Pura Vida – das Leben genießen: Interview mit Volunteer Svenja Handermann

27
Jul

Die Uhren ticken anders in Costa Rica. Das kann Svenja Handermann bestätigen, die für einige Wochen als freiwillige Helferin in einem lokalen Schulprojekt mitwirkte. Ein Gespräch über Puzzlespiele, kulturelle Unterschiede und die Frage, was die Menschen glücklich macht.Freiwilligenarbeit Costa Rica: Svenja Handermann

Stepin: Du hast vor Ort in einem Sozial-Projekt gearbeitet. Wie kam es zu dieser Entscheidung? Was genau hast du gemacht?

Svenja Handermann: Ich habe im Februar mein Lehramtsstudium für Grundschule beendet und wollte die Zeit zwischen Studienende und Beginn des Referendariats sinnvoll nutzen. Da ich schon immer sehr reisefreudig war, wollte ich dies im Ausland tun! J Für Lateinamerika hatte ich auch schon länger ein größeres Interesse und kam durch Zufall auf Costa Rica, nachdem ich mich für die Agentur StepIn entschieden hatte. Für mich war klar, dass ich auf jeden Fall irgendetwas mit Kindern tun wollte, am besten in einer Schule o.ä.

Vor Ort bin ich dann an eine kleine High School in Samara Beach an der Westküste Costa Ricas gekommen. Es handelte sich um eine internationale, bilinguale Schule mit Vorschule und Grundschule. Ich war immer in der Vorschule dabei, in der etwa zwölf Kinder sind.Freiwilligenarbeit Costa Rica: Svenja Handermann

Wie sah dein Tagesablauf aus?

Ab 8 Uhr in der Früh war offenes Spielen angesagt, in denen die Kinder sich mit Spielen ihrer Wahl beschäftigen konnten, wie beispielsweise Puzzeln, mit Bauklötze hantieren etc.). Ab halb neun Uhr wurde dann eine halbe Stunde gesungen und getanzt, bevor wir uns danach im Sitzkreis versammelten, um die Themen des Tages zu besprechen. Um halb zehn gab es dann die erste größere Pause. Alle Kinder aßen ihr mitgebrachtes Frühstück und haben danach bis zur Mittagszeit noch im Garten gespielt. Von 11 bis 12 Uhr fand die sogenannte »Table-Time« statt, in der die Kinder je nach Alter entsprechend unterschiedlich Arbeitsblätter für Mathematik und Rechtschreibung bearbeiten mussten. Auch die Kreativität kam nicht zu kurz. Täglich wurde viel gebastelt. Es war eine tolle Erfahrung mitzuerleben, wie sich die Kinder in den kurzen vier Wochen entwickelt haben und welche Mühe sich alle Beteiligten daran geben.Freiwilligenarbeit Costa Rica: Svenja Handermann

Was rätst du zukünftigen Volunteers?

Als Tipps kann ich zukünftigen Voluntären mitgeben, dass es nicht auf die Zeit ankommt, die man dort verbringt, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute für alles dankbar sind, was man ihnen gibt, egal ob es 2, 4 oder 12 Wochen sind!

Sie sind um jede freiwillige Hilfe mehr als dankbar, da die Gehälter dort für Lehrer (und vermutlich auch in anderen Bereichen) um mehr als die Hälfte geringer ausfallen als in Deutschland und sie daher auch immer auf freiwillige Unterstützung angewiesen sind.Freiwilligenarbeit Costa Rica: Svenja Handermann

Natürlich darf man auch nicht zu viel erwarten, denn trotz meiner Vorfreude war die Arbeit vor allem mit den kleineren Kindern sehr anstrengend, wozu auch die klimatischen Verhältnisse noch ihren Teil beitrugen. Des Weiteren gibt es nicht so viele moderne Arbeitsmittel, Materialien und Spielzeug, wie wir es vielleicht von Deutschland gewohnt sind. Daher sind die Einheimischen auch um alles dankbar, was man ihnen mitbringt. Seien es Luftballons oder Spielzeugautos. Selbst meine »alten« Klamotten wurden dankbar angenommen.

Generell kann ich noch sagen, dass man sehr anpassungsfähig sein sollte. In Ländern wie Costa Rica ticken die Uhren anders. Es herrscht längst nicht so ein Chaos und Stress wie in den westlichen Ländern, wo es meist nur auf materielle Dinge ankommt. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute das Leben einfach nur genießen – Pura Vida! – und sich niemals aus der Ruhe bringen lassen. Sie sind zufrieden mit dem, was sie haben, selbst wenn es nur eine kleine Holzhütte ist, in der teilweise die Betten im Freien stehen und die Tiere durch alle Öffnungen kommen.Freiwilligenarbeit Costa Rica: Svenja Handermann

Mir persönlich ging es so, dass ich mich nach anfänglichen Zweifeln sehr schnell an alles gewöhnt habe, z.B. daran, dass man das Toilettenpapier nicht in die Toilette, sondern in einen neben der Toilette stehenden Mülleimer werfen soll. Oder dass man nicht immer Internetzugang hat, abends vor dem Schlafengehen kein Fernsehen mehr schaut, beim Weggehen oder im Allgemeinen nicht mehr so sehr darauf achtet, wie man aussieht, keine drei Autos, die neuesten Techniken u.s.w. haben muss, um ein zufriedenes Leben zu führen…

Svenja, wir danken dir für das Gespräch.

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