High School in Neuseeland
"18.000 km entfernt und mitten im indischen Ozean befindet sich das Land der Kiwis und Hobbits, genannt Aotearoa (,,das Land der langen, weißen Wolke“) oder auch einfach Neuseeland.
Wer kennt es nicht, das Land, was Peter Jacksons Mittelerde in den Herr-der-Ringe Filmen ein zu Hause bot und dessen Kultur durch den Film ,,Whale-Rider“ bekannt geworden ist. Als ich dieses Jahr Anfang Februar das erste Mal auf dem Skytower der Stadt Auckland stand, welche die größte Neuseeland ist, konnte ich es kaum fassen, dass mein Traum in Erfüllung gegangen war und ich hier für fünf Monate leben und zur Schule gehen konnte. Schon allein der 25-stündige Flug, der hinter mir und den anderen Austauschschülern der Organisation Stepin lag, war ein kleines Abenteuer für sich gewesen und es gab noch so viel Neues und Unbekanntes.
Zunächst einmal natürlich meine Gastfamilie, mit denen ich bisher nur über Email Kontakt hatte. Das erste, was Mackenzie (4 Jahre) und Harrison (1 ½ Jahre) taten als die mich kurz nach meiner Ankunft sahen, war, sich zu verstecken. Was wollte dieses fremde Mädchen auch, was nun plötzlich mit ihnen in einem Haus wohnte!
Doch ihre anfängliche Scheu verloren sie schnell und sie fanden heraus, dass Trampolin springen zu dritt viel mehr Spaß machte als zu zweit. Somit fiel es mir nicht schwer, mich rasch in der Familie einzuleben.
Unsere Schulpullover sind für viele Schüler in Neuseeland ein Traum, den die meisten Schulen dort schreiben das Tragen einer Schuluniform vor, die die Schüler ihr gesamtes Schulleben lang an strenge Regeln bindet. Als ich meine Uniform das erste Mal trug, fühlte ich mich ziemlich komisch und stellte auf meinem Schulweg gleichzeitig fest, dass sie noch eine der Hübschesten war... In den Schulalltag lebte ich mich schnell ein: Jeden Tag von 8.30 bis 15.10 Unterricht, jeden Tag fünf von insgesamt sechs Fächern. Was erstaunlich war: Die Schüler mussten weder Mathe noch Englisch wählen, sodass sich Stundenpläne ergaben, die aus Art and Design, Media Studies, Dance, PE, Maori und Graphic bestanden.
Maori sind die Ureinwohner Neuseelands, deren Kultur heute wieder stärker vertreten ist. Früher gab es immer wieder Konflikte zwischen den Maori und den Siedlern aus England. Der Waitangi Day, ein nationaler Feiertag zum Gedenken an den ,,Treaty of Waitangi“ zwischen den Maori und den Siedlern, lag in meiner ersten Woche, die ich in Neuseeland verbrachte. Meine Gasteltern nahmen mich mit zu einem Festival, auf dem ich zu meiner großen Überraschung die Premierministerin von Neuseeland traf. Sie ging zwischen den Ständen umher, wie alle anderen Leute und mein Gastvater trat ohne Scheu auf sie zu und fragte, ob ich ein Foto mit ihr bekommen könnte. Helen Clark war einverstanden, grüßte mich in deutscher Sprache und schon hatte ich nach wenigen Tagen in Neuseeland ein Foto mit der Premierministerin. In Deutschland unvorstellbar!
Durch die beiden neuseeländischen Koordinatoren von Stepin hatte ich immer Ansprechpartner, die mir geholfen haben. Chris und Michelle waren immer zu Scherzen aufgelegt, halfen jedoch auch bei Problemen oder Planungen. Die Südinselreise zu organisieren, welche ich mit einer Partnerorganisation von Stepin gemacht habe, war somit auch keine Schwierigkeit.Die Südinsel Neuseelands hat eine atemberaubende Landschaft und dort ging mein Traum, mit Delphinen zu schwimmen, in Erfüllung! Es war eine sehr gute Gelegenheit, Land und Leute besser kennen zu lernen.
Vor einigen Wochen nahm ich hier in Deutschland an einer Informationsveranstaltung von Stepin teil, um anderen Schülern von meinen Erfahrungen zu berichten. Zu meiner großen Überraschung traf ich dabei Chris, meinen neuseeländischen Koordinator und einige Schulleiter neuseeländischer Schulen, die diese präsentierten! Leider war der Schulleiter von meiner Schule, Mr. Bentley vom Macleans College, nicht dabei, da er erst ein Tag später anreisen sollte. Doch dass Chris dabei war, reichte mir schon. Ich habe gedacht, ich würde ihn nie wieder sehen und dann taucht er plötzlich ein Paar Wochen nach meiner Abreise in Deutschland auf! Die Welt ist also doch ziemlich klein und obwohl Neuseeland relativ weit weg liegt, ist es nicht unerreichbar.
Ein Austauschjahr gibt einem eine unvergessliche und einmalige Erfahrung, die man nie verlieren kann. Stepin hat mich die ganze Zeit über begleitet und geholfen und auch jetzt habe ich noch Kontakt zu den freundlichen Mitarbeitern. Jedem Neugierigen und Interessierten würde ich ein Auslandsaufenthalt unbedingt empfehlen. Wer noch zögert: Es lohnt sich, mutig zu sein!"
Lena Helbig
Schulberater international
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