Miriam in Paraguay #3: Ab in den Süden

Miriam in Paraguay #3: Ab in den Süden

Nun folgt der dritte Teil von Miriam Blaimers Gastartikelserie über ihren Aufenthalt in Paraguay: Wegen eines Brückentages der Schule und den darauf folgenden Unabhängigkeitsfeierlichkeiten, die übrigens trotz Regen und Sturzbächen auf den Straßen Asuncións stattfanden, ergab sich für mich ein verlängertes Wochenende. Diese Gelegenheit nutzte ich natürlich, um zusammen mit einer anderen Freiwilligen endlich nach Encarnación zu reisen.

Lateinamerika: Küstenabschnitt in EncarnaciónDorthin fährt man am besten über Nacht mit dem Bus. In Paraguay generell ist der Bus das gängige öffentliche Verkehrsmittel – weil es nichts anderes gibt und es billig ist. Die Einheimischen sind zwar stolz darauf, die erste Zugstrecke Lateinamerikas besessen zu haben, aber die existiert komischerweise schon länger nicht mehr. Deshalb fahren Busse stunden-, manchmal tagelang bis nach Buenos Aires, nach Chile, nach Uruguay, Bolivien… zum Glück sind diese im Gegensatz zu den Stadtbussen eher auf ‚europäischem‘ Niveau und man kann für einen Aufpreis sogar einen cama-Sitz buchen, den man in eine 180°-Liegeposition stellen kann. Für uns reichte bis nach Encarnación ein semi-cama. Die Stadt wird übrigens auch ‚Perle des Südens‘ genannt und ist als Grenzstadt zu Argentinien handelstechnisch eine der wichtigsten Städte Paraguays. Was das touristische Interesse betrifft, gibt es zum einen eine fertig ausgebaute costanera, also Küstenstraße. Neben ihr wurde Sand aufgeschüttet, sodass man sich wie am Meer fühlt. Der Paraná-Fluss ist an dieser Stelle nämlich sehr breit. Zum anderen besteht das ungeschriebene Gesetz, dass in Encarnación der beste carnaval des Landes gefeiert wird. Angeblich sind die Hotels Wochen vorher schon ausgebucht. Das restliche Jahr, also auch als wir dort waren, ist nicht recht viel los. Encarnación eignet sich besser als Ausgangspunkt für Unternehmungen in die Umgebung.

Lateinamerika: Küstenabschnitt in Encarnación

Da es leider viel Herbstregen gab, konnten wir nicht alle Tage vollständig nutzen. Immerhin gelangten wir zu den Jesuiten-Ruinen von Santísima Trinidad  del Paraná und Jesús de Tavarangue, kurz Trinidad y Jesús. Sie sind so in etwa das Nummer 1 Touristenziel, das Paraguay zu bieten hat. Allerdings eher im Sommer und erst recht nicht, wenn es wie im Moment kalt und grau ist. Also hatten wir das Glück, dass wir sozusagen ungestört herumgehen und Fotos machen konnten. Die Überreste von Trinidad y Jesús sind zwei von den 30 Jesuiten-Missionen, die in ganz Paraguay im 17./18. Jahrhundert erbaut wurden, um die Eingeborenen zu evangelisieren und auszubilden. In ihnen lebten und lehrten hochgebildete Priester. Ihnen ist es zu verdanken, dass u.a. die Eingeborenensprache Guaraní  die spanische Kolonialherrschaft überlebt hat. Anders als die Franziskaner aber grenzten sich die Jesuiten mehr von den spanischen Einwanderern ab, was letztendlich 1767 dazu führte, dass der spanische König die Jesuiten-Missionen verbot und aus der Gesellschaft verbannte. Heute sind diese zwei Missionen UNESCO Weltkulturerbe. Von den damaligen Gebäuden sind in Trinidad noch Teile der Schlafhäuser der Eingeborenen (Indios) erhalten, eine kleine und eine große Kirche (iglesia mayor), ein Friedhof (cementerio), das Klostergebäude der Priester (claustro) und ein Turm (campanario). In Jesús steht nur noch die Kirche, aber dafür ist diese um einiges größer, und wurde in Teilen rekonstruiert. Man kann sich so noch besser vorstellen, wie es wohl mal ausgesehen hat. Die Distanz zwischen Trinidad und Jesús beträgt ca. 12 Kilometer, die wir insgesamt zu fünft in einem mototaxi für vier überbrückten. Man kann auch einen Bus nehmen oder ein normales Taxi, aber das mototaxi -Abenteuer lohnt sich auf alle Fälle. Es sieht fast aus wie eines dieser Golfgefährte, nur müssen sie ein bisschen mehr aushalten. Aber so sitzt man nun mal an der frischen Luft und kann zusammengequetscht auf den kleinen Sitzbänken über die grünen Hügel tuckern.

Sehenswürdigkeiten in Paraguay: Trinidad y Jesús in Encarnación

Wenn man mit dem normalen Bus nach Trinidad noch ein Stück weiter fährt, gelangt man zu den Colonias Unidas, den drei deutschstämmigen Kolonien in Itapúa. In dieser Region herrscht eine rege Lebensmittelproduktion, und auf fünf Plantagen bauen Firmen ihr Yerba Mate an. Eine dieser Städte, Bella Vista, hat deshalb 1992 den Beinamen Yerba-Mate-Hauptstadt verliehen bekommen und jährlich wird der Tag des Yerba Mate gefeiert. Also wurden wir neugierig, wie denn nun dieses Yerba Mate genau hergestellt wird, das der Paraguayer jeden Tag in seine guampa schüttet. Deswegen besichtigten wir die ortsansässige Firma Pajarito, bei der uns zur Begrüßung erst mal ein Mate Cocido überreicht wurde. Dann konnten wir durch einen Film beobachten, wie der Herstellungsprozess abläuft: Die kleinen Yerba-Pflänzchen werden erst ein Jahr im Gewächshaus angebaut, bevor man sie aufs Feld verpflanzt, bis die Pflanze nach etwa sieben Jahren zum ersten Mal ‚reif‘ ist für die Ernte.

Lateinamerika: Ernte des Yerba Mate

Die findet immer im Herbst statt. Nachdem die Zweige mit den Blättern von Hand gepflückt wurden, werden sie in eine Halle gebracht, wo man sie durch heiße Luft zuerst einmal ein Jahr lang trocknet. Erst danach wird die Ernte weiterverarbeitet. Ein Teil der Schösslinge wird entfernt, das Yerba darf am Ende nur 30% Schösslinge enthalten. Der Rest wird nun zerkleinert und dann weiterverarbeitet, je nachdem was das Endprodukt ergeben soll. Am häufigsten gibt das natürlich das traditionelle Yerba Mate, sowie durch Hinzufügen von Kräutern Yerba Mate mit Geschmack (beliebt sind Menta oder Limón). Außerdem gibt es noch Cocido Soluble, also Yerba in Pulverform, das man mit Wasser und Zucker aufgießt, und besonders viel nach Japan exportiert wird. Nun wussten wir also über die Herstellung Bescheid, es fehlte uns nur noch die richtige Art und Weise, es zu konsumieren. Auch das wurde erklärt. Wer Tereré trinken will, also Yerba mit kaltem Wasser, schüttet zunächst Yerba in den metallenen Becher (guampa), bis dieser zu 2/3 voll ist. Dann legt man eine Handfläche auf die Öffnung und schüttelt erst mal kräftig. So setzt sich der feine Staub auf der Hand ab und man schluckt ihn später nicht. Danach hält man die guampa im 45°-Winkel, damit das Yerba schräg drinliegt und man den Trinkhalm (bombilla) von oben unter das Yerba stecken kann. Nun braucht man nur noch Wasser auf die Seite gießen, wo weniger Yerba ist und schon kann man zu trinken anfangen. Die Becher für Mate (dasselbe mit heißem Wasser) ist kleiner und runder und sollte außerdem innen aus Holz sein.

Lateinamerikas Leibspeiße: Ein Probierpäckchen Pajarito

Am Ende durften wir noch in die Halle, wo das Yerba in Säcken gelagert wird und in die Verpackungshalle. Als Erinnerung bekamen wir drei kleine Probierpäckchen mit. Ausgestattet mit Yerba und der richtigen Handhabung kann ich nun also anfangen, mich durch den traditionellen Brauch des Tereré- und Mate-Trinkens perfekt zu adaptieren.

Auch Lust Freiwilligenarbeit in Lateinamerika zu machen und die Schönheit des südamerikanischen Kontinents zu entdecken? Dann schau dich doch einfach mal auf unserer Seite für Freilligenarbeit um. Vielleicht ist ja auch was für dich dabei!

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