Neuseeland ist bei jungen Reisenden ein besonders beliebtes Zielland – und das für ganz unterschiedliche Programme: High School, Work & Travel, Auslandspraktikum, Freiwilligenarbeit, Au-pair oder den klassischen Sprachurlaub. Allen Aufenthalten gemein ist die begrenzte Zeit, die die Sprachschüler oder Praktikanten bei den Kiwis verbringen.
Die deutsche Journalisten und Autorin Anke Richter lebt demgegenüber seit einigen Jahren mit ihrer Familie in Christchurch und hat ihre Erfahrungen und Erlebnisse in Buchform veröffentlicht. Unter dem Titel: Was scheren mich die Schafe (Kiepenheuer & Witsch) berichtet sie offen und ehrlich, vor allem aber mit viel Humor vom Alltagsleben einer Auswanderin. Wir hatten Gelegenheit, Frau Richter für ein kurzes Interview im Rahmen unserer Themenwoche Neuseeland zu gewinnen.
Frau Richter, Sie haben Neuseeland nicht nur für einige Monate bereist, sondern leben mit Ihrer Familie auf der Südinsel und haben über Ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben. Wie ist die Idee zu dem Buch entstanden?
Ich schreibe seit vielen Jahren eine satirische Kolumne für die taz, “Neues aus Neuseeland“. Dadurch sind ein paar Verlage auf mich aufmerksam geworden. Die stellten sich mein Leben hier sehr drollig vor, was es gar nicht ist – nur bestimmte Aspekte sind wirklich komisch. Die habe ich dann überspitzt herausgearbeitet. Daher ist das Buch halb Roman, halb Reportage.
Welche Zielsetzung haben Sie beim Verfassen des Textes verfolgt? Hatten Sie ursprünglich an ein Ratgeberbuch gedacht oder war es von vornherein klar, in welche Richtung Sie mit dem Konzept gehen wollten?
Am Anfang war die Handlung noch viel fiktionalisierter, weil ich nicht vorhatte, eins zu eins über mein tägliches Leben zu schreiben – das habe ich bereits einmal getan, nach einer langen Auszeit auf einem Atoll in der Südsee („Zweihundert Tage in Tokelau“, Piper). Mein Buch ist eher eine Persiflage all der Ratgeber und vor allem dieser peinlichen Auswanderer-Dokus im Privatfernsehen.
Der Untertitel „Unter Neuseeländern“ führt uns zur nächsten Frage: Was ist denn aus Ihrer Sicht typisch deutsch?
Korrekt sein, pünktlich, akkurat. Auf Klärung aller Probleme beharren, alles ausdiskutieren müssen, nichts unter den Tisch fallen lassen können. Immer in die Tiefe gehen wollen. Insistieren, kritisieren, korrigieren. Eine gewisse Unentspanntheit – sehr kopflastig sind wir. Wir sind zu recht nicht gerade für unsere Lockerheit, Höflichkeit oder unseren Humor berühmt…
Im Positiven: Verlässlich, intellektuell, ehrlich, gründlich. Hat ja auch was!
Sie leben schon seit längerer Zeit in Neuseeland. Uns würde interessieren, ob Sie als „die“ Deutsche bei den Neuseeländern gelten oder die Herkunft ab einem bestimmten Zeitpunkt bei Begegnungen, Gesprächen etc. keine besondere Rolle spielt.
Bei meinen Freunden und all den Leuten, die ich kenne, spielt das sicher keine besondere Rolle, aber dennoch ist meine Nationalität immer Teil meines Profils, meiner Außenwirkung – allein schon durch meinen Akzent, auch wenn der nicht sehr stark ist. Für viele Kiwis bin ich sicher nicht sofort als Deutsche wahrnehmbar, dazu ist mein Auftreten und Aussehen wohl schon zu angepasst.
In mehreren Kapiteln behandeln Sie das Verhältnis der Maori und den Pakeha. Wie nehmen Sie es aus Ihrer Perspektive wahr?
Neuseeland ist für mich vorbildlich, was bikulturelles Zusammenleben angeht. Die Haltung, dass Pakeha von Maori lernen können und nicht umgekehrt, herrscht vor. Natürlich gibt es soziale Unterschiede, aber das, was der Staat in den letzten 30 Jahren getan – und was Maori getan haben, um sich zu emanzipieren und an Einfluss zu gewinnen – ist wirklich beeindruckend. Australien sollte sich schämen…
Sie sind am 19. März anlässlich der Leipziger Buchmesse auf Deutschlandbesuch. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Auf all die Lesungen, keine Fragen, denn die werden lustig – ich habe alle viele Souvenirs aus Neuseeland mitgebracht, selbst nicht ganz jugendfreie. Dann freue ich mich mehr denn je, meine Familie und Freunde zu sehen. Die hatten große Sorge um ums, weil wir im Februar ein schweres Erdbeben in Christchurch überlebt haben. Es wird ein emotionales Wiedersehen.
Und natürlich freue ich mich auf deutsche Brezen, Käse, Schinken…und Kultur!
Und in unserer guten Tradition der berühmt-berüchtigten letzten Worte (…) hier ist Ihre Chance. :-)
„She’ll be right, mate“ – so ein Standardspruch der Kiwis, um Fünfe gerade sein zu lassen und sich nicht so einen Kopf zu machen. Ein bisschen mehr Zwangsoptimismus täte uns allen gerade sehr gut. Und atomfrei werden – wie Neuseeland.
Vielen Dank.
Buchverlosung: Mitmachen und gewinnen!
Stepin verlost acht Exemplare von Anke Richteres Was scheren mich die Schafe. Beantwortet einfach folgende Frage: Wie bezeichnen die Maori die ersten europäischen Siedler Neuseelands? Sendet Eure Antwort per E-Mail an verena.hanneken@stepin.de Achtung: Name und Anschrift nicht vergessen! Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt und auf der Homepage von Stepin veröffentlicht.
© Foto: Dean MacKenzie







Hallo. Ich bin eine der glücklichen Gewinner des Buchgewinnspiels zu “Was scheren mich die Schafe”. Mittlerweile habe ich das Buch gelesen und kann es nur wärmstens weiterempfehlen. Als ehemalige Teilnehmerin des Working Holiday in NZ, konnte ich auffällig viele Begebenheiten wiedererkennen, denen ich einfach nur zustimmen kann. Hier werden mit viel Humor so ziemlich alle Fettnäpfchen aufegeführt, in die man als Deutscher so treten kann. Vielen Dank für dieses Werk. Und für den Tipp zu Sirocco, the famous Kakapo! http://www.youtube.com/watch?v=9T1vfsHYiKY
Ich habe sehr gelacht :-)