Daniel in Australien #10: Die Wahlen in Down Under

Daniel in Australien #10: Die Wahlen in Down Under

Heute berichtet uns Daniel wie er die Wahlen in Australien im August 2010 aufgefasst hat. Von Politikverdrossenheit, »Masterchef Australia« und einem regelrechten Wahlkrimi geht es in seinem Artikel, lest selbst.

In Deutschland wird ja immer viel über die Politikverdrossenheit der jungen Generation diskutiert und – wenn wir den Erstwählerchecks von TV Total Recht geben möchten – interessiert sich die Jugend auch überhaupt nicht mehr für Politik. Das ist natürlich alles zugespitzt und sollte nicht zu ernst genommen werden.

Aber die Verdrossenheit ist in Australien, obwohl es hier eine Wahlpflicht gibt, gefühlt noch schlimmer als zu Hause in Deutschland. Wie bei uns sind auch hier die berühmten TV-Duelle zwischen den Spitzenkandidaten der Parteien zu sehen. Das Duell zwischen Julia Gillard und Tony Abbott lief vor einiger Zeit über die australischen Kanäle. Es war nur leider schwer, einen geeigneten Sendeplatz zu finden.

Lieber eine Kochshow anstatt dem TV-Duell

Köche hantieren in einer edlen GroßraumkücheDenn zur Prime Time lief schon »Masterchef Australia«, eine Unterhaltungsshow ähnlich wie DSDS. Nur hier singen die Kandidaten nicht, um zu gewinnen, sondern sie kochen. Der absolute Renner auf dem fünften Kontinent. Das TV-Duell zur selben Zeit wie »Masterchef Australia« ging also nicht, weil schätzungsweise 18 Mio. von knapp 22 Mio. Australiern lieber die Duelle am Herd sehen wollten.

Nach langem hin und her wurde das Duell der Spitzenpolitiker zwischen das Nachmittags- und Abendprogramm gequetscht. Mein Mitbewohner kommentierte das mit den Worten: »Schon heftig, dass die Leute sich lieber Hobbyköche ansehen. Schließlich geht es auf dem anderen Sender um die Zukunft unseres Landes. Aber Masterchef ist auch gerade so unglaublich spannend.«

Doch dann wird es zum regelrechten Wahlkrimi

So ging es also los mit den Wahlen in Australien. Aber es wurde tatsächlich noch richtig spannend und zu einem echten Wahlkrimi. Denn am Wahltag am 21. August wurden Gillards Labor Party und Tony Abbotts Opposition zum Schluss mit einem Gleichstand ausgezählt. Sogar meine Mitbewohner hatten den ganzen Tag mit wachsender Spannung die Auszählungen verfolgt. »Das gibt es doch nicht. Gleichstand«, haben sie sich beschwert. Jetzt geht es noch einmal richtig in die Vollen für die Politiker.

Blick in ein Talkshowstudio vom Mischpult»Einer der beiden wird uns in den nächsten Jahren regieren. Das ist sehr wichtig.« Große Töne gab es also. Nicht nur bei mir zu Hause. Auch in der Uni und in den Zeitungen wurde über diese unglaublich wichtige Entscheidung gesprochen. Bis die Entscheidung fiel und Julia Gillard den Sieg nach Hause bringen konnte. Und jetzt ratet mal, was seitdem hier los ist!

Aber es hält nicht lange an

Nichts. Rein gar nichts. Seit die neue Regierung gewählt ist, spricht niemand mehr über die Zukunft des Landes und über die Politik, die nun gemacht wird. Nun scheint es niemanden mehr zu interessieren, was in den nächsten Jahren hier passiert.

Und obwohl die Wahlbeteiligung in Australien gegen 100 Prozent geht, geht das Interesse am Ergebnis eher gegen Null. Ich mag mich irren. Aber vielleicht hat das auch etwas damit zu tun, dass »Masterchef Australia« erst im nächsten Jahr wieder gezeigt wird.

Daniels vorheriger Artikel Deine Möglichkeiten in Australien

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