Eine Stepin-Reise nach Costa Rica und Argentinien – Interview mit Marisa de Luca und Matthias Ohm

Eine Stepin-Reise nach Costa Rica und Argentinien – Interview mit Marisa de Luca und Matthias Ohm

Nicht um den Karnevalsjecken und Kostümierten im Rheinland zu entfliehen, sondern in firmeneigener Mission, haben sich unser Geschäftsführer Matthias Ohm und unsere Senior Sales Managerin Marisa de Luca auf nach Lateinamerika gemacht. In Costa Rica und Argentinien haben sich die beiden mit unseren Schüleraustausch Costa Rica-Partnerorganisationen vor Ort getroffen sowie Schulen und Gastfamilien besucht. Auch zwei unserer Projekte von Freiwilligenarbeit Costa Rica standen auf der Agenda: der Besuch eines Altenheims und einer Einrichtung, die Hippotherapie anbietet. Warum unsere Kollegen sich auf den langen Weg gemacht haben, welche Erfahrungen sie mit unseren Programmen und Projekten gemacht haben und wie sie selbst Land und Leute erlebt haben, berichten sie nun in einem kleinen Interview mit mir – Ani von der Weltneugier Redaktion. ;)

Costa Rica: schöner Strand in San José

Hallo Marisa, hallo Matthias! Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, mir meine Fragen zu beantworten! Aber erzählt doch einmal, warum seid ihr extra nach Lateinamerika geflogen? Gab es einen besonderen Anlass für eure Reise?

Marisa: Die Programme, die wir in Argentinien und Costa Rica anbieten, sind relativ neu – vor allem die High School Programme. Derzeit ist unser allererster High School Teilnehmer in Argentinien und nächsten Sommer werden fünf weitere Schüler nach Costa Rica reisen. Uns ist es wichtig, unsere Partnerorganisationen persönlich kennenzulernen, eine gute Beziehung und Vertrauen aufzubauen. Auch schauen wir uns immer vorab die Schulen an und prüfen, ob diese unseren Qualitätsansprüchen gerecht werden. Schul- sowie Partnerbesuche machen wir daher in regelmäßigen Abständen. Dabei versuchen wir auch, uns einen Überblick über das jeweilige Land zu verschaffen, über das Leben dort, die Menschen und ihre Kultur.

Matthias: Ich sage immer gerne: „We stand by what we´re selling!“ Denn nur so können wir auch sicherstellen, dass es unseren Schülern während ihrer Zeit im Ausland gut geht und dass sie mit vielen schönen Erlebnissen nach Hause zurückkehren.

Argentinien: älteste Universität in Lateinamerika

Welche Termine und Veranstaltungen standen denn genau auf eurer Agenda?

Marisa: Wie eben erwähnt, haben wir unsere High School Partnerorganisationen besucht. Direkt am ersten Tag unserer Ankunft in Argentinien haben wir einem der Vorbereitungsseminare beigewohnt. Unsere Reise haben wir mit Absicht so geplant, dass wir diese Veranstaltung auf jeden Fall mitmachen können. Des Weiteren haben wir uns die Schulen in Argentinien und Costa Rica näher angeschaut. In Argentinien befinden sich diese privaten Tagesschulen in Córdoba Stadt, in Costa Rica gehen die Schüler in San José zur Schule. Um uns einen allumfassenden Überblick über das Programm, was wir anbieten, zu verschaffen, haben wir in beiden Ländern außerdem ein paar Gastfamilien einen Besuch abgestattet.

Matthias: Neben dem High School Programm bieten wir in Argentinien und Costa Rica auch Freiwilligenarbeits-Projekte an. Zwei dieser Projekte in Argentinien haben wir besucht: Ein Altenpflegeheim und eine Reitschule, die Hippotherapie anbietet. Hippotherapie ist ein physiotherapeutisches Verfahren mit Pferden, bei dem Menschen mit bestimmten Erkrankungen reiten. Dadurch soll der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden.

Argentinien: Partner Organisation

Das klingt ja nach einem straffen Zeitplan. Wie waren denn die ersten Eindrücke, die ihr in dem jeweiligen Land gesammelt habt?

Marisa: Beide Länder haben wir als sehr unterschiedlich wahrgenommen. Gerade da wir zuerst in Costa Rica waren und dann direkt nach Argentinien geflogen sind, sind uns gewisse Unterschiede doch stark aufgefallen. Die Herzlichkeit und Wärme, mit der wir empfangen wurden, die Gastfreundschaft und das zwischenmenschliche Miteinander waren sowohl in Costa Rica als auch in Argentinien sehr bewegend.

Costa Rica hat wirklich eine atemberaubende, sehr vielfältige Natur mit sauberen und weißen Stränden und wunderschönen Regenwäldern. Costa Ricas Bevölkerung ist zudem sehr naturverbunden und sehr engagiert, wenn es darum geht, die Natur zu schützen und sich umweltbewusst zu bewegen und zu verhalten.

Costa Rica: Meer in San José

 

Matthias: Die Einwohner Costa Ricas legen sehr viel Wert auf Themen wie Ökologie, Nachhaltigkeit und dem Gleichgewicht der Natur. In einem aktuellen Projekt beschäftigen sich Forscher damit, einen Weg zu finden, bestellte Ananas-Felder wieder fruchtbar zu machen. Denn mit Ananas bepflanzte Felder liegen nach deren Ernte brach, da die Früchte alle Mineralien aus der Erde aufsaugen.

Marisa: Die Kultur, die Architektur und „the way of life“ sind sehr lateinamerikanisch, was daran liegt, dass die Mehrzahl der 4,5 Millionen Einwohner die Inka oder andere indigene Stämme waren. Argentinien steht im völligen Gegensatz dazu. 90% der 37 Millionen Einwohner entstammen spanischer oder italienischer Wurzeln, daher ist die Bevölkerung sehr europäisch orientiert. Argentinien ist außerdem das sogenannte „Powerhouse“ von Lateinamerika – eine stolze, wirtschaftliche Macht, die den Fortschritt und die Entwicklung Südamerikas vorantreibt. Die Städte, darunter auch Córdoba, sind sehr groß und urban.

Welchen Schülern würdet ihr die Länder jeweils empfehlen?

Marisa: Costa Rica würde ich Schülern empfehlen, die zum einen natürlich Spanisch lernen wollen und zum anderen ein großes Interesse an der Natur haben, sich gerne im Freien aufhalten und Outdoor Aktivitäten lieben. Die Schulen in Costa Rica sind sehr klein. Im Durchschnitt gibt es 400 Schüler pro Schule, was sehr übersichtlich ist und zu einer engeren Beziehung zwischen Lehrern und Schülern führt.

Argentiniens Schulen sind größer, wie auch die Städte. Das Leben ist urbaner, europäischer, aber trotzdem nicht mit Europa zu vergleichen. Auch wenn einige Traditionen, die Architektur und die Religion aus Europa stammen, so vermischen sie sich doch mit dem argentinischen Temperament. Was in diesen beiden Ländern wirklich ein Erlebnis ist, ist die Herzlichkeit, Wärme und Familienzugehörigkeit, die man während des Auslandsaufenthaltes erfährt. Das haben wir sogar gespürt, obwohl wir nur einige Tage dort waren.

Wie kann man sich den Schulalltag dort vorstellen?

Matthias: Der Anspruch ist der gleiche, wie auch in Deutschland. Es gibt alle Fächer, wie Mathematik, Deutsch, Biologie, Chemie, usw. In Costa Rica gibt es aber auch Fächer wie Ökologie, in denen man Wichtiges über Umweltschutz und die Natur lernt, denn das wird in Costa Rica sehr groß geschrieben und soll schon früh zu einem umweltbewussten Verhalten führen. Die Schulen in Lateinamerika sind meistens Ganztagsschulen, d.h. morgens um 7 Uhr beginnt der Unterricht und endet erst um 16.00 Uhr. Man geht dort wegen der Hitze so früh zur Schule. An einem Tag waren wir schon richtig früh auf den Beinen und da haben wir gesehen, dass auf den Straßen um 6 Uhr morgens schon richtig viel los war!

Marisa: Nach der Schule finden oftmals AGs oder Kurse statt, die man freiwillig belegen kann. Dazu zählen Theater-AGs, Sportvereine oder musikalische Kurse. Als Schüler besucht man immer dieselbe Schule wie die Gast-Geschwister. Diese liegt selten weit entfernt vom Wohnhaus. Die Schulen an sich sind einfach ausgestattet, in Costa Rica sogar darauf ausgerichtet, dass der Unterricht im Freien stattfindet. Es gibt wunderschöne Gärten mit Sitzplätzen, in denen man auch die Pausen verbringen kann.

Costa Rica: Schulhof

Während eures Besuches, gab es da etwas, was euch besonders beeindruckt oder nachhaltig berührt hat?

Marisa: Ja, ich kann es nur immer wieder betonen: Die unglaubliche Herzlichkeit, Wärme und Gastfreundschaft, auch gegenüber uns Fremden, hat mich sehr beeindruckt. Zum Beispiel hatte jede Gastfamilie für unseren Besuch Kaffee und Kuchen vorbereitet. Eine Familie hat uns sogar, obwohl wir sie gerade erst kennengelernt haben, zu einem Grillfest am gleichen Abend eingeladen.

Argentinien: Grillabend

Die Menschen in Lateinamerika haben viel weniger Geld (in Costa Rica maximal 400 Euro pro Monat ) als wir und man hat den Eindruck, dass sie trotzdem sehr zufrieden sind und sogar dazu bereit, das bisschen, was sie haben, mit ihren Gastkindern zu teilen. Ich glaube auch dadurch, dass den Gastfamilien oftmals die finanziellen Mittel fehlen, um weite Reisen zu unternehmen, versuchen sie durch ihre Gastschüler etwas über die Welt und andere Kulturen zu erfahren.
Bei den Lateinamerikanern ist die Familie der Mittelpunkt, mit starken und engen Beziehungen zueinander. Die Kinder sind sehr an ihre Eltern gebunden und ziehen meist erst nach der Hochzeit aus. Auch die Kommunikation untereinander ist sehr viel ausgeprägter und enger. Mit den Eltern redet man über alle Details, Geschehnisse, Vorhaben, Ideen oder Probleme. Man gibt Bescheid, wo man hingeht, wie lange man bleibt, mit wem man ausgeht, etc. Für uns ist das vielleicht eine Umstellung, doch darf man dieses Verhalten nicht als misstrauische Kontrolle der Gasteltern verstehen, sondern vielmehr als ein liebevolles Umsorgen und Kümmern, welches in der Kultur verwurzelt ist.
Costa Rica und auch Argentinien gehören zu den Schwellenländern, d.h. der Lebensstandard ist nicht vergleichbar mit dem, den wir aus Deutschland gewohnt sind. Die Häuser sind kleiner und die Familien größer. In der Regel gibt es ein Kinderzimmer für alle Jungen und eins für die Mädchen und alle teilen miteinander.

Matthias: Was mich zugleich geschockt aber auch unglaublich berührt hat, war unser Besuch des Freiwilligenprojekts im Altenpflegeheim. Dort wurden Senioren umsorgt, die keine Verwandten oder Freunde mehr hatten, die sich um sie kümmern konnten. Wirklich rührend wurden sie vom Leiter des Seniorenheims, seiner Tochter und seiner Enkeltochter versorgt. Ich glaube, man kann allein von dieser Herzlichkeit, wie sie mit den alten Menschen umgehen, so viel Positives erfahren und mitnehmen. Es ist eine richtige Bereicherung, so etwas zu sehen.

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen und Mühe gemacht habt, meine Fragen zu beantworten! Das war wirklich ein sehr interessantes Gespräch! ;-)

Share this Story

Verwandte Artikel

Hinterlasse einen Kommentar (mind. 10 Zeichen)

Deine E-Mail wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>