Miriam in Paraguay #4: „GOOOOL!!!“

Miriam in Paraguay #4: „GOOOOL!!!“

Miriam Blaimer, die derzeit in Paraguay ist, hat sich nun soweit eingelebt und Zeit gehabt, die Kultur der Paraguayer genauer unter die Lupe zu nehmen. In ihrem vierten Bericht ihrer Gastartikelserie berichtet sie von der Freizeitgestaltung der temperamentvollen Bewohner des südamerikanischen Landes: Was die Freizeitgestaltung betrifft, haben die Paraguayer natürlich unterschiedliche Auffassungen von Vergnügen und Spaß, doch gibt es einige Hobbies, Events und Veranstaltungen, die fast alle Paraguayer gleichermaßen interessieren und  begeistern.

Freiwilligenarbeit: Traditioneller Tanz der Paraguayer von embajada-argentina.org.py

Allem voran geht zweifelsohne der Fußball. Spätestens wenn in Paraguay die zwei Erzrivalen Olimpia und Cerro Porteno gegeneinander spielen, dann sitzt jeder, der es sich leisten kann, im Stadion und das restliche Volk entweder Zuhause vor dem Fernseher oder in einer bodega, einer Bar, und fiebert leidenschaftlich mit. Kürzlich beobachtete ich das Prozedere im Stadion: die beiden Anhängergruppen bringen jeweils ihre Fahnen mit und sobald alle Trommler versammelt sind, wird los gesungen, das gesamte Spiel und die Pause durch. Abgelöst werden die Gesänge nur durch Schimpfwörter, die ich hier lieber nicht nenne. Nachdem eines der Teams gewonnen hat, fahren Autokolonnen, laut hupend durch die Straßen wie in Deutschland zu WM-Zeiten. Einige Fans lassen sich auch das Wappen ‚ihrer‘ Mannschaft als Tattoo stechen, zum Zeichen ihrer Zugehörigkeit. Auch ich werde des Öfteren gefragt: ‚Für welches Team bist du?‘, und wenn ich ‚Keines.‘ antworte, blickt mir ein fragendes Gesicht entgegen.

Freiwilligenarbeit: Fussballspiel in Paraguay "Olimpia vs Cerro"

Ich habe bisher von keiner anderen Sportart gehört, die so umfangreich praktiziert und bejubelt wird. Da ich an einer mennonitischen Schule arbeite, weiß ich aber, dass die deutschen Kolonien ziemlich gerne Volleyball spielen. Auch von der Gemeinde der Schule gibt es ein Männer- und ein Frauenteam, die sich mehrmals die Woche zum Training treffen. Letztes Wochenende fand schließlich der Vorentscheid zum großen ‚Intercolonial‚-Jahresturnier statt. Dazu traten die besten Mannschaften von Südostparaguay in Tres Palmas an. Je fünf Männer- und Frauenmannschaften spielten gegeneinander, und die Sieger sowie Zweitplatzierten in den beiden Kategorien dürfen nun im Juli an dem finalen Turnier in der Kolonie Volendam zusammen mit Mannschaften aus dem Chaco (Nord-/Westparaguay) teilnehmen. Diese Turniere haben eine lange Tradition und Freunde und Familie reisen zum Anfeuern mit.

Freiwilligenarbeit: Volleyballmannschaft "Volley Concordia" in Tres Palmas

Abgesehen vom Sport haben die Paraguayer auch andere Hobbys. Natürlich trifft man sich gerne zum Shoppen, entweder in einer der eher teuren Shopping Malls, die sich im Moment in Asunción etablieren, im ‚alten‘ Stadtzentrum oder auf dem Mercado 4, einem Basar-ähnlichen Markt. Man geht gerne ins Kino und abends in Bars und Clubs. Ab und zu gibt es in der Banco Central auch klassische Konzerte des Orquesta Sinfónica del Congreso Nacional, die gratis sind. Manchmal finden auch große Konzerte internationaler Stars statt, die freudig erwartet werden. Beispielsweise waren dieses Jahr schon The Killers da und bald wird Paramore ein Konzert geben. Traditionelle Tanzabende werden im Kleinen gehalten und sind eher auf dem Land populär. Leider gibt es kein festes Theaterhaus in Paraguay, was ich sehr schade finde. Stattdessen gibt es kleinere Kulturinstitute wie das Juan de Salazar oder das Centro Paraguayo-Japonés, die zu besonderen Anlässen Theaterstücke aufführen.

Was natürlich alle Paraguayer gemein haben, ist die Esskultur. Egal ob jung oder alt, arm oder reich, jeder mag empanadas – Teigtaschen, die verschieden gefüllt sind. Am beliebtesten sind empanadas mit carne, also mit Hackfleisch, Zwiebeln, Kräutern und Eiern sowie empanadas mit jamón y queso, mit Schinken und Käse. Man kann sie in jeder Bar und an vielen Straßenecken kaufen (und übrigens auch ganz leicht selbst machen). Für den Sonntag besonders beliebt ist das asado, das Grillen von Fleisch, für das man sich in der Familie oder mit Nachbarn trifft. Als Beilage dienen mandi-o chyryry, frittierte Mandioka und sopa paraguaya oder chipa guasú, eine Art Maisbrot. Lieblingsspeise der Kinder ist milanesa, frittiertes Fleisch vom Rind, Huhn oder Schwein, das es auch, wie die Kroketten, als bocaditos, als kleine Häppchen, gibt. Im Winter ist eine traditionelle Speise das mbeju aus der guaraní-Kultur sehr beliebt, das auf den ersten Blick wie ein Pfannkuchen aussieht. Der Teig enthält aber Maniokamehl und queso paraguay, und mit ein bisschen Milch und Butter brät man es in der Pfanne. Und schließlich gibt es die berühmte chipa, das Käsebrot, das von den sog. chiperas auf der Straße verkauft wird und das Paraguay stolz auf seine Postkarten druckt.

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