Zu Tisch in China – Über die chinesische Esskultur

Zu Tisch in China – Über die chinesische Esskultur

Egal ob in einem Restaurant, einem Geschäft oder auf der offenen Straße, das „No spitting“-Sign in China erscheint uns Touristen aus dem Westen absolut absurd. Wir sind ja schließlich nicht beim Zahnarzt oder auf dem Fußballplatz! Und hört man nicht immer, dass gerade im fernen Osten so viel Wert auf Etikette und Regeln zur „Bewahrung seines Gesichts“ gelegt wird? Was die Meisten vermutlich nicht wissen: Das auf die Straße Spucken ist noch ein kulturelles Überbleibsel aus der maoistischen Zeit. Hier also eine kleine Lektion in Sachen chinesischer Esskultur für eure nächste China Reise.

Chinesische Esskultur: No spitting!Copyright: Eric Vernier

No Spitting

Man sitzt in gemütlicher Runde um den gedeckten Tisch, der heiße Tee duftet, das Essen wurde gerade frisch serviert und just in dem Moment, als man voller Vorfreude nach den Stäbchen greift, rotzt der Tischnachbar ungeniert neben sich auf den Fußboden. Ganz klar, appetitlich ist anders! Aber während der gewöhnliche Tourist angewidert die Nase rümpft, scheinen die anwesenden Einheimischen kaum Notiz dieses manierlichen Fauxpas genommen zu haben. Die chinesische Regierung scheint das Ausmaß und die Wirkung dieses feuchten Problems allerdings erkannt zu haben: Im Zuge der Olympischen Spiele wurde 2008 schließlich versucht dieses Phänomen einzudämmen, da man wohl feststellen musste, dass man sich im Ausland bereits über die scharmlose Rotzerei pikierte. Die Lösung: das „No spitting“-Sign.

Aber warum rotzen die Chinesen überhaupt so viel? Und so ungeniert? – Dazu gibt es zwei Theorien. Zugegebenermaßen, die eine weitaus mehr verbreitet und auf den ersten Blick vermutlich einleuchtender, die zweite Theorie überzeugt dafür mit einem tiefst psychologischen und historischen Hintergrund.

Theorie Nr. 1 ist simpel: China ist dreckig! Immer wieder liest und hört man von der schlimmen Luftverschmutzung, vor allem in den Städten. In Peking überschreitet die gemessene Menge an Feinstaub, der über die Lunge direkt ins Blut gelangen kann, das 20-fache des empfohlenen Richtwertes. Oft wird daher vor allem Kindern, kranken und alten Leuten empfohlen, das Haus erst gar nicht zu verlassen. Und natürlich will der Körper diesen ganzen Schmutz, der sich in den Atemwegen ansammelt, auch irgendwie wieder loswerden. Das Spucken dient also gewissermaßen der inneren Reinigung. Und natürlich lässt sich von niemand verlangen, dieses scheußliche Gemisch hinunterzuschlucken, allerdings bleibt doch die Frage offen, wieso sich die Leute nicht einfach in ein Taschentuch entledigen können?

Hier kommt die zweite Theorie ins Spiel: Das Spucken ist, neben ein paar anderen Verhaltensweisen, ein Überbleibsel aus der maoistischen Zeit.

Chinesische Esskultur: Schmatzen erlaubt

Mao Zedong verfolgte während seiner Regierungszeit in China eine kommunistische Politik, wo sich nur die Leute nicht verdächtig machten, die sich möglichst „proletarisch“ – also wie die unterste Bürgerschicht – verhielten. Diese Verhaltensweisen wieder abzulegen, fällt natürlich vielen Menschen schwer. Das Spucken geschieht also viel mehr aus einer Macht der Gewohnheit heraus, die über die Generationen weitergegeben wurde. Man kann darüber streiten, welche der beiden Theorien nun der absoluten Wahrheit entspricht; wie so oft ist es vermutlich eine Mischung aus beiden…

Sitten und Bräuche

Nun aber zu noch ein paar anderen kulturellen Sitten, die China von Deutschland unterscheiden: Gerade was die chinesische Esskultur angeht, gibt es da noch einiges zu erwähnen. Wo sich die beiden Länder jedoch nicht unterscheiden, im Punkto Pünktlichkeit. Auch in China gehört es zum guten Umgang, bei einer Einladung pünktlich zu erscheinen. Bringt ihr den Gastgebern ein kleines Geschenk mit – was ihr unbedingt tun solltet – verzichtet besser auf Blumen! Die verschenkt man in China nämlich eigentlich nur zu Beerdigungen. Gerne dürft ihr euer Mitbringsel in rote Verpackung hüllen, Rot gilt dort nämlich als die Farbe des Glücks.
Nur Vorsicht: Bitte nicht zusätzlich noch zum roten Stabilo greifen! – Rote Schrift bedeutet nämlich wiederum, dass man den Kontakt zum Empfänger abbrechen möchte. Seid auch bitte nicht enttäuscht, wenn der Beschenkte das Präsent nicht sofort an Ort und Stelle auspackt. Der wohlerzogene Chinese wartet mit der Bescherung bis nach dem Essen, bzw. der Festlichkeit oder bisweilen sogar bis zum nächsten Tag.

Chinesische Esskultur: Lokale Köstlichkeiten

Nachdem die Überreichung des Geschenks geglückt ist – ach ja, beim Eintreten in die Wohnung Schuhe ausziehen nicht vergessen! – sitzt man also endlich am reich gedeckten Tisch. Egal, wie oft der Gastgeber euch auffordern sollte doch bitte anzufangen, gegessen wird eigentlich erst, nachdem der Hausherr begonnen hat. Und während wir Europäer (vor allem im Hinblick auf drohendes schlechtes Wetter am nächsten Tag) stets bemüht sind, das Essen restlos zu verspeisen, gilt es in China als Blamage für den Gastgeber, wenn die Teller und Schüsseln am Ende des Abends leergeputzt sind. Das würde nämlich signalisieren, dass den Gästen nicht genug an Speis und Trank geboten wurde.

Auch während des Essens gibt es ein paar Gepflogenheiten, die dem einen oder anderen eventuell ein wenig suspekt erscheinen mögen. Dass der Genuss des Essens gerne durch lautes Schmatzen und Schlürfen zum Ausdruck gebracht werden darf, ist den Meisten vermutlich bekannt. Auch mit vollem Mund zu sprechen oder während des Speisens eine Zigarette zu rauchen, ist völlig in Ordnung. Da verwundert es jedoch, dass es wiederum verpönt ist, zu Tisch seine Nase zu putzen. Unter absolut keinem Umstand solltet ihr außerdem eure Stäbchen während einer kleinen Verschnaufpause in den Reis stecken, sodass sie stehen bleiben, da dies ein Symbol für den Tod ist und daher als böses Omen gedeutet werden könnte.

Chinesische Esskultur: Immer brav nicht aufessen!

Wird beim Essen schließlich Obst aufgetischt, ist dies ein Zeichen dafür, dass der Abend zur Neige geht. Die Gäste erheben sich nun vom Tisch und bedanken sich brav für Speis und Trank. Und der Gastgeber wird es euch bestimmt danken, wenn ihr die Heimreise antretet, ohne ihm vorher nochmal ordentlich auf den Boden zu rotzen ;-)

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