Afrika entdecken: der Stamm der Zulu

Afrika entdecken: der Stamm der Zulu

In keinem Land sonst auf der Welt sind Kultur und Erbe noch so bewahrt wie auf dem afrikanischen Kontinent. Hier leben die verschiedensten Stämme und Gruppierungen und es werden über 2000 verschiedene Sprachen gesprochen. Einer dieser Stämme ist der Stamm der Zulu, die in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal leben. Unter der Führung von König Shaka im 19. Jahrhundert, gehörten die Zulu zu den einflussreichsten, mächtigsten, aber auch grausamsten Stämmen in Afrika.

Doch auch heute zählen sie noch die meisten Mitglieder aller Stämme, obwohl sie in den 30er Jahren in der Schlacht gegen die Briten viele Anhänger verloren haben. Derzeit regiert König Goodwill Zwelithini kaBhekuzulu über die Zulu, allerdings nur traditionell. Die Politische Macht besitzt nur der Ministerpräsident von KwaZulu-Natal. Von diesem interessanten Volk, was bis heute seine Traditionen bewahrt hat, handelt unser heutiger Artikel.

Zulu KindCopyright: Retlaw Snellac

Die Kultur des Himmelsvolks

Das Volk der Zulu ist sehr abergläubisch. Hexenkunst, Zaubertränke sowie Medizinmänner gehören zum alltäglichen Leben. Die Zulu glauben an Naturgeister, die im Wasser, in Tieren, in Pflanzen oder auch im Gestein leben. Das oberste Wesen dieser Geister ist der/die/das Unkulunkulu (das Größte der Großen). Verstorbene Ahnengeister, die im Reich des Unkulunkulu leben, werden ebenfalls angebetet, da sie eine Verbindung zwischen den Lebenden und den Geistern darstellen. Geschieht einer Familie Unheil, liegt es vermutlich daran, dass sie ihrer verstorbenen Verwandten nicht gedenken oder den Geistern nicht genug Opfergaben erbracht haben. In diesem Fall wird ein Sangoma konsultiert, der dann entscheidet, was für ein Opfer die Familie erbringen muss, um die Ahnengeister wieder gutmütig zu stimmen. In einigen Fällen kann ein Unglück aber auch durch böse Hexenkraft hervorgerufen sein. Dann muss die böse Hexe ausfindig gemacht werden. Nach erfolgreicher Hetzjagd wird die gefangene Hexe dann aus Strafe für ihre niederträchtigen Taten qualvoll hingerichtet. Das Eigentum der vermeintlichen Hexe wird an den Stammeshäuptling übertragen. Die Zulu glauben nicht an das Schicksal, sondern daran, dass alles aus einem bestimmten Grund geschieht. Schlimme Geschehnisse sind die Konsequenz einer schlimmen Tat, böser Zauber oder die Rache der Ahnengeister.  

The medicine man or sangomaCopyright: MercyWatch

Das tropische KwaZulu-Natal wird besonders im Sommer öfters von Gewittern heimgesucht, wobei häufig Blitze einschlagen. Vor diesen fürchten sich die Zulu besonders, da sie als Zeichen entzürnter Geister gelten. Ein Zulu der von einem Blitz getroffen wird, verdient es (dem Glauben eines Zulu nach) nicht anders und darf daher auch nicht nach traditioneller Art begraben werden. Um ihn soll außerdem nicht getrauert werden. Weidevieh, was vom Blitz getroffen wird, darf nicht gegessen werden und Bäume, in denen der Blitz eingeschlagen hat, dürfen nicht verwendet oder angefasst werden.

Medizin

Während die Sangoma für das psychische Wohl sorgen und das seelische und religiöse Gleichgewicht wiederherstellen, gelten die Inyanga als die Medizinmänner und Wunderheiler, wie wir sie aus Geschichten kennen. 80% der Zulu suchen selbst in der heutigen Zeit noch die Inyanga auf, wenn sie krank sind – auch wenn diese Meilen weit entfernt sind. Medizin wird meist aus Pflanzen hergestellt und die Tinkturen und Rezepte werden von Generation zu Generation weitergegeben.

SangomaCopyright: K. Kendall

Hochzeit

Um herauszufinden, ob eine Frau die richtige Wahl ist, suchen die Männer ebenfalls den Sangoma auf. Ist dieser einverstanden, so muss der Mann den Eltern seiner Braut 12 Rinder überlassen oder einen äquivalenten Geldbetrag. Nicht, um die Braut zu kaufen und sie als sein eigen betrachten zu können, sondern um der Familie der Braut eine Aufwandsentschädigung zu zahlen, da ihre Tochter nun nicht mehr als Arbeitskraft im Hause zur Verfügung steht.

Einem Zulu-Mann steht es zu, mehrere Frauen zu haben, denn damit drückt er seinen sozialen Status, seinen Reichtum und seine Männlichkeit aus. Der König der Zulu beispielsweise hat sechs Frauen, mit denen er insgesamt 27 Kinder hat. Die erste Frau, die ein Mann heiratet, hat eine mächtige Position in der Familie und ist den anderen Frauen übergeordnet. Jede Frau bekommt aber ihr eigenes Haus, ihr eigenes Feld und eine kleine Herde und muss auch nur ihre eigene Familie versorgen.

Kleidung

Auch wenn die meisten Zulu, die in der Stadt wohnen, westliche Kleidung tragen, so kleiden sich einige Zulu immer noch auf traditionelle Art und Weise. Unverheiratete Mädchen tragen nur einen Rock und einen Kragen aus bunten Glasperlen. Der Oberkörper bleibt völlig unbedeckt, was aber nicht als anstößig gilt, denn im Verständnis der Zulu gilt die Brust der Frau nicht als anreizend. Entscheidet sich das Mädchen für einen Mann, bedeckt sie ihre Brust mit einem Oberteil, auf dem ebenfalls bunte Glasperlen gestickt sind. Die Farben der Perlen sind eine Geheimsprache und jede Farbe hat eine andere Bedeutung. Die Anreihung der Perlen ist also eine Art Liebesbrief an den Mann.

Heiratet das Mädchen dann, muss sie ihren Körper komplett bedecken und bekommt einen Hut, der in ihr Haar geflochten wird. Die Haare darf sie nun lang wachsen lassen.

verheiratete Zulu FrauenCopyright: Retlaw Snellac

Männer tragen eine einfache Schürze und ein Kopfband. Zulu Männer mit hohem sozialem Rang haben zusätzlich Leopardenhaut an ihren Kopfbändern befestigt und dürfen tragen so viel sie wollen.

Lesedi Cultural VillageCopyright: Squashimono

Speisen und Getränke

Die Zulu essen sehr viel Gemüse, wie zum Beispiel Kohl, Zwiebeln, Wurzeln, Mais, Kürbis und Tomaten. Durch das tropische Klima gibt es ebenfalls Mangos, Bananen und andere Früchte. Am liebsten essen die Zulu aber Fleisch. Das wird in Bananenblätter gewickelt und ganz lange auf heißer Kohle gegart bis es fast schon schwarz ist. Um den Durst zu stillen greifen die Zulu zu selbstgebrautem, sehr säuerlich schmeckendem Bier, was nur 3% Alkohol enthält und sehr erfrischend sein soll – oder aber zu Amazi, gegorener Milch.

Manche Teilnehmer unserer Freiwilligenarbeit in Südafrika haben neben ihrem Projekt Führungen durch das Gebiet der Zulu mitgemacht. Spezielle Reiseführer bieten einen Ausflug zu den Dörfern der Zulu an und man kann einige Nächte dort übernachten, lernt etwas über die Kultur, probiert die Speisen und lernt etwas über die Kampftechniken der Männer oder die Kunstfertigkeit der Frauen.

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