Miriam in Paraguay #6: Das perfekte Souvenir

Miriam in Paraguay #6: Das perfekte Souvenir

Heute ist unsere Gastautorin Miriam Blaimer auf Entdeckungstour durch die Kunsthandwerks-Szene von Asunción. Im sechsten Teil ihrer Gastartikelserie gibt sie uns ihre Tipps für das perfekte Souvenir aus Paraguay…

EIn ñandutí aus ParaguayAuch wenn es nicht unbedingt an jedes europäische Ohr dringt – Paraguay hat im Bereich der Künste doch einiges zu bieten. Neben den Holzschnitzereien der Indios genießt auch Musikintrumente wie die paraguayische Harfe besondere Bewunderung. Sie ist komplett aus Holz gebaut, dementsprechend relativ leicht, hat keine Pedale und besitzt 36 Saiten. Letzteres allerdings noch nicht allzu lange, denn erst im 20. Jahrhundert fügte Félix Pérez Cardozo dem Instrument vier Saiten hinzu, um das berühmte Stück „Pajaro Campana“ (Vogel auf dem Feld) spielen zu können.

Das populärste Instrument in Paraguay ist jedoch die Gitarre, wobei es eine Hand voll Kompositionen für Solo- sowie für Konzertgitarre gibt. Die angesehensten unter den paraguayischen Komponisten heißen Augustin Pio Barrios, Felipe Sosa und Efrem Echeverria. Außerdem ist die Gitarre wichtig für die Volksmusik, entweder wird eine polka oder guarania gespielt. Die Musiker kleiden sich dabei in traditionelle, kunstvoll verzierte Baumwollhemden, in Guaraní: ao po’í. Passend dazu gibt es noch eine ähnliche Art von zeitaufwändiger Klöppelarbeit, die ñandutí, zu Deutsch Spinnennetz, genannt wird, weil die Fäden rund verlaufen. Alles wird von Hand gefertigt und je feiner, desto teurer die Ware. Und so wie jedes Kunsthandwerk hier seine traditionelle Adresse hat, ist Itauguá der Ort Paraguays, der besonders für die Herstellung des ñandutí bekannt ist.
EIn ñandutí aus ParaguayMan muss sich aber gar nicht so weit vom Stadtzentrum Asuncións entfernen, um einer typischen Handwerkskunst zu begegnen. Mit dem Bus ca. 50 Minuten in Richtung Flughafen gefahren, landet man in einem Vorort von Asunción, der Luque heißt. Diese Stadt hat ihre eigene Spezialität: die Kunst der filigrana. Das ist Silberschmuck und -dekoration in einer Technik hergestellt, die feinste Silberfäden benutzt, um Ringe, Ohrringe, Broschen, Armbänder und Ketten zu verzieren. Um diesen Schmuck zu kreieren, benötigt ein Juwelier eine spezielle Ausbildung und viel Übung, Übung, Übung. Leider wird den Künstlern trotzdem wenig bezahlt für ihre Arbeit und die meisten haben nicht einmal ihr eigenes Geschäft, sondern verkaufen ihre Sachen an die Läden weiter. Die Silberfäden selbst sind wegen der geringen Menge an Material leicht und somit nicht sehr teuer. So lässt sich erklären, warum man ein schönes Schmuckstück in Luque relativ günstig erwerben kann. Die filigrana eignet sich deshalb perfekt als Geschenk. Viele Paraguayer kommen extra in die Av. General Aquino (die einfachheitshalber Av. de los Joyeros genannt wird), um sich entweder aus einem der unzähligen Läden etwas auszusuchen oder in den Seitenstraßen einen Juwelier für etwas Bestimmtes zu beauftragen. Außer dem Silber an sich werden natürlich auch Tereré-Becher oder Schreibwaren mit filigrana verziert. Jedes Jahr Anfang September findet in Luque ein Festival statt, zu dem jede Menge Schmuck-, Leder- und Holzkunst ausgestellt wird.

Anekdoten aus Paraguay: Guampas

Ich hatte kürzlich das Glück, mit einem joyero höchstpersönlich bei einem Tereré über seine Arbeit sprechen zu können – jetzt, nachdem mein Spanisch einen vernünftigen Level erreicht hat. ;) Sein Geschäft liegt in einer der Seitenstraßen und ist bekannt für etwas alternative Anfertigungen, die sich nicht unbedingt mit den typischen Motiven decken. Das liegt bestimmt daran, dass der Juwelier schon einer jüngeren Generation angehört, er ist noch nicht einmal 40 Jahre alt. Nachdem ich nach ein bisschen Augengymnastik sein Eingangsschild endlich entdeckt hatte und in dem kleinen Lädchen stand, fielen mir sofort seine Arbeitstische auf. Zwar gab es eine große Glasvitrine in der Mitte und eine kleinere auf der Seite des Raumes mit all dem Schmuck, so wie in den anderen Geschäften auch, aber an der hinteren Wand standen zwei rustikale, kleine Holztische, mit Höckerchen davor und – ganz wichtig – einer hellen Lampe ausgestattet.

Anekdoten aus Paraguay: ArbeitstischAn einem der Tische saß auch schon Herr Juwelier Senior, sein Vater, der gerade an einem Ring arbeitete. Das gefiel mir sofort. Wie oft weiß man heutzutage noch, wo die Sachen herkommen, die man kauft? Und dem Herrn konnte ich sogar noch bei der Arbeit zusehen. Der joyero meinte, er wünschte sich sehr, dass sich die Kunst der filigrana in den nächsten Jahren nicht verliere, weil die Paraguayer zwar gerne den Schmuck verkaufen, es aber immer weniger Kunsthandwerker gäbe, die die Waren herstellen wollen bzw. können. Sein persönlicher Traum wäre es, ein Institut zu Kunst, Geschichte und Design der Silberkunst zu eröffnen. Aber leider ist er sich seiner Lage sehr wohl bewusst, der ärmlichen Gegend, in der er lebt und der Ignoranz der meisten Paraguayer gegenüber seiner Arbeit. Aber mit den Ausländern, besonders den Deutschen, hätte er schon immer Glück gehabt, schmunzelte er. Die wertschätzen, was er tagtäglich mache und interessieren sich für seine Passion, stellen ihm Fragen. Zum Glück ist er selbst ebenfalls ein sehr offener und wissbegieriger Mensch, löcherte auch mich mit allen erdenklichen Fragen. Und als wir uns am Ende verabschiedeten, schämte er sich, nicht einmal ein kleines Motorrad zu besitzen, um mich wieder in die Stadt bringen zu können.

Anekdoten aus Paraguay: Schmuck

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