Sowohl das Kochen als auch die damit verbundene Esskultur gehören zu den ältesten Kulturtechniken des Menschen. Waren spätestens seit der Antike das Essen bzw. die Art der Nahrungsaufnahme eng an den sozialen Status, an politische und religiöse Macht gekoppelt, findet sich immer wieder auch die Betonung der Wichtigkeit eines gemeinsamen Essens.
Der Mensch war, ist und bleibt ein soziales Wesen, das einem Essen in Gesellschaft den Vorzug zu geben scheint. Selbst der große deutsche Aufklärer Immanuel Kant – nicht gerade als Genussmensch bekannt – schreibt in seinem Spätwerk Die Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, dass er in der gemeinsamen Mahlzeit die Verbindung des höchsten moralischen und des höchsten physischen Guts gegeben sieht. Denn, so Kant, allein zu essen, sei auch für den gelehrten Philosophen nicht besonders bekömmlich.
Das, was wir gemeinhin unter dem Begriff der Esskultur verstehen, umfasst so ziemlich alles, was ein kulturelles Umfeld mit dem Essen in Verbindung bringt: Von der Wahl der Lebensmittel und ihrer Zubereitung über unterschiedliche Tischsitten und Essenszeiten bis hin zur Tischdekoration und Orten des Essens – sie alle sind Teile einer kulturellen Identität.
Mit einigem Recht gilt die Esskultur daher auch als qualitativer Indikator für den Entwicklungsstand bzw. Zustand einer Gesellschaft. Und wir scheinen es auf diesem Gebiet weit gebracht zu haben. Immerhin ist der Mensch nach Loriot das einzige Wesen, das im Fliegen eine warme Mahlzeit zu sich nehmen kann. ;-) Aber dennoch is(s)t der Amerikaner anders als z. B. der Chinese oder Inder.
Halten wir also fest, dass Leben, Umfeld und Essen in einer sehr engen Wechselbeziehung zueinander stehen. Die Weltneugier möchte diesem Gedanken in den nächsten Tagen nachgehen und unterschiedliche Ess- und Ausgehkulturen vorstellen. Daher starten wir bis zum Wochenende unsere erste Themenwoche: Ausgehen, Essen und Trinken und präsentieren eine kleine, aber feine Auswahl kulinarischer Erkundungsberichte.







[...] Themenwoche „Ausgehen, Essen und Trinken“ neigt sich dem Ende entgegen. Nachdem wir bereits über die Ausgehmöglichkeiten in Tokyos [...]