Interview mit Prof. Dr. Schneider (BAEL - Uni Bonn): Vom sprachlichen Kulturschock zum Lernen einer Fremdsprache
Wie verläuft eigentlich der Prozess der Aneignung einer Fremdsprache während eines längeren Auslandsaufenthaltes? Und welche Faktoren haben diesbezüglich den größten Einfluss?
Dieses Gebiet der „pragmatischen Kompetenz“ wird von Professor Dr. Klaus P. Schneider, Inhaber des Lehrstuhls BAEL (Bonn Applied English Linguistics), und seinen Mitarbeitern am Institut für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie der Universität Bonn erforscht.
Im Rahmen einer Langzeitstudie soll dabei hauptsächlich herausgefunden werden, inwiefern ein Auslandsaufenthalt zur Entwicklung von sprachlicher und kultureller Kompetenz beiträgt. Zu diesem Zweck füllen unsere Stepin High School Schüler vor, während und nach ihrem Aufenthalt Fragebögen aus.
Da Stepin seit 2010 mit BAEL kooperiert, war es an der Zeit, Professor Schneider zu einem Interview einzuladen, um sowohl mehr über die Hintergründe der Kooperation als auch seine Einschätzung der Vorteile eines Auslandsaufenthaltes zu erfahren.
Die Kooperation als großer Gewinn für alle
Einleitend wollten wir natürlich wissen, wie der Sprachwissenschaftler der Universität die Kooperation bewertet und welche Vorteile er für beide Seiten darin sieht: „Während Stepin über die Kontakte zu zahlreichen Schulen im nahezu gesamten englischsprachigen Ausland verfügt, die für unsere Forschungen von großem Wert sind, können wir aus der Perspektive der linguistischen Pragmatik eine wissenschaftlich begründete Empfehlung geben, dass ein Auslandsaufenthalt sinnvoll und gewinnbringend für die Teilnehmer ist.“
Auch Stepin-Geschäftsführer Matthias Ohm ist von der Zusammenarbeit überzeugt und rechnet mit einer regen Teilnahme der Stepin-Teilnehmer: „Dem Sprachlernprozess im Gastland auf die Spur zu kommen, ist eine spannende Angelegenheit.“
Einer der entscheidenden Faktoren hierbei sei die Dauer eines Auslandsaufenthaltes: „Je länger, desto besser“, so Schneider, denn es “ist davon auszugehen, dass z.B. während eines 10-monatigen Auslandsaufenthalts die Aneignungsprozesse des natürlichen Spracherwerbs wesentlich stärker zum Tragen kommen als dies bei einem 6-wöchigen Aufenthalt der Fall ist.“
Neben der Länge ist aber auch die Wahl des Ziellandes von Bedeutung. So fragen viele Eltern diesbezüglich immer wieder, in welchem Land denn das beste Englisch gesprochen wird. Für Schneider stellt dies allerdings keine linguistische Frage dar: „Zwar hat sich im Englischunterricht der deutschen Schulen die britische Norm als Standard durchgesetzt, jedoch ist damit ja noch nichts über die vermeintliche Qualität der anderen Varietäten des Englischen ausgesagt. Darüber hinaus sind „gut“ oder „schlecht“ ja keine Kriterien unserer Forschung, sondern am BAEL geht es uns ja gerade darum, die Unterschiede zwischen den Varietäten zu erforschen bzw. wissenschaftlich zu dokumentieren…“
So unterschiedlich wie die Varietäten, also die regional verschiedenen Formen des Englischen, sind auch die Auswirkungen auf das Schulenglisch der High School-Teilnehmer. Denn obwohl man davon ausgehen kann, dass „sich ein längerer Auslandsaufenthalt auf jeden Fall positiv auf die fremdsprachliche Kompetenz eines Kindes bzw. Jugendlichen auswirkt“, sind auch viele andere Faktoren entscheidend dafür, ob man sich auch in seiner Englisch-Note verbessert. Ein Beispiel seien die eigenen sprachlichen Vorlieben und Erfahrungen des Lehrers. Damit Lehrkräfte die Besonderheiten der einzelnen Varietäten besser einschätzen und verstehen können, müssten nach Ansicht von Prof. Schneider die Universitäten hierauf zukünftig verstärkt Schwerpunkte in der Lehrerausbildung setzen.
Im Bezug auf ihr Schulenglisch machen viele Schüler besonders in den ersten Wochen die Erfahrung, dass es oft stark von den im jeweiligen Gastland gesprochenen Varietäten des Englischen abweichen kann. Dieser „sprachliche Kulturschock“ gehört laut Professor Schneider aber zum „natürlichen Prozess“ des Lernens und sei somit „eine völlig normale Erfahrung im Verlauf der verschiedenen Phasen der Aneignung der Fremdsprache.“
Als Vater und Privatmann betont Schneider abschließend, dass er im Hinblick auf die Auslandserfahrungen seiner Kinder vor allem deren Persönlichkeitsentwicklung während dieser Zeit positiv beobachten konnte: „Gerade das Bewusstwerden und Anerkennen von Unterschieden zwischen Zuhause und dem Gastland halte ich dabei für einen zentralen Punkt, da durch die hier gemachten Erfahrungen ein ganz anderes Reflexionsniveau erreicht wird und die Kinder wesentlich „erwachsener“ zurückkehren.“
Wer mehr über die Hintergründe der Kooperation und der Studie erfahren möchte, findet das komplette und ausführliche Interview auf unserem Blog zur High School Info-Tour.
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