Jana war nach dem Abi 2014 für ein halbes Jahr als Demi-pair in Australien. Jetzt hat sie bei uns ein Praktikum gemacht und wir haben die Gelegenheit genutzt, ihr ein paar Fragen über das Programm und ihren Aufenthalt zu stellen.

1. Warum Demi-pair und warum Australien?

Da ich noch nicht genau wusste, welches Land oder Programm ich möchte, habe ich mich zunächst bei Stepin beraten lassen. Ich war gerade 19 geworden und habe mir damals noch nicht zugetraut, Work and Travel zu machen, weshalb mir die Möglichkeit als Au-pair ins Ausland zu gehen sehr entgegen kam.

Australiens Küste

Bei meinem Beratungsgespräch wurde mir dann vom Demi-pair Programm erzählt, wo man einen einmonatigen oder dreimonatigen Sprachkurs in Perth oder Sydney machen kann und gleichzeitig in einer Familie arbeitet. Das schien mir eine gute Möglichkeit, einerseits in einer australischen Familie integriert zu sein, andererseits aber auch in einem Sprachkurs meine Englischkenntnisse zu verbessern und neue Leute kennenzulernen. Ich wollte nach Australien, weil es weit weg ist von zuhause und  ich damals niemanden kannte, der schon mal dort war.

2. Welche Programmvariante hast du gewählt?

Ich habe mich für einen sechsmonatigen Aufenthalt in Perth mit dreimonatigem Sprachkurs entscheiden. Man kann zwischen dem Standard- und dem etwas anspruchsvollerem Cambridge-Kurs wählen, da meine Englischkenntnisse eher normal waren, habe ich Standard gewählt. Ich kam Mitte September an, sodass mein Sprachkurs bis Anfang Dezember ging. Danach war ich nur in meiner Gastfamilie tätig.

3. Wie ist deine Ankunft abgelaufen?

Ich kam gegen 1 Uhr morgens in Perth am Flughafen an und wurde in der Ankunftshalle von Cam begrüßt, der ein Schild mit meinem Namen hochhielt. Ein typischer Australier mit langen blonden Haaren und Shorts. Er hat mich zu meiner Gastfamilie nach Floreat gefahren, wo meine Gastmutter Samantha mich trotz später Stunde herzlich empfangen hat.

Jana und ihre Gastmutter Sam

Sam hatte sich wirklich viel Mühe gegeben, denn mein Zimmer war sauber und gepflegt und auf der Kommode standen Utensilien wie Shampoo, 50+ Sonnencreme und andere Kosmetikartikel. Am nächsten Tag hatte Sam sich frei genommen, damit ich meine Gastkinder, Molly und Fin, kennenlernen und wir alle zusammen etwas in Perth unternehmen konnten. Vorab hatte sie mich bereits gefragt, was ich gerne esse und entsprechend eingekauft. So starteten wir den Tag mit einem gemeinsamen Frühstück. Tagsüber zeigte mir Sam dann die »Highlights« von Perth und erklärte mir alles, was ich wissen muss. Ich habe mich gleich wohl und willkommen gefühlt!

4. Wie kann man sich den Unterricht vorstellen?

Jana hält stolz ihr Sprachschul-Zertifikat in Händen

Ich habe den Sprachkurs für drei Monate besucht. Der Unterricht hat um 9 Uhr angefangen und ging bis 15 Uhr. Zunächst einmal musste man einen Englischtest machen, um in einen entsprechenden Kurs eingestuft zu werden. Im Unterricht selbst mussten wir viel erzählen, haben viele Übungen zur Grammatik gemacht und mussten auch Aufsätze schreiben. Außerdem mussten wir in regelmäßigen Abständen englische Bücher lesen und anschließend darüber berichten.

Meine Klasse bestand aus etwa 15 Schülern aus vielen verschiedenen Ländern, wie beispielsweise Spanien, Italien, Thailand, Deutschland oder Kolumbien. Die Schule liegt im Stadtteil Leederville, wo es viele Restaurants und Cafés gibt. Die Schule selbst ist sehr schön, hat einen Garten und eine schöne Terrasse. Bei tollem Wetter, was es in Perth sehr oft gibt, ist es schön in der Mittagspause mit Mitschülern draußen zu sitzen, etwas zu essen und sich zu unterhalten. Es gibt außerdem eine Küche und einen Kiosk mit warmem Essen gleich um die Ecke.

5. Wie sah ein typischer Tag für dich als Demi-pair aus?

Meine Gastkinder waren 7 Monate und 2 Jahre alt. Wenn Fin, der Kleine, morgens gegen 6:15 Uhr aufgewacht ist, bin ich mit aufgestanden, habe mich fertiggemacht, gefrühstückt und anschließend Fin bei seiner Mutter »abgeholt« und ihm sein Frühstück gegeben. Um 7 Uhr habe ich dann Molly angezogen und fertig für die Daycare gemacht. Ich bin um ca. 8 Uhr zum Bus gegangen und Sam hat Molly und Fin in die Daycare gebracht. Nachdem ich um etwa 16 Uhr von der Schule zurück war habe ich alltägliche Aufgaben im Haus übernommen, um die Familie zu unterstützen – zum Beispiel aufräumen, Spülmaschine ausräumen, Wäsche falten und aufhängen oder Müll rausbringen. Einmal in der Woche habe ich auch gestaubsaugt und den Boden gewischt.

Als Sam oder Josh dann um 17 Uhr nachhause kamen, habe ich ihnen dabei geholfen Molly und Fin zu baden und bettfertig zu machen. Anschließend haben wir dann gemeinsam Abend gegessen und danach manchmal zusammen TV geschaut. Wenn ich es vorher abgesprochen hatte, konnte ich natürlich an einigen Tagen auch mit Freunden in die Stadt oder etwas unternehmen. An einem Abend in der Woche habe ich abends mal auf die Kids aufgepasst.

Ausflüge und Urlaube mit der Gastfamilie

Ich habe mich die meiste Zeit super mit meiner Gastmutter verstanden und wir haben auch öfter mal etwas zusammen unternommen. Wir waren zum Beispiel shoppen, im Einkaufszentrum oder mehrmals gemeinsam essen mit Freunden. Ich war zwei Mal mit der Familie im Urlaub, einmal in Kalbarri (im Norden) und einmal über Weihnachten in Sydney. Dort war ich hauptsächlich als Unterstützung, aber hatte auch Zeit für mich. Außerdem waren wir einmal für einige Tage im Süden in Margaret River und haben dort Familie besucht.

Jana posiert vor einem roten Felsen

Alle haben mich herzlich aufgenommen und besonders in Sydney bei Sam’s Eltern hat es mir gut gefallen. Ich hatte etwas Angst, dass ich über Weihnachten Heimweh bekomme, aber ich habe sogar von allen eine Kleinigkeit geschenkt bekommen, es gab viel gutes Essen und ich habe mich wirklich wohl gefühlt. Ich war beispielsweise auch mit Sam’s Mutter Christine oft gemeinsam joggen und an einem Tag sind wir gemeinsam mit Sam’s Vater Kevin mit seinem Boot durch den Hafen von Sydney gefahren und haben auf dem Meer zu Mittag gegessen!

6. Was hast du in deiner Freizeit unternommen?

In meiner Freizeit war ich oft mit Freunden am Strand. Außerdem waren wir gemeinsam shoppen, sind essen gegangen und als das Wetter schlecht war, waren wir mal im Kino. Wir waren oft im Kingspark, einer der schönsten Stellen in Perth, weil man auf die Skyline von Perth und den Swan River schaut. Außerdem waren wir in Fremantle, wo es einmal die Woche einen großen Markt mit Essens- und Klamottenständen gibt. Abends am Wochenende waren wir öfter in Northbridge oder Leederville unterwegs, wo es viele Bars und Clubs gibt.

Jana füttert Kängurus

Außerdem hatte ich drei Wochen frei, in denen ich dann einen Roadtrip down South gemacht habe, also in den Südwesten von Australien. Dort waren wir beispielsweise in Esperance, wo es meiner Meinung nach den schönsten Strand in Westaustralien gibt! An der Schule habe ich außerdem Jessica kennengelernt, die auch heute zu meinen engsten Freunden zählt. Wir haben regelmäßigen Kontakt und nicht allzu überraschend zieht Jessica kommendes Jahr nach Perth, sodass es mich wohl noch öfter wieder dorthin ziehen wird.

7. Hat dich dein Demi-pair Aufenthalt bei der Wahl deines Studiums beeinflusst?

Meine Zeit in Perth hat nicht nur die Wahl meines Studiums beeinflusst, sondern auch mich selbst verändert. Bevor ich in Perth war, war ich eher unselbstständig, was sich grundlegend geändert hat. Ich bin offener gegenüber anderen Kulturen und Menschen geworden und habe außerdem meine Liebe fürs Reisen entdeckt.

Ich studiere nun Englisch und Erziehungswissenschaft im 2-Fach-Bachelor an der Uni Köln und würde somit sagen, dass mich mein Aufenthalt definitiv beeinflusst hat. Ich habe es schon immer gemocht, Englisch zu sprechen aber wenn ich jetzt auf jemanden treffe, der aus einem anderen Land kommt, bin ich gleich begeistert.

Außerdem ist Perth für mich ein besonderer Ort geworden, sodass ich im Februar 2016 fünf Wochen meiner Semesterferien dort verbracht habe. Ich habe für drei Wochen mit Jessica in Northbridge in einem Apartment zusammen mit einem Australier gewohnt und habe im Anschluss meine Gastfamilie für zwei Wochen besucht.

8. Was war dein persönliches Highlight?

Es gab ehrlich gesagt einige Highlights, aber eines der schönsten Erlebnisse war definitiv die Bootstour in Sydney. Es war ein sonniger, warmer Tag und wir sind zu dritt mit dem Boot unter der Harbour Bridge durch und am Opera House vorbei gefahren. Anschließend haben wir in einer kleinen Bucht gehalten und haben Garnelen und Baguette gegessen.

Jana füttert ein Quokka

Ein weiteres Highlight war mein Tagestrip nach Rottnest Island. Rottnest Island ist eine kleine Insel in der Nähe von Perth, wo es nicht nur weiße Sandstrände mit türkisfarbenen Meer gibt, sondern auch Quokkas. Quokkas sind bekannt als die glücklichsten Tiere der Welt, sehen aus wie eine Mischung aus Känguru und Ratte und haben immer ein »Lächeln« im Gesicht. Wir haben uns Fahrräder geliehen und sind einmal rund um Rottnest gefahren, sind geschnorchelt und haben die süßen Quokkas gestreichelt. Also ein Supertag.

9. Welche Tipps würdest du zukünftigen Teilnehmern geben?

Zunächst einmal ist es wichtig, dass man sich auf die Zeit dort einlässt. Keine vorschnellen Schlüsse ziehen, sei es in Bezug auf den Wohnort oder die Gastfamilie! Ich war zu Anfang nicht gerade überzeugt, da alles sehr anders ist als in Deutschland und ich meine Familie und Freunde sehr vermisst habe. Aber als ich einige Wochen dort war, ich neue Leute kennenlerne, sich mein Englisch verbesserte und ich mehr und mehr in die Gastfamilie integriert wurde, wusste ich gar nicht ob ich lieber dort bleiben oder nachhause fahren will!

Jana blickt auf das türkisfarbene Wasser

Und natürlich versteht man sich nicht immer nur super mit seiner Gastfamilie, aber es ist wichtig, Probleme direkt anzusprechen und zu klären, sodass es erst gar nicht zu Missverständnissen kommt. Außerdem kann ich das Standardprogramm empfehlen, wenn man noch unsicher mit der englischen Sprache ist. Sonst kommt auch das etwas anspruchsvollere Cambridge-Programm in Frage. Ich selbst bin leider nach meinem Aufenthalt nicht mehr weitergereist, was ich sehr bereue.

Deshalb würde ich allen, die einen Aufenthalt in Australien planen, ans Herz legen, so viele Roadtrips und Ausflüge wie möglich zu machen und so viel von OZ mitzunehmen, wie nur möglich, denn die Menschen sind unglaublich nett und offen und das Land ist einfach wunderschön!

Demi-pair Australien

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