Erfahrungsbericht: Au-pair in den USA – Stepin-Teilnehmerin Leonie im Interview

Erfahrungsbericht: Au-pair in den USA – Stepin-Teilnehmerin Leonie im Interview

Nach dem Abi in die große weite Welt – diesen Wunsch verspürte auch die Bonnerin Leonie Preissing. Und schnell stand fest: Sie wollte als Au-pair ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Mittlerweile ist sie zurück in Deutschland, hat ein Tourismus-Studium aufgenommen und unterstützt derzeit das Stepin-Team als Praktikantin während ihrer Semesterferien. Und wir baten sie zum Interview. Ganz klar: Das Fernweh lässt sie so schnell nicht los. Ein Gespräch über amerikanische Alltagskultur und das Freiheitsgefühl auf Reisen.

„Meine Gastmutter ist wie eine Freundin für mich“

Leonie & Freunde

Du hast dich für das Au-pair Programm in den USA entschieden. Wie kam es zu dieser Entscheidung? Und wieso gerade Amerika?

Nach einem Schülerpraktikum im Hotel in der 11. Klasse war mir klar, dass ich später einmal in der Hotel- oder Tourismusbranche arbeiten möchte. Dafür sind Englischkenntnisse von Vorteil. Außerdem hatte ich nach dem Abitur das Verlangen danach mal etwas ganz anderes zu machen und zu erleben. Da meine große Schwester schon als Au-pair in den USA war und sehr gute Erfahrungen mit Stepin, der Gastfamilie und dem Land gemacht hat, habe ich es ihr gleichgetan und gehofft, dass ich eine genauso tolle und erlebnisreiche Zeit haben werde, wie sie sie hatte.

Hattest du vorher bereits Erfahrungen mit Kindern unterschiedlichen Alters gemacht?

Ich konnte bei meiner Bewerbung für ein Au-pair-Jahr sehr viele Erfahrungen mit Kindern vorweisen. Ich habe schon im Alter von 14 Jahren bei verschiedenen Familien babygesittet. Das kleinste Kind, auf das ich einmal pro Woche aufgepasst habe, war erst 1 Jahr alt. Aber auch Tätigkeiten wie Kinder vom Kindergarten abholen, zur Schule bringen oder Essen kochen, gehörten zu meinen Aufgaben. Außerdem habe ich bei der Evangelischen Kirche einen Jugendmitarbeiterschein gemacht und bei vielen Projekten, Kinder- und Jugendfreizeiten mitgearbeitet. Mir hat die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen schon immer sehr viel Spaß gemacht.

Au-pair USA - Leonies Gastfamilie

Kommen wir zum “American Way of Life”. Wie war das Leben in einer amerikanischen Gastfamilie? Was hat dir an der Lebensart besonders gefallen – und was vielleicht weniger?

Das Leben in meiner Gastfamilie war in den ersten Monaten sehr aufregend. So viele Dinge waren anders. Da meine Gastfamilie italienischer Herkunft war, war zumindest das Problem des Essens, wovor mich so viele gewarnt hatten, schon aus dem Weg geräumt. ;-) Meine Gastfamilie kochte sehr lecker und vor allem gesund. Woran ich mich allerdings gewöhnen musste war, dass erst gegen 20 Uhr abends das Essen auf dem Tisch stand. An das sogenannte „snacken“ habe ich mich also gewöhnt und auch heute noch nicht abgelegt.

Geschockt hat mich, dass man das Auto selbst bei einem 45-minütigen Einkauf laufen lässt oder aber im Winter dieses schon 15 Minuten vor dem Losfahren anmacht, um später nicht die Scheiben kratzen zu müssen. Ansonsten sind Amerikaner echt sehr nette Menschen. In den ersten Wochen war ich über Komplimente von fremden Leuten am Bahnhof sehr verwundert. Generell schätze ich es aber als schwieriger ein, mit Amerikanern eine feste und gute Freundschaft aufzubauen, da viele Freundschaften nur oberflächlich sind.

Au-pair USA - Niagarafälle

Die USA sind unglaublich vielfältig. Du hast einige interessante Städte auf Reisen besucht – und dabei sogar die Grenze zu Kanada überschritten. Berichte uns doch mal von den Orten, die du gesehen hast. Hast du einen besonderen Reisetipp?

Während meines Aufenthaltes in den USA habe ich viele Reisen mit Freunden unternommen. Zum Beispiel bin ich nach Boston, Philadelphia, Toronto und zu den Niagarafällen gereist. Hier habe ich mit Freunden ein günstiges Hotelzimmer für ein verlängertes Wochenende gebucht. Tagsüber haben wir uns dann die Stadt und all die Sehenswürdigkeiten angeguckt und abends waren wir in Bars oder in Clubs.

Mit meinem Collegeprogramm war ich in Québec und in Washington. In den Collegekursen an jeweils drei Samstagen haben wir etwas über die Geschichte und die Kultur dieser Städte gelernt. Ein Wochenende in der Stadt mit einer Stadtführung inklusive hat den Collegekurs abgeschlossen. Auf diesen Reisen hat man viele neue Menschen kennengelernt, auch ganz oft Au-pairs. Am besten gefiel mir meine Reise nach Chicago. Da ich Bekannte habe, die dort wohnen, habe ich eine ganze Woche dort verbracht und auch hier die Tipps von Insidern genutzt, um die Stadt zu erleben. An meinen verbleibenden Wochenenden war ich in New York, was nur eine Zugstunde von mir entfernt war.

Au-pair USA - Chicago

Stehst du noch in Kontakt mit deiner Familie bzw. mit den neuen Freunden, die du in den USA kennengelernt hast?

Ja, ich habe noch sehr viel Kontakt zu meiner Gastfamilie. Über Facebook ist dies sehr einfach. Ich kommuniziere fast täglich mit meiner Gastmutter, die für mich während meines Auslandsaufenthaltes fast wie eine beste Freundin geworden ist. Aber auch mit den Großeltern, Tanten, Onkel und anderen Familienmitgliedern habe ich noch viel Kontakt und zwei mal im Monat versuche ich mit meiner Gastfamilie zu skypen. So bekomme ich mit, wie der Alltag bei meiner Familie weiterläuft und die Kinder haben mir auch immer was zu erzählen oder zu zeigen.
Mit dem neuen Au-pair meiner Gastfamilie, die auch aus Deutschland kommt, habe ich ebenfalls viel Kontakt und oft schickt sie mir Bilder der Kids.

Viele meiner Freunde in Amerika waren ebenfalls Au-pairs und kamen aus Deutschland, Schweden oder Spanien. Mit meinen engsten Freunden habe ich immer noch Kontakt und wir treffen uns regelmäßig. Ich habe auch schon ihre Familien und Freunde kennengelernt, von denen ich während meines Auslandsjahres so viel erzählt bekommen habe. Viele sind erst später als ich aus Amerika zurückgekehrt und können neuen Klatsch und Tratsch aus dem Ort, der Stadt oder über andere Au-pairs und natürlich auch über die Gastfamilien erzählen. ;-)

Au-pair USA - New York

Wie war die Rückkehr für dich nach Deutschland? Fiel der Abschied schwer?

Ich kann mich noch ganz genau an meinen Abschied erinnern und ja, er fiel mir unglaublich schwer. Ein paar Wochen vorher habe ich meiner Gastfamilie ausdrücklich verboten, über meine Abreise zu sprechen. Mit dem Packen meiner zwei Koffer habe ich auch erst einen Tag vorher begonnen. An meiner Goodbye-Party kullerten dann die Tränen und bis kurz vor meinem Flug konnte ich es einfach nicht wahrhaben, dass das Jahr schon vorbei ist. Angekommen in Deutschland erwartete mich meine ganze Familie mit einem Willkommensschild und Blumen am Flughafen und zu Hause standen all meine Freunde als Überraschung im Wohnzimmer. So war der Abschiedsschmerz schnell vergessen. Vermissen tue ich aber meine Gastfamilie immer noch und möchte sie unbedingt diesen Sommer besuchen.

Leonie, wir hoffen natürlich, dass das klappt und sagen an dieser Stelle herzlichen Dank fürs Interview!

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