Der Fußball schreibt seine eigenen Geschichten. Und obwohl viele davon inzwischen Teil einer gigantischen und scheinbar allumfassenden Medienmaschinerie sind, bleibt ein Großteil nach wie vor im Verborgenen.
Im Rahmen unserer Themenwochen zu Südafrika und der Fußball-Weltmeisterschaft möchten wir heute ein weiteres Buch zum Thema Fußball in Afrika vorstellen, das eben diese Geschichten erzählt – Christian Ewers: Ich werde rennen wie ein Schwarzer, um zu leben wie ein Weißer. Die Tragödie des afrikanischen Fußballs (2010).
Nicht wenige sagen, dass das eigentliche Herz des Fußballs in Afrika schlägt. Dazu gehört auch der deutsche Journalist Christian Ewers. Seine These: Nirgendwo sonst auf der Welt besitzt das Spiel eine solche Magie, gibt es eine solche Vielzahl an Talenten. Nirgendwo sonst auf der Welt trifft der Fußball auf eine solch geballte Armut, vor deren Hintergrund er mit Hoffnungen, Sehnsüchten und Erlösungsphantasien überladen wird. Und hierin liegt wahrscheinlich auch einer der Hauptgründe, weshalb der afrikanische Fußball im internationalen Vergleich abfällt bzw. eine große Menge hausgemachter Probleme produziert.
Eine Reise durch den schwarzen Kontinent
Der Autor ist mehrere Monate durch den schwarzen Kontinent gereist und hat sich auf die Suche nach der Wahrheit hinter dem Klischee des athletischen, aber allzu verspielten afrikanischen Fußballs begeben. Während seiner Recherchen in Sansibar, Ghana, Kamerun, der Elfbeinküste und Südafrika traf er auf verzweifelte und optimistische Spieler, honorige und zwielichtige Agenten, ehrgeizige und kapitulierende Klubpräsidenten.
Kurzum, er fand eine seltsame Mischung aus wilden Geschäften, großen Plänen und jeder Menge Problemen. Vor allem aber stößt Ewers immer wieder auf den Traum vieler junger Talente, den Sprung in eine der europäischen Topligen zu schaffen. Für sie erscheinen die Clubs aus Deutschland, England, Spanien ganz nah und trotzdem gelangte bisher nur wenige afrikanische Spieler in diese Teams.
Woran scheitern die Träume vieler afrikanischer Talente?
Ewers ist auf seinen Reisen folgender Frage nachgegangen: Woran scheitern diese Talente und ihre Träume? Seine Antworten zeichnen das Bild einer komplexen Fußballkultur, die sich einerseits von den reichen Europäern ausgenommen wird, andererseits aber auch Ausdruck des afrikanischen Strebens nach Teilhabe, Anerkennung und Wohlstand ist. Die Stärke des Buches liegt vor allem darin, dass es die Spieler selbst zu Wort kommen lässt.
Der Autor hat dazu Interviews u. a. in den Townships von Kapstadt, den Jugendakademien von Kamerun und den abgewirtschafteten Traditionsclubs Ghanas geführt. Darüber hinaus aber auch den Hinterhöfen und Bolzplätzen der europäischen Metropolen einen Besuch abgestattet, wo, wie z. B. in Paris, Hunderte von Talenten, die als illegale Einwanderer nach Europa gekommen sind, darauf hoffen, doch noch von einem der Talentscouts entdeckt zu werden. Es ist der Blick in eine Welt, die vor dem Hintergrund des hektischen Profialltags und seiner medialen Dauerpräsenz verborgen bleibt.
Aber auch für afrikanische Spieler, die den Sprung in eine der europäischen Ligen geschafft haben, bleibt es schwierig hier Fuß zu fassen. Ewers lässt die Kameruner Samuel Eto’o (FC Barcelona, heute Inter Mailand) und Dorge Kouemaha (MSV Duisburg, heute FC Brügge) von ihren Problemen und dem Gefühl berichten, sich häufig fremd bzw. unverstanden gefühlt zu haben. Eto’o war es auch, der die Vorlage für den Titel des Buches geliefert hat. Die Aussage: “Ich werde rennen wie ein Schwarzer, um zu leben wie ein Weißer“ äußerte dieser 2004 nach seinem Wechsel zum FC Barcelona.
Das Buch macht weiterhin deutlich, dass auch im Geschäft des Profifußballs nach wie vor rassistische Vorurteile existieren. Einige deutliche Beispiele hierfür liefert das Interview mit dem Nigerianer Ojokojo Torunarigha, dem ersten afrikanischen Spieler im Osten Deutschlands. Trotzdem zeigen diese Gespräche zugleich auch, dass sich die Spieler nicht nur in der Opferrolle sehen, sondern ihr eigenes Schicksal in die eigene Hand nehmen wollen.
Fazit
Wer sich mit den Hintergründen des afrikanischen Fußballs und seinen Problemen, aber auch seiner Würde, beschäftigen möchte, dem legen wir Christian Ewers: Ich werde rennen wie ein Schwarzer, um zu leben wie ein Weißer unbedingt ans Herz. Das Buch schafft es auf 176 Seiten ein authentisches Bild einer Fußballkultur zu skizzieren, deren Geschichten zumeist abseits der medialen Berichterstattung erzählt werden.
Es sind unbequeme Wahrheiten, die hier zu Tage kommen und einen deutlichen Kontrast zur Glitzerwelt des Profifußballs zeichnen. Betrachtet man sich diese Geschichten vor dem Hintergrund des Fifa-Zirkus Fußball-Weltmeisterschaft, so sind sie gerade deshalb unbedingt erzählenswert. Daher sprechen wir eine klare Empfehlung aus.
Kurzinfo:
Christian Ewers:
Ich werde rennen wie ein Schwarzer, um zu leben wie ein Weißer. Die Tragödie des afrikanischen Fußballs.
Gütersloher Verlagshaus; 2. Auflage 2010.
Preis: 17, 95 Euro – überall im Buchhandel erhältlich.
Weiter Infos auf der Website des Verlags







Hört sich spannend an!