Miriam in Paraguay #1: Angekommen. Und jetzt?

Miriam in Paraguay #1: Angekommen. Und jetzt?

Das Fernwehvirus ist zurück. Noch im letzten Jahr bloggte unsere Praktikum Irland-Teilnehmerin Miriam Blaimer regelmäßig aus Dublin. Mittlerweile engagiert sie sich als freiwillige Helferin in einer deutschen Schule in Paraguay und berichtet als Gastautorin auf der Weltneugier von ihren Eindrücken in Südamerika.

Gastautorin Miriam

Als ich erfuhr, dass ich für sechs Monate als Freiwillige in dieses Land geschickt werden würde, wusste ich nicht so recht, was ich darüber denken sollte. Paraguay? Das ist doch irgendwo in Südamerika…Die Länder ringsherum klangen eigentlich spannender: Argentinien, Brasilien, Bolivien. Diese Unkenntnis verstärkte aber meinen Willen noch, jenen »weißen Fleck« auf der Karte für mich zu entdecken. Deshalb bin ich nun seit vier Wochen in Asunción und kann behaupten, dass ich Paraguay zumindest schon ein bisschen kennen gelernt habe.

Was habe ich so erlebt in den ersten Tagen? Gute Frage. Ich weiß, dass das Deutsch der Mennoniten-Paraguayer ziemlich gut ist, dass die Kinder auch Otto Waalkes kennen, dass die Leute hier wirklich viel Tereré trinken, dass man Milch und Joghurt in Tüten kaufen kann, dass es »Sahne« als Brotaufstrich gibt, dass die meisten Paraguayer gerne fett, gebraten oder süß essen, dass das Bildungsniveau auf das ganze Land gesehen irgendwo in der Grundschule hängt, dass sich die Leute im Auto nicht anschnallen, dass es Fluten und Bäche auf den Straßen gibt, wenn es regnet und dass es eine deutsche Bäckerei gibt, wo man Brezn und »echtes« Brot kaufen kann.

Nach ca. zwei Wochen habe ich mich dann zum ersten Mal getraut, Bus zu fahren. Ich wurde nämlich gewarnt, es wäre chaotisch und ich würde beklaut werden. Als ich aber mit meinem Gastbruder im Bus saß, fand ich es gar nicht so schlimm. Ja, es gibt keine Fahrpläne und feste Haltestellen existieren auch nicht. Aber sonst? Man streckt den Arm aus, wenn man die richtige Busnummer sichtet (sofern man sie weiß) und zahlt immer 2.100 Gs (knapp 50cent), egal wo man hinfährt. Es kann allerdings sehr voll werden, also wenn man nicht so auf Körperkontakt steht, sollte man lieber laufen. Und kräftig Sitzfleisch sollte man auch haben, denn ab und zu übersieht der Fahrer halt mal eine Rampe und man hüpft (ungelogen!) 20cm in die Höhe. Denn Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt es nirgends. Wenn man irgendwann wieder aus dem Bus aussteigen will, drückt man einen Klingelknopf oder zieht eine Schnur und der Fahrer hält an. Ab und zu steigen auch ein paar Kinder ein und versuchen dir Cola, Dulce de Leche oder Schokoriegel zu verkaufen. In die Schule gehen diese Kinder nicht.

Die deutsche Schule an der ich arbeite, ist im Extrem dazu eine Privatschule und wird von der Mennonitengemeinde geführt, was den Schulalltag natürlich stark beeinflusst. Zweimal die Woche gibt es eine Morgenandacht und bei allen möglichen Gelegenheiten wird gebetet. Auch sind Schuluniformen Pflicht und für mich gilt die Regel: kein tiefer Ausschnitt und mindestens Knielänge bei Hosen und Röcken. Diejenigen Eltern, die ihre Kinder auf eine deutsche Privatschule schicken, haben eine bestimmte Vorstellung von guter (und deutscher) Bildung. Auf die Schule gehen insgesamt ca. 400 Schüler zwischen Kindergarten und 12. Klasse, also jeder Jahrgang besitzt ein oder zwei Klassen von je 10-25 Schülern.

Freiwilligenarbeit Paraguay

Was mich ab und zu verwundert, ist, dass manche Kinder einfach mitten im Unterricht aufstehen und entweder herumlaufen oder zum Lehrer vorgehen.. Ansonsten ist mir nicht so viel anderes aufgefallen, nur dass die Stühle ungefähr 100 Jahre alt sind (einer ist schon unter mir zusammengebrochen) und die Räume alle Klimaanlage und Ventilatoren haben, weil man sonst vor Hitze erstickt. Mit meiner Mentorin habe ich schon einen einigermaßen festen Stundenplan ausgearbeitet: Ich arbeite einen Tag im Kindergarten mit, helfe dem Computerlehrer beim Erstellen sowie Übersetzen der neuen Homepage, assistiere im Deutschunterricht der 1.Klasse und bei Musik und Kunst.

Fortsetzung folgt…

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