Annie, die Gewinnerin unseres »Kiwi-Clip-Contest«, genießt weiterhin ihre Zeit in Neuseeland. Nach ihrer Reise mit dem Stray-Bus ist sie neuerdings auch Expertin für »Dead Alpacas«. Was das genau heißt, erfahrt ihr im folgenden Blogpost, in dem Annie von ihrem Job auf einer neuseeländischen Alpaka-Farm erzählt, der mit Sicherheit ein einmaliges Erlebnis war. Als Model für Mode aus Alpaka-Wolle posiert man ja auch nicht alle Tage.

Ich habe während meines Aufenthaltes auf der Farm für mich persönlich viel gelernt.

Meine kleine (Alpaka-)Farm

Die Farm, die für mich ausgesucht wurde, ist eine Alpaka-Farm mit rund 200 Alpakas, einigen Kühen und Hühnern. Der Farmer und seine Frau stellen aus der Alpaka-Wolle Mützen, Schals, Handschuhe, Socken, Pullover und vieles mehr her und verkaufen diese an den Besuchertagen im Shop in der Scheune. Alpakas sind übrigens die nächst kleineren Verwandten von Lamas in der Gattung der Kamele und ja, sie sehen manchmal etwas dümmlich aus, sind aber sehr liebenswert :-)

Die Farm liegt ziemlich abgelegen auf South Head, einer Landzunge, die im Osten vom Kaipara Harbour und im Westen von der Tasman Sea umgeben ist. Der nächste Ort ist etwa 25 Kilometer entfernt und man ist schon auf einen Jeep angewiesen, um von A nach B zu kommen, weil da oben keine Busse fahren.Annie und Alpakas

Auf der Farm selbst habe ich in einem eigenen kleinen Ferienhaus auf dem Gelände neben der Scheune gewohnt. In dem Ferienhaus wohnen normalerweise B’n’B-Gäste, andere Farmhelfer oder Praktikanten und es war ziemlich cool, sein eigenes Haus zu haben, wo man sich auch mal zurückziehen konnte. Da eines der Gehege direkt an das Ferienhaus grenzt, guckten mir auch öfters mal interessierte Alpakas durchs Fenster beim Frühstück zu.

Mein Arbeitsalltag auf der Farm

Mein Arbeitstag begann jeden Morgen um 8 Uhr und im Schnitt habe ich täglich um die 6 Stunden gearbeitet. Die Aufgaben, die ich zu erledigen hatte, waren sehr vielfältig und die Arbeit wurde nie langweilig. Ich habe zum Beispiel häufig beim Scheren der Alpakas geholfen. Dazu werden die Alpakas, die bis zu 80 Kilo wiegen können, auf einen Spezialtisch gehievt und an den Beinen festgebunden.

Es ist wichtig, dass die gute von der schlechten Wolle direkt beim Scheren getrennt wird, was ich nach einigen Stunden Arbeit dann auch drauf hatte. Der Kopf der Tiere muss während des Scherens festgehalten werden, da viele Alpakas schnell nervös werden, Panik bekommen und ausrasten.Alpakas in Neuseeland

Nicht selten wurden wir von wütenden Alpakas angespuckt oder getreten, aber bis auf ein paar blaue Flecken und Kratzer ist nie etwas Schlimmeres passiert. Man darf keine Angst vor den Tieren haben und muss auch mal fester zupacken können, womit ich zum Glück keine Probleme hatte und deswegen auch immer verantwortungsvollere Aufgaben bekam.

Gleich an meinem zweiten Tag auf der Farm gab es Komplikationen mit einer Alpaka-Geburt, und da außer dem Farmer und mir niemand da war, habe ich dann geholfen, das steckengebliebene Alpaka-Baby aus der Alpaka-Mutter herauszuziehen und das Neugeborene zu versorgen. Das war ziemlich dramatisch, weil Mutter und Baby auch hätten sterben können – es geht ihnen jetzt aber gut und ich hätte nicht damit gerechnet, so etwas gleich am zweiten Tag zu erleben. Es hat mich aber im Nachhinein gut für die nächsten Wochen abgehärtet.

Arbeitsalltag auf der Farm

Sobald ich mir einen Überblick über Scheunen, Gehege und Weiden des fast 100 Hektar großen Farmgeländes verschafft hatte, habe ich verschiedene Alpaka- oder Kuhherden umhergetrieben, bin mit dem Farm-Bike (einem Quad) herumgefahren um Unkraut zu besprühen oder habe vom Traktor aus Futter an die Tiere verteilt.

Alpaka-WolleRegelmäßig haben die Alpakas und Kälbchen verschiedene Spritzen mit Vitaminen oder Impfungen bekommen und meine Aufgabe war es, die Spritzen aufzufüllen und die Alpakas festzuhalten. Häufig kamen auch Besuchergruppen an regelmäßigen »Open Farm Days« auf die Farm und informierten sich über Alpakas, die Verarbeitung der Wolle und die Produkte. Hier habe ich dann als »Model« die verschiedenen Kleidungsstücke aus Alpaka-Wolle präsentiert, im Shop gearbeitet und die Besucher über das Gelände geführt.

Meine Lieblingsaufgabe war das sogenannte »halter-training«, das ich komplett alleine organisieren und durchführen durfte. Dazu habe ich einer Gruppe von 10 jungen, störrischen Alpakas Halfter angelegt und sie der Reihe nach trainiert, an der Leine zu gehen. Das klingt einfacher, als es ist. Die Alpakas kicken und spucken um sich und versuchen alles, um Halfter und Leine (und den Menschen) loszuwerden. Viele schmeißen sich auch theatralisch auf den Boden und spielen »dead alpaca«, wo man dann seine gute Mühe damit hat, das Tier wieder zum Aufstehen zu bewegen. Das ist zwar nervig, aber auch ziemlich witzig.

Wenn es mal keine Arbeit mit den Tieren gab, habe ich Garten- und Hausarbeit für die Frau des Farmers erledigt oder ab und zu auch im Nähzimmer angefallene kleine Arbeiten gemacht. Sie hat mich auch manchmal mit dem Auto mitgenommen, wenn sie mit ihrer Freundin laufen war und so konnte ich die Umgebung erkunden.Alpakas fuettern per Traktor

Schwerer Anfang – Schönes Ende

Es dauerte eine Weile, bis ich mich eingelebt hatte. Die ersten paar Tage war ich auch unsicher, ob die Farm das richtige für mich ist. Es ist immer schwer, sich in eine neue Arbeitsumgebung einzuarbeiten. Anfangs ist man einfach unsicher und da Farmer generell (nicht nur in Neuseeland) wenig Feedback geben, weiß man nie, ob man die Arbeit richtig macht oder nicht. Nach ein paar Tagen hatte ich mich aber sehr gut eingearbeitet und der Farmer und seine Frau waren aber beide zufrieden mit mir, weswegen ich auch länger geblieben bin, als ich eigentlich geplant hatte. Auch zu einer Grillparty vom Alpaka-Tierarzt und zu einem Fußballspiel im Albany-Stadion (Neuseeland gegen Australien) haben sie mich mitgenommen.

Ich habe während meines Aufenthaltes auf der Farm für mich persönlich viel gelernt. Nicht nur, wie man Alpakas schert und impft, sondern auch, dass es sich lohnt, durchzuhalten. Die letzten zwei Wochen auf der Farm waren einfach schön und die Frau des Farmers hat mir einen traumhaften neuen Job vermittelt, über den ich dann im nächsten Blogpost berichten werde ;-).

Eure Annie

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1 KOMMENTAR

  1. Hi Annie,
    wir waren auch viele Wochen bei Hans und Chris. Als Urlauber BnB, dann Housesitting bzw. Farmsitting, und letztendlich als „Farmmitarbeiter“ :-)
    Abgereist sind wir als beste Freunde. Hans und Chris haben uns 2015 in Bayern besucht und werden dies sicher die nächsten 1-2 Jahre wieder machen. Dir eine gute Zeit.
    Liebe Grüße Susanne

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