Im Alberta Wildlife-Projekt ist es ruhiger geworden. Viele gesund gepflegte Tiere wurden im Herbst in die Freiheit entlassen, sodass sie sich zusammen mit ihren Artgenossen auf den Wintereinbruch vorbereiten können. Doch schon steht ein neues Großprojekt an: Der Umbau des Wildlife-Centers, bei dem die fleißigen Volunteers tatkräftig mit anpacken.

Herbst im Wildlife-Projekt

Kleine Baby-Schwalben, Blue Jays, Stinktiere, Stachelschweine, Biber, Rehkitze, Elch-Babys, Eichhörnchen, unzählige Baby-Enten, große Enten, Gänse, Möwen und jede Menge Greifvögel wie Eulen und Falken. Diese Tiere haben hier zu Beginn meiner Zeit in Kanada meinen Alltag bestimmt. Doch jetzt, fast drei Monate und eine Jahreszeit später, sieht mein Alltag schon ganz anders aus. Jetzt im Herbst wird deutlich spürbar, dass der Winter bevor steht.Eulen in Kanada

Es verfärben sich nicht nur alle Blätter, Büsche und unser Wetland gerade in ein schönes warmes Orange, sondern auch die Tierwelt bereitet sich langsam auf den Winter vor. Das merken wir hier im Wildlife-Center ganz besonders. Von all der Tiervielfalt sind gerade nur noch zwei Fledermäuse, drei Eulen und ein »Hawk« übrig.

Meine Arbeitszeiten haben sich dementsprechend verkürzt und so haben wir hier einen gemütlichen Tag von morgens um acht bis abends um fünf oder sechs Uhr – bis abends um acht habe ich mich schon lange nicht mehr um Patienten gekümmert.

Sind die Tiere gesund genug zum Auswildern?

Da sich hier langsam alle Wildtiere entweder auf den Weg in den Süden machen, Wintervorräte anlegen oder einen Unterschlupf bauen, müssen wir darauf achten, dass alle unsere Patienten, die ausgewildert werden können, auch rechtzeitig wieder ihren angestammten Platz in der Natur einnehmen. Für alle Vögel, die fliegen können und alle Säugetiere, die sich vollständig erholt haben, steht an: Frei lassen, damit ihnen genug Zeit bleibt sich für den Winter vorzubereiten.

Alle anderen, die noch nicht bereit sind für die Freiheit, müssen leider den ganzen Winter mit uns verbringen, auch wenn sie vielleicht schon ein paar Wochen nach Winteranbruch bereit gewesen wären. Doch dann ist es zu spät, denn einen kleinen Vogel, dessen Artgenossen sich schon im Süden befinden, einfach so in den Schnee freizulassen, wäre sein Todesurteil.

Mein Highlight: Wildtiere in die Freiheit entlassen

Seit ein paar Wochen heißt es für unsere Chefin Carol also Tiere einpacken, losfahren und frei lassen. Einpacken und losfahren heißt, sie möglichst wieder da frei lassen, wo sie auch gefunden wurden. Ich selber durfte in dieser Woche auch ein Tier freilassen – einen Red Tail Hawk.

Wildlife Release in KanadaWährend meiner Zeit hier durften wir Freiwillige so einige Tiere wieder in die Freiheit entlassen: Mehrere Tauben, einen »Nighthawk« (hierbei handelt es sich gar nicht um einen Hawk, sondern um einen Singvogel, der aussieht wie einer), jede Menge Baby-Enten, eine Gans, Möwen, Rehkitze, Fledermäuse, ein Eichhörnchen und viele mehr.

Es ist immer wieder ein unglaubliches Gefühl die Tiere freizulassen, zu wissen, dass man ihnen helfen konnte und zu sehen wie glücklich sie sind. Das ist jedes Mal ein sehr schöner, emotionaler Moment für mich und genau der Grund, warum ich hierher kommen wollte.

Umbauprojekt: Neues Wildlife-Center

Trotz der wenigen Patienten wird es im Wildlife-Projekt jedoch nie langweilig. Nur die Art der Arbeit hat sich ein wenig verändert. Morgens arbeite ich natürlich noch mit unseren Tieren, säubere ihre Gehege, gebe ihnen ihre Medizin, Futter und Wasser.

Dann wird draußen an den Umbauten gearbeitet: Aktuell wird das neue Krankenhaus errichtet. Vor ungefähr zwei Wochen kam alles so richtig in Bewegung, als die ersten Bagger mit Ladungen an Steinen, Beton und allem möglichen ankamen.Umbaumaßnahmen im Wildlife-Projekt

Man konnte nicht nur Fortschritte beim Bau sehen, sondern auch wie Carol ein Stein vom Herzen gefallen ist. Jahrelang hat sie Spenden gesammelt, um den Umbau möglich zu machen. Sie ist eine bemerkenswerte Frau, die sich nicht unterkriegen lässt, und man sieht, wie sie für ihren Job und das Wildlife-Center brennt. Nun wird ihre Vorstellung eines neuen Centers langsam Realität und wir Freiwilligen packen tatkräftig mit an.

Anstrengende Arbeiten und tolle Fortschritte

Wir helfen beim Transport von Baumaterial, legen es zurecht, räumen auf und bereiten vor. Durch die vielen Helfer haben wir es geschafft, an zwei Nachmittagen den gesamten »West Wing«, also den ehemaligen Besucherbereich, auszuräumen und alles darin zu sortieren und rauszutragen, damit er bald abgerissen werden kann. So anstrengend das auch manchmal ist, lange und schwere Metallrohre oder andere Dinge herumzutragen, umso schöner ist es danach den Fortschritt zu sehen. Der Grundriss für das neue Krankenhaus steht und die Besucherwege hinter dem Center sind auch langsam erkennbar.

Ich bin schon sehr gespannt, wie das ganz neue Wildlife-Center in zwei Jahren aussieht. Das ist auch definitiv ein Grund für mich, noch einmal hierher zurückzukommen und noch mehr schöne Erinnerungen zu sammeln.

Bis bald,
Eure Denise

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