Ein Tuk Tuk, das ist so eine Art Motorroller mit einem Anhänger auf dem Fahrgäste Platz finden. Ein Freilufttaxi, oft liebevoll bemalt oder geschmückt und in den allermeisten Fällen blitzblank aufpoliert. Fährt man in so einem Mobil durch Kambodscha, gibt es unheimlich viel zu sehen, zu riechen und zu erleben. Alles ist so Durcheinander, und das auf eine ganz faszinierende Art. ‚Kraut und Rüben’, wo ich nur hinblicke. Das Tuk Tuk braust relativ schnell durch die Landschaft. Dementsprechend unsortiert ziehen die Bilder an mir vorbei, wie soll ich das alles verarbeiten? Ich bin gefesselt, dabei sitze ich doch einfach nur rum und gucke in die Gegend. Diese Fahrt ist wie ein spannender Farbfilm. Doch dieser Film ist so viel besser als Kino.

Weltneugier: Kambodscha - Killing Fields - 1 (Gastartikel Dorothee Lefefering)
Zwanzig Minuten braucht das Tuk Tuk, um aus Phnom Penh heraus zu kommen. Halbnackte Kleinkinder spielen mit Hühnern und Hunden. Ihre Eltern stehen hinter schnell zusammengeschusterten Marktständen und verkaufen Obst und Gemüse. Nebenan verkauft eine Tankstelle ihren Sprit in Plastikflaschen.

Weltneugier: Kambodscha - Tankstelle Killing Fields (Gastartikel Dorothee Lefefering)

Auf den leicht überfluteten Feldern stehen gebückte Menschen und pflanzen Reis. Quer über die Straße hängt eine Leine mit getrocknetem Fisch. Auf den Bürgersteigen und am Straßenrand türmt sich der Müll. Es ist heiß, die Luft ist feucht.

Weltneugier: Kambodscha - Killing Fields - 3 (Gastartikel Dorothee Lefefering)

Abrupt kommt das Tuk Tuk zum Stehen und für einen kleinen Moment bin ich verdutzt. Wir sind da, bei Choeung Ek, den Killing Fields. Ich hatte kaum Zeit, über mein Ziel nachzudenken. In meinem Kopf herrscht doch noch immer dieser Wirrwarr aus Eindrücken. Halbnackte Kleinkinder spielen mit Hühnern und Hunden…

Am 17. April 1975 haben die Roten Khmer die Kontrolle über Kambodscha übernommen. Die Schreckensherrschaft die im ‚Jahr Null’ begann, resultierte im Autogenozid. Pol Pot und seine Kameraden wollte Kambodscha komplett von der Außenwelt isolieren, alles Westliche ausmerzen und Kambodscha in einen Bauernstaat umwandeln. Lehrer, Polizisten, Journalisten, quasi alle Angehörigen der Mittelklasse wurden zu Feinden des Regimes erklärt. Es reichte schon, eine Brille zu tragen. Die Kambodschaner wurden einer Gehirnwäsche unterzogen, jeder spionierte jeden aus. In den knapp vier Jahren starben fast zwei Millionen Menschen. An Hunger, an Erschöpfung, sehr viele wurden ermordet. In Choeung Ek, den Killing Fields fand man seit 1975, nach dem Sturz der Roten Khmer, 9.000 Leichen in Massengräbern.

Weltneugier: Kambodscha - Killing Fields - 4 (Gastartikel Dorothee Lefefering)

Schlucken muss ich, als ich die aufeinander getürmten Schädel der Opfer anstarre. Ich stehe vor dem Mahnmal, einem hohen Turm. Schädel von jugendlichen Mädchen im Alter von 15 – 20 Jahren, erklärt ein Schild. Wie konnte ein Volk sich selber töten?

Beim Spaziergang durch die Anlage fällt mir eine Gruppe auf, die alle ganz gebannt auf den Boden starren. Ich geselle mich zu ihnen und stelle ungläubig fest, dass aus dem Lehmboden ein Zahn ragt. Erst danach fällt mir auf, dass hier und da Kleidungsstücke im Boden stecken. Ein Stück einer verblichenen schwarzen Bluse! Schnell wird mir klar, dass ich auf den Überresten von Leichen spaziere ….den Killing Fields!

Weltneugier: Kambodscha - Killing Fields - 5 (Gastartikel Dorothee Lefefering)Ein Gastartikel von Dorothée Lefering.

avatar

Erkundet und berichtet von: Gastautor

Unsere Gastautoren sind Weltneugierige, die uns mit Erkundungsberichten aus aller Welt den Tag versorgen. Sozusagen Gasterkundungen.

Tags: , , ,

Schreib einen Kommentar