavik zu schlendern. Am nächsten Morgen ging es in das Büro der isländischen Organisation. Dort wurden sämtliche Arbeitsangelegenheiten, wie zum Beispiel die Beantragung einer Steuernummer, erledigt und ich habe einen kleinen Isländisch-Crashkurs bekommen.

Danach konnte es dann losgehen. Von dem kleinen Flughafen in Reykjavik ging es mit dem Flugzeug nach Akureyri. Jeder Isländer, der mir bisher begegnet war, hatte mir versichert, dass das Gebiet am Mývatn eine der schönsten Gegenden Islands sei. Umso mehr freute ich mich jetzt darauf, endlich anzukommen.

Mein Chef Gísli

In Akureyri wurde ich von Gísli, meinem neuen Chef abgeholt. Da wir uns sofort gut verstanden und uns über isländische und deutsche Gewohnheiten austauschten, verging die zweistündige Fahrt wie im Flug, zumal wir unterwegs noch bei einem befreundeten Farmer vorbeischauten. In Reykjahlíð, einem kleinen, etwa 150 Einwohner zählenden Dorf, angekommen, freute ich mich schon, mein neues Zuhause zu begutachten.

Vorher allerdings mussten die Pferde versorgt werden und da Gísli im Auto schon meine Begeisterung für Pferde bemerkt hatte, vertraute er mir diese Aufgabe direkt an. Er selber hatte vor ein paar Jahren einen schweren Fahrradunfall und ist seitdem auf einen Rollstuhl angewiesen. Da die Pferde aber immer noch sein liebstes Hobby sind, ist er froh über jeden tierlieben Menschen, der ihm hilft.

So verbrachte ich meinen ersten Abend in der neuen Heimat mit dem Errichten einer Pferdekoppel und obwohl ich schon immer mit Tieren gearbeitet habe, hatte ich sowas noch nie zuvor gemacht und war umso stolzer auf das Ergebnis. Danach war es allerdings schon so spät, dass ich nur noch schnell ein paar Worte mit meiner neuen Zimmergenossin wechseln konnte und dann schlafen ging.

Die Arbeit auf der Farm

Die erste Woche habe ich vor allem dazu genutzt, meine Arbeitsabläufe und meine Arbeitskollegen kennenzulernen. Im Arbeitshaus wohnten außer mir 6 Isländer und 3 Schweden. Außerdem gab es da noch Gísli, seine Frau Lilja, deren Kinder und eine befreundete Familie aus dem Dorf, die bei allen möglichen Arbeiten mithalf.

Ausritt durchs Grüne in IslandZusammen waren wir ein großartiges Team und hatten nie Probleme miteinander. Da wir alle sehr sprachinteressiert waren, bestand unsere Verständigung meistens aus einem Isländisch-Schwedisch-Deutsch-Englisch-Mix, sodass wir alle etwas voneinander lernen konnten und uns trotzdem verstanden haben.

Die Isländer freuen sich immer, wenn man an ihrer Sprache interessiert ist.

Meine Aufgaben auf der Farm

Meine täglichen Aufgaben bestanden vor allem in der Reinigung und Herrichtung der Bed & Breakfast-Zimmer, der Gästehäuser und des Campingplatzes, der Arbeit an der Rezeption und sämtlichen Arbeiten mit den Pferden. Hierbei ging es vor allem darum, sie zu trainieren, damit sie fit für den Schafabtrieb im September wurden und darum, Touristen geführte Reittouren anzubieten. Diese Reittouren waren am Anfang etwas ungewohnt für mich, aber schon bald wusste ich genug über die Gegend, um zu wissen, wo die schönsten Reitstrecken sind und was man den Touristen alles berichten könnte. So hat diese Arbeit wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Vor allem aber die Reitausflüge, die ich alleine gemacht habe, waren immer fantastisch. Island wird extrem durch seine Mythen geprägt und die fantastische Landschaft lässt einen auch schnell an Trolle und Elfen glauben. Ein Ausritt durch die isländische Natur kommt einem vor, wie ein Ausflug in eine Märchenwelt.

Freizeit – Inselerkundung

Nach Feierabend habe ich die Zeit meistens mit meinen Mitbewohnern verbracht. Wir haben Grillabende veranstaltet, sind zur nahegelegenen Lagune gefahren (denn Schwimmen ist das wohl beliebteste Hobby in Island) oder haben Konzerte im Dorfpub besucht.

Berg- und Seenlandschaft in IslandUnd dann gab es ja noch die freien Tage. In Island hat man, wenn man im Tourismusbereich arbeitet, die Möglichkeit, an vielen Touren kostenlos teilzunehmen. Dadurch haben wir unsere freien Tage meistens dazu genutzt, geführte Jeep-Touren ins Hochland zu machen, auf Whale-Watching-Tour zu gehen oder auch Sightseeing-Flüge über die Gletscher zu machen. So hatte ich die Gelegenheit, den gesamten Norden von Island problemlos kennen zu lernen. Jeder dieser Ausflüge war auf seine Art und Weise ganz besonders und auf jeden Fall weiterzuempfehlen.

Stand mal kein Ausflug an, bin ich öfters wandern gegangen oder habe eine Radtour gemacht. Die Gegend eignete sich wunderbar dafür und ich hatte schon nach einigen Tagen erkannt, warum es eine der schönsten Islands sein sollte. Es gibt einfach alle Landschaftsarten, die Island zu etwas so Besonderem machen, an einer Stelle.

Das Land aus Feuer und Eis

Ende August wurden die Tage dann langsam kürzer. Da man vorher die Vorteile der hellen Nächte genießen konnte, war es jetzt auf einmal ziemlich ungewohnt, Sonnenuntergänge und Dunkelheit zu haben. Außerdem wurde es auch schon merklich kühler, wobei ich mich nach ein paar Wochen durchaus an den kühlen, nordischen Wind gewöhnt hatte.

Und dann gibt es in Island noch das ausgeklügelte Warnsystem für Vulkanausbrüche. Da die Vulkane auf der Insel im Prinzip ständig aktiv sind und es so alle paar Jahre zu Ausbrüchen kommt, werden SMS auf alle isländischen Handynummern verschickt, sobald ein Vulkan droht auszubrechen. Dadurch soll eine eventuelle Evakuierung des betroffenen Gebietes möglichst schnell funktionieren.

Vulkanausbruch in IslandIm August passierte genau das. Der unter einem riesigen Gletscher liegende Vulkan Bárðarbunga wurde von so vielen Erdbeben erschüttert, dass es immer wieder zu kleineren Ausbrüchen kam. Das Gebiet wurde weitläufig evakuiert, da die Evakuierungszone aber knapp 20 km südlich von unserem Dorf endete, waren wir zum Glück nicht davon betroffen. Wenn es abends dunkel wurde, konnte man in der Ferne den Vulkan leuchten sehen.

Für meine schwedischen Arbeitskollegen und mich war das alles sehr aufregend und wir verfolgten jeden Tag gebannt die Nachrichten, ob es zu noch größeren Ausbrüchen kommen würde. Für die Isländer, die so etwas ständig miterleben, war es allerdings nichts Besonderes. Im September hatte ich die Gelegenheit, an einem Rundflug über das Vulkangebiet teilzunehmen. Das Bild von den Lava-Fontänen und dem glühenden Strom wird mir auf jeden Fall im Gedächtnis bleiben. Ebenso wie die Nordlichter. Ab September hatte ich in vielen Nächten die Gelegenheit, dieses großartige Naturschauspiel zu beobachten. Schon alleine dafür lohnt es sich, auch mal außerhalb der üblichen Reisezeit im Norden zu sein.

Der Schafabtrieb

Schafabtrieb auf IslandEbenfalls im September fand der Schafabtrieb statt. In Island ist es üblich, die Schafe den ganzen Sommer über frei durch die Berge laufen zu lassen. Im September werden sie dann wieder zusammengetrieben und auf die zugehörigen Bauern verteilt. Auf dieses Erlebnis freute ich mich schon lange.

Um 6 Uhr morgens ging es los, den ganzen Tag reiten, dabei die steilsten Berge erklimmen und alle Schafe ins Tal treiben. Es war sehr anstrengend, aber gleichzeitig wahnsinnig aufregend und für mich auf jeden Fall das größte Abenteuer, das ich je erlebt habe. Zumal, außer mir nur Farmarbeiter, die das schon ihr Leben lang machen, mit dabei waren und es für mich eine ganz große Ehre war, dass ich teilnehmen durfte.

Jedes Abenteuer hat ein Ende

Da in Island die Schule, bzw. die Uni wieder losging, verließen uns immer mehr Arbeitskollegen, bis nur noch Frieda, Madeleine (zwei der Schwedinnen) und ich übrig waren. Mitte September hieß es dann leider auch für uns langsam Abschiednehmen vom Mývatn.

Warme Quelle in IslandIn unserer letzten Arbeitswoche wurden wir zu einem typischen isländischen Abendessen und anschließender Wanderung zu einer versteckten warmen Quelle, in der man baden konnte, eingeladen. Solche Erlebnisse hat man als Tourist definitiv nicht und sie machen das ganze Abenteuer Island zu etwas ganz Besonderem.

Der Abschied fiel uns dann allen schwer, aber zum Glück lagen noch ein paar freie Tage in Island vor uns. Also haben wir uns ein Auto gemietet und sind über die Ostfjorde und den kompletten Süden der Insel zurück nach Reykjavik gefahren. Dabei haben wir uns natürlich alle Touristenattraktionen auf dem Weg angeschaut und haben in Schlafsackunterkünften geschlafen, wie es die meisten Islandreisenden tun. Irgendwann war allerdings leider auch diese Zeit vorbei und für uns hieß es Abschiednehmen von der wunderschönen Insel.

Mein Fazit

Wenn ich heute an die Zeit zurückdenke, denke ich vor allem an die vielen kleinen Momente, die die drei Monate Farmarbeit in Island immer wieder mit Freude ausgefüllt haben, an die großartigen Reittouren, bei denen ich mich wie in einer anderen Welt gefühlt habe und an alle tollen Menschen, die ich in der Zeit kennengelernt habe und zu denen ich auch immer noch guten Kontakt halte.

Ich erinnere mich auch gerne an einen Mann, der einmal bei uns auf dem Campingplatz übernachtet hat. Er war vor Jahren aus Deutschland nach Island ausgewandert und sagte zu mir: »Wenn du das hier wieder verlässt, wird es dir keine Ruhe lassen, bis du irgendwann mal wieder kommst. Dieses Land behält immer ein Stück von deiner Seele und wenn man einmal hier war, möchte man einfach immer wieder zurück.« Ich denke damit hat er Recht behalten, denn Island ist und bleibt einfach ein Land mit Suchtpotenzial.

Alles in allem war diese Reise die beste Erfahrung, die ich machen konnte.

Eure Susanne

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