Auslandsaufenthalte
Kleine Schule, großartige Erlebnisse
Anna Wielgoss verbrachte zehn Monate an einer kleinen Schule in der Stadt Bozeman im US-Bundesstaat Montana. Ihre Mutter Inge berichtete Stepin, wie sie diese Zeit erlebte.
Stepin: Was hat Ihre Tochter dazu motiviert, an eine High School im Ausland zu gehen?
Frau Wielgoss: Anna hatte bereits an zwei Sprachreisen nach England teilgenommen und wollte unbedingt auch einmal für längere Zeit ins Ausland. Da sie ein großer USA-Fan ist, hat sie sich dann über die unterschiedlichen Möglichkeiten informiert, an eine Schule im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu gehen. Nach Sichtung unterschiedlicher Broschüren und Internetangebote fiel ihre Wahl auf das USA-Programm von Stepin.
Stepin: Für welche Aufenthaltsdauer haben sie sich entschieden?
Frau Wielgoss: Ursprünglich hatte Anna geplant, zehn Monate lang ins Ausland zu gehen. Liebeskummer hat dann dazu beigetragen, dass sie sich zunächst nur für einen fünfmonatigen Aufenthalt entschied. Im Land hat es ihr aber so gut gefallen, dass sie doch auf zehn Monate verlängerte.
Stepin: Welche Erfahrungen hat sie in ihrer Gastfamilie und an ihrer Schule gemacht?
Frau Wielgoss: Sowohl die Gastfamilie als auch die Schule waren ein Volltreffer. Anna wohnte beim Schulleiter, die Familie hat sie direkt als ‚neues Familienmitglied’ akzeptiert. Gleich am ersten Tag nach ihrer Ankunft kamen die Lehrer ihrer Schule, um das Mädchen aus Deutschland kennen zu lernen. Die drei jungen Söhne der Familie haben sie am Flughafen mit einem Willkommensschild begrüßt, das fand sie sehr rührend.
Ein ganz besonderes Erlebnis erwartete Anna bei einer Wanderung: Sie findet Trekking nicht so spannend, als Motivation versprachen ihr die Gasteltern, dass auf der Spitze des Berges, auf den sie wandern wollten, eine ganz besondere Überraschung auf sie warte. Das war untertrieben – denn als sie an ihrem Ziel ankam, wartete dort ein Helikopter, der für einen Rundflug bereit stand. Ein weiteres Highlight: Während ihres Aufenthalts in Bozeman heiratete der Bruder ihres Gastvaters auf einem Kreuzfahrtschiff – es war für die Gastfamilie ganz selbstverständlich, dass Anna da auch mitreist.
Ihre Schule hatte gerade mal 60 Schüler, das sorgte für eine fast familiäre Atmosphäre. Ein großer Unterschied zu ihrer deutschen Schule mit über 1.000 Schülern.
Stepin: Ihre Tochter war ja erst 15, als sie in die USA gegangen ist – wie ist sie mit ihrem Schulenglisch zurechtgekommen?
Frau Wielgoss: Die internationalen Schüler hatten jeden Tag eine Stunde Englischunterricht. Das hat Anna schon sehr dabei geholfen, sich schnell zurechtzufinden und ihre Englischkenntnisse in Theorie und Praxis auszubauen. In ihrer Gastfamilie konnte sie das Gelernte dann direkt umsetzen. Schon nach wenigen Wochen berichtete sie mir, dass sie bereits in Englisch träumt. Nach ihrer Rückkehr haben wir zunächst mal nur Englisch gesprochen.
Stepin: Hat sie während dieser Zeit Freundschaften geschlossen?
Frau Wielgoss: Ja, sowohl mit Amerikanern als auch mit anderen internationalen Schülern, sie hat viel über die amerikanische und andere Kulturen erfahren. Obwohl sie in Deutschland keine regelmäßige Kirchgängerin ist, hatte sie Spaß daran, jede Woche in Bozeman in den Jugend-Kirchenkreis zu gehen. Sie fand die Gemeinschaft einfach schön, Kirche ist dort lockerer als bei uns.
Stepin: Stichwort Schule: Anna gehört ja bereits zu den G8-Jahrgängen. Wird sie eine Klasse wiederholen oder direkt in die Stufe 11 einsteigen?
Frau Wielgoss: Anna will gleich in die Klassenstufe 11 einsteigen. Sie ist sehr zielstrebig und organisiert, daher wird sie das auch schaffen.
Stepin: Welchen Rat würden Sie anderen Eltern geben, die ihre Kinder an eine Schule im Ausland schicken?
Frau Wielgoss: Nicht alles kontrollieren wollen und den Kindern einfach Vertrauen entgegenbringen. Ich bin dem Rat von Stepin, nicht dauernd anzurufen, zu mailen oder zu skypen gefolgt – und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Anna hat zwar, wie sie mir nach ihrer Rückkehr berichtete, schon mal ein bisschen Heimweh gehabt, ist damit aber souverän fertig geworden. Sie wusste genau, dass ihr der Aufenthalt an der High School in Bozeman ein einzigartiges Erlebnis bietet.
Stepin: Ihr Fazit zu Annas Zeit in Montana?
Frau Wielgoss: Sie hat mehr Selbstvertrauen gewonnen und viele unvergessliche Erfahrungen gemacht. Von den Dingen, die sie dort erlebt hat, wird sie noch lange Zeit zehren. Sie plant bereits ihre nächsten Auslandsaufenthalte und hat Freunde und ihre Gastfamilie, die im kommenden Jahr nach Europa reisen, bereits zu uns eingeladen. Materielle Dinge wie Markenmode etc. sind ihr nicht mehr so wichtig, sie ist bescheidener geworden und hat ihre Prioritäten anders gesetzt.
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