Als Joseph Blatter am 16. Mai 2004 Südafrika in Zürich als Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 bekannt gab, wurden große Hoffnungen geweckt.
Die junge Demokratie am Kap ist das erste afrikanische Land überhaupt, das diesen Mega-Event ausrichten wird. Neben der Chance, sich nach den Jahren der Rassentrennung als offene und gastfreundliche Nation zu präsentieren, die ihre politischen und sozialen Probleme versucht in den Griff zu bekommen, erhoffte sich vor allem die Tourismusbranche eine kräftige Umsatzsteigerung durch den erwarteten Ansturm der Fußballfans aus aller Welt.
Die tatsächliche Bedeutung der WM für Südafrika geht allerdings weit über die Tatsache hinaus, dass dieses sportliche und mediale Großereignis zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent stattfinden wird. Denn aufgrund der Größe der Veranstaltung und den notwendigen finanziellen Investitionen erhofft man sich von politischer Seite vor allem langfristige Auswirkungen auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes.
Waren die diesbezüglichen Erwartungen der südafrikanischen Bevölkerung zunächst noch euphorisch, stellt sich das Meinungsbild in den letzten Jahren wesentlich ambivalenter dar. Ein zentraler Aspekt dieses Wandels ist die Forderung, dass von der WM nicht nur die großen Unternehmen bzw. reichen Bürger des Landes, sondern auch Armen profitieren sollten. Vor diesem Hintergrund steht die amtierende Regierung unter Jacob Zuma vor der Herausforderung, nicht nur ein den internationalen Ansprüchen genügendes Turnier auf die Beine zu stellen, sondern eben auch die Chance zu ergreifen, das sportliche Großereignis im Sinne des Nation Building zur Überwindung der immer noch bestehenden Klassengegensätze zu nutzen. Ob dieses Unterfangen gelingt, wird sicherlich stark davon abhängen, wie die internationale Gemeinschaft die WM im Rückblick bewerten wird und ob die südafrikanische Bevölkerung das Gefühl erhält, von der Weltmeisterschaft profitiert zu haben.
Ke Nako – Es ist hier! Die Weltneugier wird sich diesem Themenkomplex in den nächsten Tagen mit einer mehrteiligen Artikelserie nähern und das WM-Turnier zum Anlass nehmen, verschiedene Aspekte Südafrikas, seiner jüngeren Geschichte und der Rolle des Sports vorzustellen.





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