Nach der Mittleren Reife:
Im Ausland die eigenen Talente entdecken
Realschulabschluss in der Tasche – und was nun? Rund 350.000 jungen Menschen stellt sich nach dem Erwerb der Mittleren Reife zum Schuljahresende genau diese Frage. Für die meisten führt der Weg direkt in die Berufsausbildung, doch die Wahl des optimalen Ausbildungsberufs gleicht oft einem Stochern im Nebel. Die kurzen Praktika während der Schulzeit können bestenfalls erste Einblicke in die Berufswelt vermitteln. Doch um die eigenen Talente wirklich zu entdecken und eine geeignete Berufswahl zu treffen, die den weiteren Lebensweg maßgeblich bestimmt – dafür bedarf es einfach mehr.
Ein Schulaufenthalt im Ausland kann hier ganz neue Perspektiven eröffnen: Besonders Schulen in Kanada, Australien und Neuseeland bieten Schülern praxisorientierte Fächer, die es ihnen erlauben, ihre Fähigkeiten, Neigungen und Talente zu entdecken – und das, ohne sich gleich für eine dreijährige Lehre zu verpflichten. So gibt es in den oben genannten Ländern an vielen Schulen Kurse wie Automechanik, Gastronomie, Tontechnik, IT oder Webdesign. Eine tolle Gelegenheit, unter der Anleitung von erfahrenen und engagierten Lehrern unterschiedliche Tätigkeitsfelder kennen zu lernen. Ein weiterer Vorteil: Die Zeit im Ausland fördert die Selbstständigkeit und stärkt das Selbstvertrauen. Ein unschätzbarer Vorteil im Wettbewerb um einen Ausbildungsplatz.
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Mut fassen und Eigeninitiative zeigen
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Während ein Auslandsaufenthalt bei Gymnasiasten heute fast selbstverständlich ist, tun sich Realschüler mit diesem Schritt schwerer. Da ist zum einen die Furcht, dass die in der Realschule erworbenen Fremdsprachenkenntnisse nicht gut genug sind, um damit im Ausland zurechtzukommen. So ging es auch Niklas Arens, der eine High School in Truro, Nova Scotia, Kanada besuchte:
»Ich war vor meiner Ankunft in Kanada schon ein wenig unsicher, doch ich habe mich bereits nach ein paar Tagen ganz gut ins kanadische Englisch eingehört. Nach circa vier Wochen habe ich mich in dieser Sprache dann wirklich zu Hause gefühlt. Es war gut zu wissen, dass es einen speziellen ESL-Kurs (English as a Second Language) für Nicht-Muttersprachler gibt, doch den größten Nutzen habe ich aus dem direkten Kontakt mit meiner Gastfamilie sowie Mitschülern, Freunden und Lehrern gezogen.«
Ein weiterer Grund dafür, dass weniger Realschüler ins Ausland gehen: Das Thema steht an der Realschule nicht so sehr im Fokus wie an Gymnasien, wo Auslandsaufenthalte vielerorts offensiv gefördert werden. »Nicht entmutigen lassen und Eigeninitiative zeigen«, rät Niklas Arens.
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Traumberuf gefunden, Perspektiven entwickelt
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Für Niklas Arens war sein fünfmonatiger Aufenthalt an einer High School in Truro, Nova Scotia, ein echter »Türöffner« für seine berufliche Laufbahn. Heute macht der 19-Jährige eine Ausbildung zum Schreiner mit dem Schwerpunkt Innenausbau – genau die richtige Wahl, wie er inzwischen weiß.
Für Kanada entschied sich der Azubi, da dort viele Schulen praktische Fächer anbieten. »An meiner Schule gab es eine Wood Working-Klasse. Da konnte ich meine handwerklichen Fähigkeiten unter professioneller Anleitung erweitern«, erinnert er sich gerne. »Das hat mir sehr dabei geholfen zu erkennen, dass das Schreinerhandwerk mein Traumberuf ist.«
Bei der späteren Suche nach einem Ausbildungsplatz profitierte er ebenfalls von seinem Kanada-Aufenthalt: »Im Ausland leben – das macht einen selbstständiger und offener im Umgang mit anderen Menschen. Teamwork wird an kanadischen Schulen viel stärker gefördert als bei uns. Auch die Tatsache, dass ich mich während meines Schulaufenthalts gezielt auf die Lehre als Schreiner vorbereitet habe, kam gut bei meinem jetzigen Arbeitgeber an«, freut sich der 19-Jährige.
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