Miriam in Paraquay #2: Un nuevo rumbo…

Miriam in Paraquay #2: Un nuevo rumbo…

Miriam Blaimer, unsere Gastautorin, die sich gerade in Paraguay engagiert, hat uns ihren zweiten Artikel ihrer Artikelserie „Anekdoten aus Paraguay“ zukommenlassen lassen: Seit dieser Woche gibt es in Paraguay einen neuen Präsidenten. Vielleicht habt ihr ja davon gehört. Es stand zumindest auf diversen deutschen Newsportalen. Der Präsident wird hier alle 5 Jahre gewählt und darf sich kein zweites Mal zur Wahl stellen (nach den Erfahrungen mit Stroessner…). Außerdem tritt er sein Amt erst am 15. August an.

Horacio Cartes - Präsidentschaftswahl in Paraguay 2013Gewonnen hat übrigens Horacio Cartes von der Colorado-Partei, aber so viel Wahlkampf wie der gemacht hat, wundert mich das nicht. Es waren praktisch alle verfügbaren Mauern voller ´LISTA 1´und ´UN NUEVO RUMBO PARA EL PARAGUAY- CARTES´ und die Leute haben Sticker auf ihre Autos, Haustüren, Briefkästen etc. geklebt. Der Unternehmer ist einer der reichsten Männer des Landes und wurde schließlich mit 45,8% zum Präsident gewählt. Hier ist es auch so, dass während der Wahl immer wieder inoffizielle Tendenzen und Zwischenergebnisse veröffentlicht werden, sodass dieses Mal z.B. die Wahlbeteiligung nicht mal 70% war, weil viele Menschen es nicht mehr für nötig hielten, sich extra am Wahllokal anzustellen. Jaja, die Mentalität… Nach der offiziellen Bekanntgabe wurde es dann richtig laut in den Straßen. Die Autos sind mitsamt ihrer roten Fahnen stundenlang hupend durch die Straßen gefahren und immer mal wieder hörte man irgendwo bombas, also Feuerwerkskörper, in die Luft gehen!

Ich habe in der Zwischenzeit mit Anita (einer Lehrerin) Semmelknödel gemacht. :) Ihre Deutschklasse weiß nämlich nicht, was Knödel sind, deswegen werden wir die demnächst mit den Schülern machen. Hat trotz der laschen Semmeln hier ziemlich gut geschmeckt! Überhaupt war dieses Wochenende das Wochenende des Essens. Von den drei asados, die ich bisher hier miterleben durfte, fanden zwei die letzten zwei Tage statt. Bei Anita und ihrem Freund und bei der Gastfamilie einer anderen Freiwilligen. Ich habe lange nicht mehr so viel Fleisch gegessen. Die hauen das ja eine Stunde mindestens auf den Grill, damit das riesige Stück überhaupt mal durch wird. Habe leider vergessen, ein Foto zu machen, nächstes Mal dann. Aber der Geruch, der Sonntags durch die Straßen von Asunción zieht, lässt sich sowieso nicht einfangen.

7 Cajas - Der Film der Paraguayaner

Außerdem wollte ich mir endlich mal diesen Film ankucken, 7 cajas, der hier in Asunción spielt (das Kino hatte aber wegen der Wahl geschlossen). Angeblich ist er der einzige Film, von dem noch keine Raubkopien gemacht und verkauft wurden, denn es ist ‚ihr‘ Film, der Film der Paraguayer. Er ist größtenteils in Guaraní und spielt direkt im Mercado 4, einer Art Basar, von dem es, glaub ich, nirgendwo anders auf der Welt einen vergleichbaren Ort gibt. Der Mercado ist eine Welt für sich. Ich war bisher einmal dort, als ‚wenig‘ los war und man muss schon was aushalten können. In den Fleisch-/Fischmarkt bin ich gar nicht rein, das wäre mir zu eklig gewesen. Aber die Verkäufer legen auch so ihr Fleisch einfach auf einen Tisch, ungekühlt, und es ist egal, wenn direkt daneben Klamotten verkauft werden oder Vögel oder Modeschmuck… Außerdem bin ich davon überzeugt, dass man sich im Mercado richtig verlaufen kann und nichts wiederfindet, was man mal gesehen hat, wenn man nicht ständig darin einkauft. Die Gänge sind auch oft so versteckt, dass man sie gar nicht sieht, oder es gibt hinter einem Durchgang einen weiteren, parallel dazu. Zudem sind viele Planen zwischen den Ständen gespannt, falls es mal regnen sollte, und die hängen tief und versperren manchmal die Sicht.. Ich kann leider keine Fotos machen, weil ich, falls ich mich mit meiner Kamera dorthin trauen würde, sicherlich ohne wieder raus käme.

Mercado 4 in Asuncion - ParaguayDas Klauen ist hier auch so eine Sache. Ich wurde und werde ständig ermahnt, ich solle doch bitte gut auf meine Sachen aufpassen (was ich sowieso tue). Tatsächlich habe ich aber noch nie einen Straßenraub gesehen oder davon gehört…bis letztes Wochenende, als ich es live miterlebt habe. Das war so: Eine andere Freiwillige, Nora, war aus der Kolonie in die Stadt gekommen, um abends zu einem der wenigen Musikfestivals in Paraguay zu gehen: Red Sound 8. Sie hatte aber nachmittags nichts zu tun und von Asunción noch nichts gesehen und ich hatte Zeit. Also habe ich ihr ein bisschen was von der Stadt gezeigt. Gerade als wir an der Kathedrale vorbei waren, holte Nora ihr Handy raus, um sich wegen Treffpunkt/Uhrzeit fürs Festival zu verständigen. Was passierte? In dem Moment kam uns ein halbstarker, vielleicht 14-jähriger Junge entgegen, schnappte sich das Handy und fing an zu rennen. Ich konnte gar nicht so schnell schauen, wie Nora reagierte und ihm hinterher lief. Auf der Flucht hat er dann noch seine Flip Flops verloren und sein eigenes Handy, weswegen er kurz stehen blieb und verwirrt drein schaute. Nora und ich waren einfach noch zu geschockt, um den Jungen festzuhalten. Er rannte also wieder los, Noras Handy in der Hand, und hinter ihm her Nora, sein Handy in der Hand. Irgendwann habe ich die beiden aus den Augen verloren und nach ein paar Minuten kam Nora wieder um die Ecke, auf 180, der Junge sei in die Slums gelaufen. Was dann folgte, war eigentlich sehr fördernd für meine Spanischkenntnisse. Schließlich mussten wir einen Personal-Laden finden, wo wir Noras Nummer sperren lassen konnten. Wir fragten eine Familie, die uns ganz nett weiterhalf und am Ende bekamen wir auch das Sperren der Nummer gebacken. ¡A la pinta! Was für ein Tag.

Die Phrase habe ich übrigens neu gelernt. Sie stellt einen Ausdruck von Verwunderung oder Überraschung dar. Nachdem ich meine Spanischlehrerin danach gefragt habe, bekam ich Folgendes zu hören: Es findet ein Schulball statt. Alle Eltern, Lehrer und Schüler sind anwesend. Selbstverständlich auch der Direktor. Nachdem das Fest einige Zeit im Gange war, ging der Direktor auf einen der Schüler zu und fragte: ‚Na, hast du mit meiner Tochter auch schon getanzt?‘, worauf der Junge antwortete: ‚Nein, das Schwein hab ich noch nicht gehabt.‘ – woraufhin meine fast 70-jährige Lehrerin in schallendes Gelächter ausbrach. Soviel dazu… ;)

Wer auch, wie Miriam, echte lateinamerikanische Erfahrungen sammeln möchte, kann sich ja mal unsere Freiwilligenprojekte anschauen. Stepin hat diverse Länder im Angebot und hilft dir gerne bei der Verwirklichung deiner Träume weiter!

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