Inzwischen ist es ja eine schöne Tradition bei uns, dass wir Autoren und Website-Betreiber zu kleinen Interviews einladen. So auch heute. Die Weltneugier hatte Gelegenheit, mit den beiden Autorinnen des Buches Versteh mich nicht falsch! Gesten weltweit, Julia Grosse und Judith Reker, ein Interview per E-Mail zu führen.
Hallo Frau Grosse, hallo Frau Reker. Zunächst vielen Dank, dass Sie sich etwas Zeit für uns genommen haben. Wo auf der Welt erreichen wir Sie gerade?
Julia Grosse: Ich bin in London.
Judith Reker: Ich bin gerade in Lusaka, Sambia.
Bevor wir näher auf das Buchprojekt eingehen, möchten wir Sie bitten, zunächst etwas über sich und Ihre Hintergründe bzw. beruflichen Werdegänge zu erzählen.
Julia Grosse: Wir sind beide Journalistinnen und arbeiten seit einigen Jahren als freie Korrespondentinnen in London und Johannesburg. Ich bin Kunsthistorikerin …
Judith Reker: … und ich Historikerin. Was uns beruflich außerdem verbindet, ist die Mitgliedschaft bei Weltreporter.net, dem ersten, deutschen Korrespondenten-Netzwerk für freie Journalisten im Ausland. Als wir 2005 begannen, waren wir fünf, heute sind wir rund vierzig Kollegen an allen Ecken der Erde.
OK, damit zum Versteh mich nicht falsch! Gesten weltweit. Was war die Motivation/Idee für ein solches Projekt?
G+R: Durch unsere Berufe kommen wir an viele Orte der Welt, da passiert es immer wieder, dass man stutzt, weil plötzlich jemand eine scheinbar vertraute Geste benutzt, die aber etwas ganz anderes bedeutet. Das hat uns fasziniert und als wir 2008 in München wieder einmal beisammen saßen, war dieses Thema plötzlich da.
Wie findet bzw. recherchiert man eine Geste?
G+R: Wir haben angefangen, den Menschen auf unseren Reisen von Nairobi bis New York genauer auf die Hände zu schauen. Wir haben Fachbücher und Journale in Uni-Bibliotheken gewälzt, Foren im Internet besucht und Rechercheure beauftragt. Zur anschließenden Verifizierung und Falsifizierung haben wir auch unser gutes Weltreporter-Kollegen-Netzwerk genutzt.
Wie Sie einleitend ja bereits sagten, leben und arbeiten Sie beide ja jeweils in Johannesburg und London. Wie dürfen wir uns vor diesem Hintergrund die Arbeit an dem Buch vorstellen? Sind Sie gemeinsam gereist oder haben Sie separat recherchiert?
Die Recherchen und Reisen haben wir separat gemacht. Die gesamte Kommunikation, was ins Buch soll, wie wir es vom Umfang her und optisch gestalten usw. das alles haben wir dank Skype und Co. sehr gut koordinieren können.
Ein paar Worte zur Rolle des Fotografen. Wie ist der Kontakt zustande gekommen und wie groß würden Sie die Rolle der Bilder im Buch und ihren Einfluss auf das Projekt beurteilen?
G+R: Florian Bong-Kil Grosse arbeitet als Portraitfotograf in Hamburg und Berlin und hat ein sehr gutes Auge für Details. So einen „Perfektionisten“ brauchten wir. Uns ging es nicht um die wissenschaftliche Annäherung an dieses Thema. Wir wollten dieses Phänomen, nämlich, dass ein und dieselbe Geste in drei Ländern etwas völlig unterschiedliches bedeuten kann, von Anfang an vor allem optisch umsetzen. Wir wollten nicht belehren, sondern das, worum es geht, nämlich die Hände, möglichst prominent zeigen: Der Aha-Effekt entsteht ja durch die vielen Seiten mit den exakt gleichen Gesten zu den verschiedensten Bedeutungen. Man blättert um und sieht die gleiche Geste noch einmal, in Texas hieß sie noch „Hi, wie geht’s“, in Italien plötzlich „Deine Frau geht fremd!“.
Nochmals zurück zum Thema Gesten, im Speziellen „Das rockt“ bzw. den „Metal Horns“. Um ehrlich zu sein, war dies eine der ersten Sachen, die wir in dem Buch nachgeschaut haben. Leider konnten wir auch hier keine eindeutige Antwort finden. Haben Sie weitere Infos dazu bzw. wo liegt Ihrer Meinung nach der Ursprung?
G+R: Wir erzählen in unserem Buch eine Herkunftstheorie, derzufolge James Dio von Black Sabbath sie seiner abergläubischen italienischen Großmutter abgeschaut und leicht umgewandelt hat. Aber es gibt für viele Gesten unzählige Ursprungs-Spekulationen, an denen wollten wir uns nicht beteiligen. In unserem Buch geht es um das Hier und Jetzt: Was heißt eine Geste heute in diesem oder jenem Land!
Gab es Gesten, die Sie nicht in das Buch mit aufgenommen haben? Falls ja, welche und warum?
G+R: Es gab viele Gesten, die es nicht ins Buch geschafft haben. Weil es sie nur in einem Land gab, oder ihre Bedeutung zu speziell war. Weil sie nicht aussagekräftig genug waren usw. Auch die vielen Gesten im Gesicht haben wir rausgelassen und uns bewusst auf die Aussagekraft der Hände konzentriert.
Wie war die bisherige Resonanz auf das Buchprojekt und gibt es Pläne, Wünsche oder Ziele die Sie in naher Zukunft mit dem Buch erreichen möchten? Ist vielleicht sogar eine Fortsetzung geplant?
G+R: Die Resonanz hat uns offen gesagt umgehauen. Wir mussten bereits nach wenigen Monaten die dritte Auflage drucken, das haben wir auch den vielen Medien zu verdanken, die unser Buch großzügig und durchweg positiv besprochen haben. Für die sehr nahe Zukunft gibt es Pläne, die sind allerdings noch nicht spruchreif.
Bevor wir zum Schluss kommen, noch eine Frage in eigener Sache: Wer wird dieses Jahr Fußball-Weltmeister und wie weit wird das DFB-Team kommen?
Grosse: Interessanter Themenwechsel, doch meine gewagte These: Finale: Deutschland gegen Ghana.
Reker: Meine Lieblingskombination wäre Deutschland – Elfenbeinküste, aber ich glaube, Argentinien und Brasilien tragen es unter sich aus.
Abschließend natürlich noch die Chance für die berühmt-berüchtigten letzten Worte:
G+R: ……. (siehe die letzten zwei Gesten im Buch)
Vielen Dank!!!









