Anja in Kanada #4: Es scheint die Sonne – Tag und Nacht

Anja in Kanada #4: Es scheint die Sonne – Tag und Nacht

Sonnenlicht mitten in der Nacht? Leere Supermarkregale dank Straßensperrungen? In Deutschland kaum vorstellbar, aber in Inuvik – im Norden Kanadas – an der Tagesordnung. Anja hat während ihrer Freiwilligenarbeit ihre eigene Taktik entwickelt, mit den doch etwas anderen Umständen umzugehen…

Sonnenschein zu Mitternacht?

Inuvik liegt in der Nähe der Grenze zu Alaska, ganz im Norden Kanadas, beinahe an der Küste des arktischen Ozeans und ein gutes Stück oberhalb des nördlichen Polarkreises. Auf Grund dieser sehr nördlichen Lage Inuviks geht die Sonne zwischen den Monaten Juli und August nicht unter. Bereits vor meiner Volunteer-Reise nach Kanada war mir bewusst, dass es Tag und Nacht hell sein wird. Aber wenn man es nicht selbst erlebt hat, glaubt man noch nicht richtig daran.

Man muss sich zu helfen wissen…

Um nachts gut schlafen zu können, besorgte ich mir eine Augenmaske und deckte zusätzlich die Fenster mit Decken ab. So schlief ich dank der anstrengenden Arbeit am Tag und der künstlichen Dunkelheit im Schlafzimmer sehr gut.

Es war aber trotzdem komisch, die Sonne am Himmel zu sehen, wenn man um Mitternacht aus dem Pub kam. Auch wenn man um 22:00 Uhr das Badehaus verließ und die 200m bis zum Schlafhäuschen lief, war es hell. Die Stimmung am Himmel glich jener um 8:00 Uhr morgens. Weil es tagsüber viel zu tun gab, war ich abends immer ziemlich müde, was mir sehr wahrscheinlich das Einschlafen vereinfachte. Als es dann Mitte August um 2:00 Uhr nachts leicht zu dämmern begann, glaubte man wieder an das einstige Untergehen der Sonne…

Im Dunkeln tappen von Dezember bis Januar

Während die Sonne in manchen Monaten gar nicht untergeht, verschwindet sie im Dezember ganz und taucht erst Mitte Januar wieder auf. Judi, meine Chefin, hat mir erzählt, dass auf Grund des fehlenden Sonnenlichts der menschliche Hormonhaushalt durcheinander gebracht wird. Wenn es nun in Inuvik ständig dunkel ist, wird zu viel Melatonin ausgeschüttet, was ständige Müdigkeit zur Folge hat. Menschen, die sensibel darauf reagieren, können dadurch depressiv werden. Eine Lehrerin aus dem Dorf erklärte mir, dass im Winter besonders viele Indoor-Tätigkeiten organisiert werden.

Von Straßensperrungen und Permafrost

Die Versorgung mit Lebensmitteln ist ein spezielles Thema in Inuvik. Sämtliche Produkte sowie Frischware werden mit riesigen Trucks 800 km über den Dempster Highway transportiert. Da die Straße nur aus festgedrückter Erde besteht und nicht asphaltiert ist, kommt es nicht selten vor, dass sie zum Beispiel bei Überschwemmungen über Wochen gesperrt ist. Ich habe eine solche Sperrung der Straße wegen Überschwemmungen miterlebt. Dies hatte nicht nur zur Folge, dass sich die Regale im Supermarkt langsam leer präsentierten, sondern zwang auch unsere Übernachtungsgäste auf der Ranch eine ganze Woche länger zu bleiben. Sie waren mit Wohnwagen unterwegs und durften die Straße nicht befahren.

Die Logistik nach Inuvik stellt eine große Herausforderung dar und gerade für Lebensmittel hat eine Sperrung des Dempsey Highways verheerende Folgen. Die Ware wird im stehenden Lastwagen schlecht und kann nicht mehr verkauft werden. Es gehört ebenfalls zur Normalität, dass die Bananen oder allgemein die Frischwaren wie Gemüse und Früchte schon sehr reif im Regal des Supermarktes liegen. Darum griff ich vermehrt auf gefrorenes Gemüse zurück.

In Inuvik kann nichts angepflanzt werden. Keine Kartoffel, keine Karotte würde in Inuvik wachsen. Dies ist auf den Permafrost zurückzuführen. Denn der Boden ist permanent gefroren und so kann kein Gemüse sprießen. Es gibt ein kleines Gewächshaus, in dem einige Blumen angepflanzt werden. Für Gemüse und Früchte würde diese Haus jedoch nicht reichen.

Bis bald,
Eure Anja

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About Anja

Anja

Anja ist 19 Jahre alt und kommt aus der Schweiz. Gleich nach ihrem Schulabschluss, stieg sie in den Flieger nach Kanada, um im Rahmen ihrer Freiwilligenarbeit zwei Monate in der Arktis zu verbringen. In den kommenden Wochen wird Anja uns regelmäßig von ihrer Arbeit im Husky Arctic-Projekt berichten.


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