High School USA: Ein Elternbrief
Unser Sohn Konstantin verbrachte vom Sommer 2004 bis zum Sommer 2005 ein Auslandsjahr in Amerika.
Bis zu diesem Aufenthalt hatten wir nur wage Vorstellungen darüber, was es bedeutet, sich als Schüler auf dieses Abenteuer einzulassen und dafür zu entscheiden. Einige Freunde und Bekannte gaben uns ihre wichtigen Details, das genaue Wie, Was, Wann und Wozu klärte sich aber erst mit der Anmeldung bei Stepin.
In mehreren "Informationsbriefen" wurde nicht nur unser Sohn, sondern auch wir als seine Familie in kleinen Schritten auf dieses Abenteuer "vorbereitet", das doch einiger Aufwendung (nicht nur finanzieller Art) bedurfte. So hatten wir neben der umfangreichen Bewerbungsmappe, den zu erstellenden Bildern und persönlichen Briefen auch das USA-Visum und die Einreise zu beantragen, Konstantin durchlief den "Eignungstest" bei Stepin und wurde immer wieder persönlich angesprochen. Je mehr die Zeit verging von Dezember 2003 bis zum Frühjahr 2004, umso deutlicher wurde uns allen die Kontur dieser Auslandsmonate und das Land selber rückte mehr und mehr in unser Bewusstsein.
Im Mai schon erhielten wir die Adresse und die Unterlagen der ihn aufnehmenden Gastfamilie und damit war uns Eltern und auch seiner Schwester Theresa schlagartig bewusst geworden: es ist soweit, es gibt kein Zurück mehr !! Nach Rochester, Minnesota, zu einer Familie mit fünf teilweise schon erwachsenen Kindern, aber auch einem fast gleichaltrigen Gastbruder, sollte die Reise gehen.
Nach dem Informationsnachmittag hier in Bonn mit allen Ausreisewilligen des Sommers 2004 und den dortigen Auskünften, insbesondere der dort anwesenden Returnees, hatten wir das gute Gefühl, es wird klappen und bald ging es auch schon los!
Anfang August war es dann soweit, wir alle brachten Konstantin nach Frankfurt zum Treffpunkt " Vorbereitungsseminar". Der Abschied fiel uns als Eltern und auch seiner Schwester natürlich sehr schwer, aber nach einem kurzem "Good-bye" und raschem Rückzug aus der Jugendherberge sahen wir Konstantin noch lachend im Kreise der anderen Jugendlichen und hielten diesen Blick fest für die nächsten Monate.
Während der ersten Zeit vermissten wir ihn selbstverständlich sehr, aber seine häufigen Anrufe und E-Mails mit Informationen über seine Familie, seine Highschool in Rochester, seinen wachsenden Freundeskreis, die gemeinsamen Familienausflüge und rein persönliche Eindrücke halfen uns sehr, einen Einblick in "sein" Leben dort zu erhalten und ihn zu verstehen. Schon bald, kurz vor Jahresende 2004, äußerte Konstantin den Wunsch, seinen Aufenthalt in den USA und bei seiner Familie auf ein Jahr zu verlängern (geplant waren ursprünglich nur fünf Monate). Anfangs schockiert über diese Bitte, aber dann doch schnell einverstanden, regelten wir über Stepin die Formalitäten und waren glücklich, dass er sich in seiner neuen Umgebung und Familie so wohl fühlte, um diesen Schritt zu tun !! In der ganzen Zeit standen wir mit der Gastmutter, einer sehr verständnisvollen Frau, die Konstantin sehr gut einschätzte, in E-Mail Kontakt.
Um das Jahr auch für uns als seine Eltern und Schwester abzurunden, beschlossen wir im Frühjahr 2005, ihn am Ende seiner Schulzeit in Rochester abzuholen, um seine Familie, seine Schule und seine Freunde, soweit dies möglich war, auch persönlich kennen zu lernen. Mit dem Wiedersehen in Minnesota, der Freude über dieses gelungene Jahr für Konstantin (und uns Daheimgebliebenen, die auch durchgehalten hatten!), der persönlichen Begegnung mit fast allen Familienmitgliedern der Gastfamilie und einer sich anschließenden Rundreise durch den mittleren Teil der Staaten, brachten wir alle diese doch langen 11 Monate zu einem glücklichen Ende!
Sollte ich ein abschließendes Fazit ziehen, so kann ich nur bestätigen, dass ein solch langer Aufenthalt in einem fremden Land mit einer (anfangs) fremden Sprache für die Jugendlichen wirklich eine Herausforderung bedeutet, und zwar auf allen Ebenen von Familie, Schule, Freundeskreis, Musikband, Freizeitgestaltung! Nehmen sie diese Herausforderung freiwillig an und finden sich nach und nach zurecht, so eröffnet sich ihnen ein neuer Horizont von Eigenständigkeit, Selbstverantwortung, Selbstvertrauen und Freude an einem anderen Leben, als sie es von Deutschland her kannten.
Es bedeutet vor allem auch ein großes Stück Freiheit für die Jugendlichen, die sie in diesem Umfang zu Hause wohl nicht erlebt hätten!
Gertrud Richter (Mutter von Konstantin Richter)
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