Auslandspraktikum in Kanada – Ein unbezahlbares Erlebnis

Auslandspraktikum in Kanada – Ein unbezahlbares Erlebnis

Die Welt erkunden. Neue Wege gehen. Fremde Kulturen entdecken. Ein Auslandsaufenthalt ist ohne Frage eine Bereicherung fürs Leben. So erging es auch Simone Hacker aus Karlsruhe, die zunächst vor der Frage stand, welches Programm denn überhaupt ihren eigenen Interessen entsprach. Schnell waren die Würfel gefallen. Ein Auslandspraktikum in Kanada sollte es werden. Ein Gespräch über ihre Eindrücke als Praktikantin, multikulturelle Freundschaften und ihre Lieblingsplätze in Vancouver.

Auslandspraktikum in Kanada: Freundschaften fürs Leben

Was hat dich dazu bewogen, ein Praktikum in Kanada zu beginnen? Warst du vorher schon mal in dem Land?

Was mich dazu bewogen hat, ein Praktikum zu machen war im Prinzip folgendes: Ich wusste zunächst nur eins: Nach dem Abitur wollte ich weg aus Deutschland und eine ganz neue, eigene Erfahrung machen. Doch das allein brachte mich noch nicht sehr weit. Also recherchierte ich meine Möglichkeiten. Die üblichen Dinge, wie Freiwilligendienst, Au-pair oder Work and Travel passten für mich aber leider nicht. Freiwilligendienst und Au-pair überschnitten sich nicht mit meinen Interessen und Work and Travel alleine als Mädchen kam mir irgendwie doch ein wenig zu abenteuerlich vor. Zu allerletzt entdeckte ich dann jedoch die Möglichkeit, ein Praktikum im Ausland zu absolvieren mit Sprachkurs vorne weg. Super, dachte ich. Ich kann das richtige Arbeitsleben in einem anderen Land kennenlernen und dabei auch noch einen prima Einblick in Berufe gewinnen, die mich interessieren. Ich wusste also, das will ich machen.

Die nächste Frage war dann, in welches Land soll ich gehen? Zunächst wollte ich ehrlich gesagt in die USA, einfach aus dem Grund, dass ich außerhalb Europas in ein englischsprachiges Land wollte und ich dort auch noch Verwandte hatte. Nach einigen Recherchen fiel mir allerdings auf, dass das als Schulabgänger und nicht eingeschriebener Student ein ziemlich mühseliges und beinahe unmögliches Unterfangen zu sein schien. Also entschied ich mich für Kanada. Ich informierte mich über das Land und das multikulturelle Leben. Je mehr ich recherchierte, desto begeisterter wurde ich. Auch die Tatsache, dass es zum Beispiel im Gegensatz zu England als sehr gastfreundlich gilt, bestätigte meine Wahl. Ich hatte zuvor noch nie Europa verlassen und somit war mein Drang, mal etwas ganz Neues, weit entfernt von meiner Heimat, zu entdecken sehr groß.

Auslandspraktikum in Kanada: Die Stanley Parl Flag

Wo genau hast du gearbeitet und wie sahen die Inhalte deines Praktikums aus?

Dazu muss ich gleich zu Beginn sagen. Ich habe in zwei unterschiedlichen Firmen gearbeitet, jedoch beide in der Tourismusbranche. Mein erster Arbeitgeber war eine Reiseorganisation für internationale Schüler im Zentrum von Vancouver. Ich arbeitete in der Abteilung Marketing & Vertrieb, musste jedoch feststellen, dass es inhaltlich doch nicht wirklich passte und entschied mich dann, dort aufzuhören. Meine Arbeitgeber waren mir trotzdem dankbar für meine Arbeit und schrieben mir sogar eine ziemlich nette Bewertung!

Mein zweiter Arbeitgeber stellte sich für mich als bessere Wahl heraus. Ich arbeitete direkt im Sportmuseum der Stadt, welches direkt im BC Place (Fußball & Football Stadion) untergebracht ist. Die Arbeitszeiten waren etwas anders als sonst üblich, da das Museum an sieben Tagen in der Woche geöffnet hat und somit auch am Wochenende gearbeitet wird. Ich hatte trotzdem einen tollen Arbeitsplan, von sonntags bis donnerstags, jeweils von 9.30 bis 17.30 Uhr.

Auslandspraktikum in Kanada: Eröffnung der neuen Ausstellung in der BC Sports Hall of Fame
Gleich am ersten Tag bekam ich eine gründliche Einführung von meinem Kollegen, wie man das Museum zu öffnen hat: Alles einschalten, Geld zählen, Popcorn machen, Schilder raustragen, Toiletten überprüfen usw. Eine alltägliche Prozedur. Meine Hauptaufgabe war es mit ca. zwei weiteren Kollegen an der Rezeption zu sitzen, Besucher ins Museum zu lassen, alle möglichem Fragen von Touristen zu beantworten à la „Wo ist das beste Restaurant?“ bis zu „Wann ist das nächste Fußballspiel?“. Außerdem hatten wir Geburtstagspartys an Wochenenden und einige Special Events, bei denen wir beim Aufbau oder Aufräumen halfen und an Eventtagen ebenfalls unterschiedliche Aufgaben hatten.

Da man an normalen Tagen an der Rezeption nicht immer übermäßig beschäftigt war, bekam man noch administrative Aufgaben am Computer, die sehr unterschiedlich waren. Ich half beim Erstellen von Stewardship Reports und wurde für ein jährliches Golfturnier eingeteilt, wo ich u.a. Anfragen zu sogenannten „Silent Auctions“ versendete. Alles in allem kann man sagen, dass meine Arbeit sehr abwechslungsreich war, was mir persönlich gefiel. Was mich auch begeisterte, war, in einem richtigen Team zu arbeiten mit sehr netten Leuten, die meine Arbeit schätzten und auch, das wir mittwochs immer „Staff Meetings“ hatten, wo wichtige, aktuelle Sachen besprochen wurden.Auslandspraktikum in Kanada: Simone und ihre neuen Freunde

Vancouver gilt als eine der lebenswertesten Städte der Welt. Wie hast du die Stadt erlebt? Hast du dir Zeit genommen, alles zu erkunden?

Das Vancouver als sehr lebenswert gilt, hatte ich auch zuvor gehört und zunächst einmal an den Preisen erlebt. Sparen in Vancouver ist definitiv eine Herausforderung, insbesondere was das Wohnen betrifft. Abgesehen davon jedoch empfand ich die Atmosphäre in Vancouver toll und war beeindruckt, wie viel Natur unmittelbar ums Zentrum herum zu entdecken war und wie viele unzählige Leute aus unterschiedlichsten Nationen in dieser Stadt lebten. Waschechte Kanadier traf ich leider eher selten, dafür aber Mexikaner, Brasilianer, Philippiner, Koreaner, Japaner, Chinesen oder Kolumbianer Interessanterweise jedoch recht wenige Europäer, insbesondere Deutsche. Dies lag allerdings daran, dass ich mitten im Winter (Anfang Dezember) dort ankam, was im Nachhinein vermutlich nicht die klügste Wahl war. Denn wer in Vancouver den Sommer verbringt, liebt es.

Ich verpasste ihn leider haarscharf und lernte trotzdem, es zu lieben. Jedoch musste ich mir unzählige Male anhören, Vancouver im Sommer sei spitze und unübertrefflich und auch ich fing an, diese Stadt erst richtig zu schätzen als es ein bisschen wärmer wurde. Es gibt tolle Strände, unzählige Parks und schöne Gegenden zu erkunden, die im Regenschmuddelwetter irgendwie doch nicht so verlockend sind. Allerdings hat es tolle Skigebiete, was für Skifahrer oder Snowboarder ein Traum ist. Für Wintersportler ist es also auch im Winter toll, für Leute wie mich kann ich jedoch nur empfehlen: Wartet auf den Sommer!

Auslandspraktikum in Kanada: Fahrrad fahren im Stanley Park

Wie ich schon am Rande erwähnte, gibt es unzählige Dinge in und um Vancouver herum zu erkunden. Jedoch spielen bei allen Dingen Zeit und Geld eine Rolle. Von beiden hatte ich nicht ausreichend, sodass ich beliebte Orte, wie die Rockies, Tofino oder Whistler nicht zu Gesicht bekam. Dafür konnte ich Vancouver recht gut erkunden. Im Winter waren wir Schlittschuhlaufen im Robson Square (kostenlos), haben in unzähligen Nachtclubs gefeiert, in einigen Restaurants gegessen oder unser Geld in Shopping Malls ausgegeben.

Zugegebenermaßen kamen die spannenderen Ausflüge dann doch eher gegen April und Mai macht. Ich plante also Ausflüge mit meinen Freunden nach Victoria, Deep Cove, Lynn Valley, Capilano Suspension Bridge und mehr. Auch nach der Arbeit einfach am Strand Volleyball zu spielen hatte etwas Besonderes, wenn man aus einer Gegend ohne Meer und Strand kommt. Stanley Park, der größte Park in Vancouver, hat auch einige tolle Plätzchen und auch eine kleine Radtour empfiehlt sich. Ein ganz besonderes Flair besitzt Granville Island, was sich direkt neben Vancouver Downtown befindet. Dank des Marktes und der kleinen netten Lädchen eine komplett andere Atmosphäre als das belebte Downtown. Vancouver hat also von Strand, Bergen bis zu Wäldern alles zu bieten und ich bin sicher, es trifft jeden Geschmack!

Gerade der Anfang in einem fremden Land ist oftmals schwer. Wie war für dich die Eingewöhnungsphase? Hast du schnell Anschluss gefunden bei Kollegen bzw. hast du neue Kontakte geknüpft?

Ehrlich gesagt hatte ich davor die größte Angst, bevor ich nach Vancouver kam. Ich hatte aber ziemliches Glück, denn gleich zu Beginn hatte ich eine tolle Mitbewohnerin in meiner Gastfamilie, die mir alles Wissenswerte über Verkehrsverbindungen etc. mitteilte und auch noch zur gleichen Sprachschule wie ich ging. Wir fuhren also zusammen zur Schule, sie stellte mich ihren Freunden vor und ruckzuck hatte ich schon ein bisschen Anschluss. Binnen kürzester Zeit wurden wir richtig gute Freunde und auch in der Schule lernte ich ein paar echt nette Leute kennen. Da ich jedoch nur 5 Wochen einen Sprachkurs besuchte, machte ich mir Sorgen, ich würde danach kaum noch Anschluss finden.

Diese Sorge war jedoch komplett unberechtigt, denn in Vancouver gilt: Bist du aufgeschlossen und freundlich, kannst du überall Freunde finden. Selbst nach meinem Umzug und nach Beginn meines Praktikums, erhielt ich die Freundschaft zwischen mir und meiner ersten Mitbewohnerin aufrecht. Und zusammen mit einer anderen Schulfreundin bildeten wir ein multikulturelles Dreiergespann: Venezuela, Deutschland und Mexiko! Da die beiden jedoch unter 19 Jahren waren und nur begrenzte Möglichkeiten hatten, auszugehen, machte ich auch viel mit anderen Leuten. Ich lernte Leute beim Ausgehen oder durch Freundesfreunde kennen, und hatte eigentlich nie das Problem, zu einsam zu sein. Lange zum Eingewöhnen brauchte ich also nicht. Jedoch kristallisierten sich die guten Freundschaften dann doch erst relativ gegen Ende heraus. Das größte Problem war der nationale Zusammenhalt von vielen Ländern. Beispielsweise bilden Brasilianer unglaublich gerne riesige Gruppen mit ihren Landsleuten. Das gleiche Phänomen nahm ich auch bei vielen Asiaten wahr. Es kann also schwer sein, den richtigen Anschluss zu finden.

Auslandspraktikum in Kanada: Eiscreme essen

Mit meinen Kollegen hatte ich zwar ein gutes Arbeitsverhältnis, jedoch lebte jeder sein eigenes Leben außerhalb der Arbeit, was für mich jedoch in Ordnung war, da ich bereits zuvor Anschluss in Vancouver gefasst hatte. Allgemein kann ich jedem nur raten, einen Sprachkurs vor dem Praktikum zu absolvieren, um ein bisschen Zeit zur Eingewöhnung zu haben und Leute kennenzulernen, denn im Praktikum kann es unter Umständen, je nach Arbeitsbereich, sehr viel schwerer sein. Seid ihr jedoch offen und kontaktfreudig, werdet ihr unzählige Freunde aus allen unterschiedlichen Ländern gewinnen! ;-)

Und last but not least: Welchen Ratschlag würdest du zukünftigen Weltenbummlern mit auf den Weg geben?

Geht nicht nach Vancouver, wenn ihr Geld sparen wollt und habt keine Angst vor eurer Reise. Ich kenne keinen, der eine negative Erfahrung gesammelt hat und man lernt so viel fürs Leben. Es ist ein unbezahlbares Erlebnis und es ist ein tolles Gefühl, unterschiedlichste Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen zu treffen und sich trotzdem mit diesen verbunden zu fühlen. Ob ihr dabei ein Praktikum, eine Backpacker-Tour, Work and Travel oder etwas anderes macht, ist völlig egal. Ich denke, jede Erfahrung wird zu einem unvergesslichen Ereignis in eurem Leben.

Also, habt keine Angst davor, sondern macht es und genießt diese Zeit, denn so frei und unabhängig werdet ihr vielleicht nie wieder sein können!

Vielen Dank fürs Gespräch, Simone!

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