Gastartikel: Botswana. Thank you. We love you. And come again

12
Mrz

Zum Start in die neue Woche gibt es einen neuen Gastartikel bzw. Reisebericht unserer Gastautorin Dorothée Lefering. Bisher hatte Dorothée für uns ja schon über verschiedene Reisen nach Asien und in einem Interview über ihren Alltag in Australien berichtet – heute nimmt sie uns mit auf eine Reise auf den afrikanischen Kontinent, genauer gesagt auf einen Trip nach Botswana.

Man kann doch nicht im Urlaub mit dem Wagen von Kapstadt in Südafrika zum Okawango Delta in Botswana fahren. Mehr als 2.000 km macht eine Strecke aus, das ist doch viel zu weit. Man kann doch nicht ganz alleine durch Botswna fahren, ohne Reisegruppe. Das ist doch viel zu gefährlich. Man kann doch nicht in Botswana campen. Da muss man sich in eine Safari-Lodge einbuchen. Man braucht einen Ranger, der einem alles zeigt und erklärt …

Weltneugier: Botswana - ReisevorbereitungAll die geäußerten Bedenken schwirren mir durch den Kopf, als ich mich im Morgengrauen im Stadtteil Tamboerskloof in Kapstadt in meinen Landrover setze und mich trotzdem auf den Weg nach Botswana mache. Es ist nicht so, als hätte ich mich nicht vorbereitet auf diese Reise. Gelesen habe ich alle Bücher von Alexander McCall Smith aus der Serie The No 1 Ladies Detective Agency. Dabei habe ich eine ganze Menge gelernt über das Leben in Botswana. Wie man sich zu verhalten hat, wenn man auf eine Schlange trifft, das weiß ich aus meinem Alltag in Australien. Zugegeben, die eine oder andere Outdoor-Zeitschrift habe ich auch im Detail studiert. Wasserkanister, Spritkanister, Reifenpumpe, Ersatzreifen, Lebensmittel plus Kochausrüstung habe ich alles dabei. Ich habe mir fest vorgenommen, meinen Ausflug gut zu überstehen.

Medizin gegen Liebeskrankheiten

Botswana wird gerne auch die Schweiz Afrikas genannt. Nicht weil es dort so unheimlich viele Berge gibt, es bezieht sich auf den wirtschaftlichen Erfolg des Landes. Ganze drei Tage benötige ich für die Fahrt nach Maun in Botswana. Ungefährlich war die Fahrt bei Weitem nicht. In Botswana grasen Esel, Ziegen und Rinder unbeschwert und frei. Man muss wirklich aufpassen, niemanden der Kollegen zu überfahren. Alle paar Stunden sieht man einen Unglücksraben im Straßenrand liegen. Der Anblick einer toten steifen Kuh, deren Beine in die Luft ragen, ist kein besonders erbauender. Das habe ich in der Schweiz in dieser Form noch nie erlebt. Genau so wenig wie Kleinanzeigen von Heilern, die Medizin anbieten gegen allerhand Liebeskrankheiten, Glück im Spiel oder die dem Vieh zu mehr Kälbchen verhilft.

Weltneugier - Botswana - AnreiseRühreier und Kaffee auf dem Lagerfeuer

Leicht unbehaglich ist mir schon zumute, wenn ich in den nicht umzäunten Camps im Moremi, Chobe oder Savuti Nationalpark auf dem Lagerfeuer Rühreier oder Kaffee koche. Egal, ob in Khwai, Savuti, Linyanti, Xakanaxa, Third Bridge oder Maqwee, ständig erwarte ich, dass ein Löwe mich angreift. Warum nicht? Man hört die verrücktesten Dinge. Zum Sonnenaufgang mache ich mich auf den Weg, dann ist die Chance Tiere zu sehen am höchsten, es ist noch nicht so heiß und sie kommen zu den Wasserlöchern, um zu trinken.

Weltneugier: Botswana - Elefant

Seitdem ich mir den afrikanischen Himmel vor Jahren zum ersten Mal anschauen durfte, kriege ich den Anblick nicht mehr aus dem Kopf. Auch hier ist der Himmel weit und die Wolken riesig, ich bin glücklich. Von Löwen angegriffen werde ich nicht, auch nicht von Nilpferden, von denen man in den Wasserlöchern meistens nur die Augen über Wasser sieht, genau so oft ebenfalls ihre weit aufgerissenen Mäuler.

Weltneugier: Botswana - Elefant versperrt Weg

Die Elefanten, die mir andauernd den Weg versperren und ihre Ohren aufstellen, lassen mich unbeschadet von dannen fahren. Noch nicht einmal gefressen werde ich von den Krokodilen, die ich bei einer Bootstour durch das mit Seerosen bedeckte Delta entdecke. Auch als ich mal ein wenig Luft nachtanken muss, springt mir kein Pavian an den Rücken.

Weltneugier: Botswana - Bootstour DeltaAm Elefantenbaum links

Sogar das ewige Herumirren und Verfahren auf den tiefen Sandpisten in sengender Hitze überlebe ich. Die Ranger unterstützen mit gut gemeinten Ratschlägen und Hinweisen. „Wissen sie, da am Elefantenbaum, müssen sie leicht links und bei der Flussdurchfahrt sollten sie sich stark rechts nahe dem Ufer halten.“ Nicht einfach, wenn man nicht im Entferntesten ahnt, wie ein Elefantenbaum aussieht, mit ein wenig gutem Willen durchaus machbar, auch für einen City Slicker wie mich.

Weltneugier: Botswana - Flussdurchfahrt

An einem Tag suche ich sage und schreibe um die sieben Stunden nach einer Abbiegung, die mich ans Ziel führen soll. Bestimmt fühlen alle anwesenden Giraffen und Elefanten sich in ihrer Annahme bestätigt, dass es für Zweibeiner nicht immer so ganz einfach ist, sich in der Wildnis zurechtzufinden. Haben die etwa gerade mit dem Kopf geschüttelt? Zwei Stunden vor Einbruch der Dunkelheit finde ich sie dann, die Piste. Und tatsächlich, das ist die kleine mickrige inmitten von Büschen gelegene, in welchem mich mein GPS schon den ganzen Tag senden wollte. Hätte ich da bloß mal drauf gehört. Doch das erschien mir so unglaublich abwegig. Kommt davon … Nach zwei weiteren Stunden im Auto baue ich in der Dämmerung meinen Campingtisch auf. Und die Hyänen? Schon wieder „fressen“ sie mich nicht.

Weltneugier: Botswana - SandpistenIch liebe dich auch Botswana

Die Eindrücke sind nur schwer zu verarbeiten. Abends tanzen unzählige Glühwürmchen durch die Nacht. Hintergrundmusik ist das Froschquaken. Alles scheint wie im Traum. Auch heute, ich bin schon lange wieder daheim in Australien, kann ich immer noch nicht glauben, dass ich dort war. In den Nationalparks gibt es diese Schilder: „Botswana. Thank you. We love you. And come again.” Ich sitze am Strand, schaue auf den Südlichen Ozean und denke: „Ich liebe dich auch Botswana.“

Weltneugier: Botswana: (...) gewusst wieTipps und Schlusswort

Man kann nicht einfach in Botswana eintreffen und erwarten, dass man reingelassen wird in einen Nationalpark. Um nicht weggeschickt zu werden, kann man sein Eintreffen im Voraus anmelden. Neben der Malaria Prophylaxe plus anderen Impfungen und einer vollständigen Ausrüstung für den Busch, ist das wirklich das Einzige was es zu Planen gibt. Vor Abreise mit einem Arzt sprechen und die eine oder andere Reisebibel lesen. Und natürlich die Alexander McCall Smith Romane The No 1 Ladies Detective Agency. Die kann man so oder so lesen, dann ist es so als sei man in Botswana. Eine Reise durch Botswana ist nicht mit einem Spaziergang im Park zu verwechseln.

Ein Gastartikel von Dorothée Lefering.

avatar

Über Gastautor

Unsere Gastautoren sind Weltneugierige, die uns mit Erkundungsberichten aus aller Welt den Tag versorgen. Sozusagen Gasterkundungen.

Alle Artikel von Gastautor

Ein Kommentar

  1. avatar Manu sagt:

    Vielen Dank für die tollen Berichte….
    Sehr interessant und informativ.