Sabine Muschter im Weltneugier-Interview

Im Rahmen unserer Themenwoche zu den australischen Ureinwohnern hatten wir Euch vor einigen Tagen den Reiseführer „Australia Walkabout vorgestellt. Heute gibt es als Ergänzung dazu ein Interview mit der Übersetzerin der deutschen Ausgabe, Sabine Muschter, das wir per E-Mail geführt haben. Frau Muschter war so nett und hat sich Zeit für einige sehr ausführliche Antworten genommen. Aber lest selbst.

Weltneugier - Interview Sabine Muschter
Hallo Frau Muschter. Vielen Dank, dass Sie sich einen Augenblick Zeit für uns genommen haben. Erzählen Sie doch bitte zunächst etwas über sich, das Buch und wie Sie auf die Thematik gestoßen sind.

Seit 2001 verbringe ich jedes Jahr mehrere sonnige Monate in Australien. Von Sydney aus, wo ich in verschiedenen Bereichen arbeite, reiste ich vor allem in den ersten Jahren sehr viel durch das Land und nutze auch heute noch jede Möglichkeit, um diesen riesigen Kontinent immer wieder neu zu entdecken.

Nachdem ich 2009 die Arbeit zu meinem beim MANA-Verlag erschienenen Buch „Sprachaufenthalte in Australien und Neuseeland“ abgeschlossen hatte, lernte ich durch Zufall den Autor von „australia walkabout“ kennen. Ich war fasziniert von diesem Buch und der Möglichkeit, dem deutschen Markt Zugang zu diesen vielfältigen indigenen Angeboten zu bieten.

Warum eine deutsche Übersetzung bzw. welche Zielgruppe hatten Sie mit dem Buch im Auge?

Es gibt ein zunehmendes Interesse deutscher Touristen am Leben der Aborigines, oft gepaart mit dem Anspruch, die Problematik zu verstehen, einen sanften Tourismus zu betreiben und sich dabei mit dieser ältesten Kultur persönlich auseinander zu setzen.

„australia walkabout“ richtet sich vor allem an Individualreisende, die sich für die Kultur der Ureinwohner Australiens interessieren. Das Buch listet über 350 touristische Anbieter aus dem Bereich des Aboriginal und Torres Strait Island-Tourismus für unvergessliche Reiseerlebnisse.

Der Autor der englischen Originalausgabe heißt Ian Crawshaw. Können Sie uns ein paar Details zu ihm nennen und welche Motivation für ihn hinter dem Buchprojekt steht?

Ian ist schon seit vielen Jahren Reiseautor und hat inzwischen verschiedene Reiseführer und Reisereportagen auch außerhalb Australiens veröffentlicht. Ich kenne keinen Australier, der soviel im Outback und vor allem im Norden Australiens gereist ist und sich im indigenen Tourismusbereich so gut auskennt.

Sein „australia walkabout“ erscheint bereits in der fünften Auflage und war Gewinner des „Pata Travel Guide of the Year“. Ian ist kürzlich von Sydney nach Darwin gezogen, um eine Forschungsarbeit über die Vermarktungschancen von touristischen Produkten in sehr entlegenen Gebieten Australiens zu schreiben.

Ein paar Worte zu Ihrer Rolle als Übersetzerin. Gibt es Besonderheiten, auf die Sie achten mussten/wollten und inwieweit unterscheidet sich die dt. Ausgabe vom Original? Der Klappentext des Buches wirbt ja z.B. mit einigen exklusiven Beiträgen von Gastautoren wie Marc Llewellyn.

Ehrlich gesagt, die Übersetzung des Buches habe ich mir anfangs deutlich einfacher vorgestellt. Schnell wurde aber klar, dass mir ein vertieftes Hintergrundwissen zur indigenen Kultur fehlte, um verschiedene Sachen richtig zu übersetzen und zudem viele der indigenen Begriffe mir unbekannt waren. Da gab es also während der Übersetzungsphase zeitgleich eine Einarbeitung in die Kultur und Geschichte der australischen Ureinwohner und ich habe Experten aus dem Kunstbereich zu Rate gezogen.

Zudem war es manchmal schwierig Informationen über Touren verständlich zu übersetzen, wenn man diese selbst nicht erlebt hat. Einige Passagen – wie beispielsweise die von Ihnen erwähnten Beiträge von Gastautoren – wurden im Originaltext übernommen, da eine – nur sinngemäße – Übersetzung der Worte mir hier nicht angebracht erschien.

Die hiesige Ausgabe ist etwas umfangreicher und wurde an den deutschen Markt angepasst. Für deutsche Australientouristen irrelevante Informationen wurden nicht übernommen, dafür andere hinzugefügt. So wurden beispielsweise ein Einführungsteil zur Geschichte, Kultur und der „Traumzeit“ der Aborigines, eine Übersichtskarte, kurze Einführung in die einzelnen Bundesstaaten und ein ausführliches Glossar zusätzlich ins Buch aufgenommen.

Wir sind während der Recherche zu dem Buch über eine Aussage von Ihnen gestolpert, dass Sie häufig über die Akzeptanz der Ureinwohner innerhalb der australischen Gesellschaft irritiert seien. Natürlich ist das ein äußerst komplexes Thema, dennoch würde uns interessieren, was genau Sie damit meinen. Sehen Sie dies eher als ein rein australisches Problem oder eine generelle Problematik? Ähnliche Beobachtungen lassen sich z. B. ja auch im Verhältnis Neuseelands zu den Maori machen.

Das Thema ist in der Tat zu komplex, um es in wenige Sätze zu pressen. Sicherlich lässt sich eine generelle Problematik mit Minderheiten in jeder Demokratie finden, trotzdem habe ich den Eindruck, dass die Neuseeländer beispielsweise einen viel natürlicheren Umgang zu ihren Ureinwohnern, den Maori pflegen.

Ich möchte hier auch nicht missverstanden werden. Mich hat nur oftmals verwundert, dass die Australier auf der einen Seite Ausländern gegenüber zu den offensten, tolerantesten Menschen der Erde gehören. Das Land definiert sich im Prinzip durch seine Einwanderer und die dortige Integration anderer Kulturen gilt als weltweites Erfolgsmodell. Auf der anderen Seite ist die Anerkennung und Achtung der Kultur ihrer eigenen Ureinwohnern immer ein mühseliger Prozess gewesen und noch nicht gänzlich abgeschlossen.

Immerhin hat die offizielle Entschuldigung des derzeitigen Premierminister Kevin Rudd im gesellschaftlichen Umgang mit den Aborigines eine spürbare positive Veränderung gebracht. Immer mehr Aborigines haben in den letzten Jahren ein neues Selbstbewusstsein entwickelt, denn sie erfahren, dass ihre Kunst und Kultur stärker respektiert werden. So können sie an ihren Traditionen festhalten und gleichzeitig damit Geld verdienen.

In diesem Zusammenhang würde uns auch interessieren, inwieweit Sie sich hier als Botschafterin bzw. Vermittlerin der Problematik sehen?

Ich sehe mich weder als Botschafterin oder Vermittlerin. Mit diesem Buch bot sich mir nur die Möglichkeit, indigene Touranbieter zu unterstützen, indem wir ihre Produkte schon bei den deutschsprachigen potenziellen Australienreisenden bekannt machen. Ich denke, dass der Tourismusbereich für Aborigines vielfältige neue Möglichkeiten bereithält, um ihre Kultur zu leben und weiterzugeben und damit gleichermaßen Geld zu verdienen und so ihre Gemeinden zu unterstützen.

Vielleicht wollte ich in meiner „zweiten Heimat“ meinen eigenen Beitrag leisten und die Aborigines mit meinen Möglichkeiten unterstützen. Keiner der Anbieter zahlt etwas für die Auflistung im Buch. Die Kosten dafür wurden – neben einer Unterstützung von Tourism Australia  – allein von mir getragen.

Sie haben mit Tourism Australia einen sehr starken Unterstützer ins Boot geholt. Wie sieht diese Unterstützung im Detail aus?

Tourism Australia (TA) in Deutschland fand diese Idee toll und hat uns in diesem Projekt nach Kräften auf verschiedenen Ebenen unterstützt. TA hat uns auch eine gewisse Anzahl von Büchern abgekauft und diese an potenzielle Australieninteressierte weitergegeben, um das Buch dadurch bekannter zu machen.

Genauso wichtig war aber die Unterstützung von meinen beiden Mitstreitern, Stefan Ottjes und Stefanie Kernler sowie Freunden und diversen Australieninteressierten wie beispielsweise Herr Lenz von Australien-Info. Ich möchte mich an dieser Stelle dafür bei allen nochmals herzlich bedanken.

Wie ist die bisherige Resonanz in Deutschland?

Die Resonanz der Australien-Reisebüros in Deutschland auf das Buch hätte ich mir ein wenig besser vorgestellt. Verwundert war ich über die Tatsache, dass sie bisher wenig Interesse an diesem Buch zeigen, da hatten wir uns wohl etwas mehr Resonanz erhofft. Als Selbstverleger ist es außerdem reichlich kompliziert so ein „Nischen-Buch“ in die Buchläden zu bringen.

Eine abschließende Bemerkung oder einen Wunsch?

Toll wäre, wenn viele Leute das Buch kaufen, um so eine nächste Auflage finanzieren zu können.

Wir hoffen, Ihnen dabei etwas helfen zu können. Vielen Dank und viel Erfolg.

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