„Socceroos von Deutschland zerfleischt“ steht heute im Sydney Morning Herald. Sicher keine schöne Beschreibung für das, was auf dem Spielfeld passiert ist, aber genau das malte sich auch in den Gesichtern der australischen Fans beim Fan Fest in Sydney spätestens nach dem zweiten Tor ab.

Dabei fingen die Socceroos äußerst vielversprechend mit ihrer ersten Attacke an, bei der die ganze deutsche Fankurve den Atem anhielt. Das wandelte sich aber ab dem ersten Tor in lauten Jubel um. Und auch schon früher war für manchen australischen Fan das Spiel gelaufen. „Wir haben schon ein Tor im Kasten. Das Spiel ist vorbei“, hörte ich einen noch vor Mitte der ersten Halbzeit sagen. „Germany is too good.“ Da konnte ich ihm leider auch nicht widersprechen und sogar die Kommentatoren vor Ort nannten das strategisch schnelle Spiel der deutschen Nationalmannschaft eine Schulstunde für das australische Team.
Die Stimmung beim Fan Fest war trotzdem die ganze Zeit richtig gut. Und obwohl es in der zweiten Halbzeit – auch wegen der roten Karte für Cahill – gar nicht mehr nach einem Comeback der Socceroos aussah, schwangen auch deren Fans noch die Fahnen und trugen mit sichtlichem Stolz ihre Perücken und aufblasbaren Kängurus über den Platz.
Nach den falschen Schiedsrichterentscheidungen für ihr Team, den nicht taktischen, sondern glücklichen Zügen der Deutschen, gemeinen Fouls gegen und keinen Fouls von ihrer Mannschaft und absolut unfairen Toren zeigten sich die australischen Fans nach dem Spiel doch als faire Verlierer. Frei nach dem Motto „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ haben sie auch noch bis in die späteren Morgenstunden mit den deutschen Fans gefeiert und uns zum „verdienten Sieg“ gratuliert. Vergessen waren die gemeinen Fouls und Fehlentscheidungen.
Niemand hat uns den Sieg missgönnt und es gab nicht einmal kleinere Ausschreitungen. Zum Schluss war auch hier der Fußball ein Sport, der Menschen zusammenführt. Sogar im so interkulturellen Sydney.
Ein Erkundungsbericht von Daniel Heinen.












[...] auf einen Sieg der deutschen Nationalmannschaft waren nach dem überzeugenden Auftritt im ersten Spiel gegen Australien geweckt worden. Auch hier bei uns im Hause Stepin. Ähnlich wie wohl in den meisten Firmen, saß [...]
“Zum Schluss war auch hier der Fußball ein Sport, der Menschen zusammenführt. Sogar im so interkulturellen Sydney.”
Ja was heißt hier sogar? Gerade so interkulturelle Städte wie Sydney sind Plätze wo Menschen nicht mehr zusammengeführt werden müssen, sondern SOGAR zusammen leben. Klar, dass dann Fußball das ganze noch etwas verstärkt. Also nicht wirklich überraschend das dort der Sport Menschen zusammenführt. Überraschend wäre an einem nicht-interkulturellem Ort!
Taki, “überraschend” scheint sich hier doch wohl eher auf den Umstand zu beziehen, dass das australische Team eine ziemlich deutliche Niederlage erlitten hat und die Leute trotzdem friedlich zusammen gefeiert haben.
Ob eine inter-bzw. multikulturelle Stadt, Gesellschaft etc. zwangsläufig eine solche Situation stärker evoziert, scheint mir zwar äußerst wahrscheinlich, wäre in letzter Konsequenz allerdings immer noch zu beweisen. Aber das ist nur meine Meinung. Habe Deinen Kommentar an unseren Gastautor weitergeleitet, mal sehen, was er dazu sagt.
Und hier kommt die Antwort.
Interkulturell heißt nicht, dass die Leute zusammen leben. Ich bekomme das ja alles genau mit. Die meisten leben einfach aneinander vorbei. Hier leben etwa 50 verschiedene Kulturen zusammen. Da kann es schnell passieren, dass Konflikte aufkommen.
Und beim Fan Fest waren sowohl die deutschen als auch die Fans anderer Kulturen friedlich.
Aus diesem Grund habe ich gesagt, dass Fußball hier die Menschen zusammengeführt hat. Ich kann mich noch gut an die WM in Deutschland vor vier Jahren erinnern. Ich habe damals in Gelsenkirchen studiert und die Sicherheitsmaßnahmen dort waren enorm, weil so viele verschiedene Kulturen aufeinander trafen. Hier war kaum Security zu sehen und trotzdem war alles friedlich. Und sonst verstehen sich die Kulturen hier nicht unbedingt so gut wie an diesem Abend.